Familie: Der unterschätzte Faktor im Vermögensschutz!

(06.09.26) Vermögensschutz beginnt nicht erst bei der Auswahl eines Bankkontos, eines Wertpapierdepots oder einer sicheren Rechtsordnung. Ein entscheidender Faktor wird häufig unterschätzt: die Familie. Sie kann Wissen, Kapital und Verantwortung über Generationen hinweg weitergeben – oder durch Streit, fehlende Vorsorge und ungeklärte Zuständigkeiten erhebliche Vermögensverluste verursachen.

Eine 2024 veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, der Universität zu Köln, der GESIS und des Norwegian Institute of Public Health verdeutlicht, wie eng familiäre Lebensverläufe und Vermögensentwicklung miteinander verbunden sind. Untersucht wurde, wie Ereignisse wie Elternschaft, Großelternschaft und der Tod der Eltern mit dem Vermögensaufbau im Lebensverlauf zusammenhängen.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Den stärksten Vermögenszuwachs verzeichneten Personen, die vergleichsweise spät Eltern und Großeltern wurden und ihre Eltern erst spät verloren. Vier-Generationen-Familien wiesen dagegen die geringsten Vermögenszuwächse auf. Die Forschenden sehen mögliche Ursachen in länger bestehenden finanziellen Verpflichtungen, familiären Unterstützungsleistungen und späteren Erbschaften. Dabei handelt es sich um Zusammenhänge, nicht um den Nachweis einfacher Ursache-Wirkungs-Beziehungen.

Familie ist Vermögensfaktor und Risikogemeinschaft

Innerhalb einer Familie werden nicht nur Geld, Immobilien oder Unternehmensanteile weitergegeben. Ebenso wichtig sind Erfahrungen, finanzielle Bildung, Kontakte und die Fähigkeit, in Krisen gemeinsam zu handeln. Wer seinen Kindern früh den verantwortungsvollen Umgang mit Geld vermittelt, überträgt deshalb weit mehr als nur Vermögen.

Gleichzeitig können familiäre Verpflichtungen die eigene Vermögensbildung belasten. Ausbildungskosten, Pflege, finanzielle Hilfe für Angehörige oder die Unterstützung mehrerer Generationen binden Kapital. Die Familie ist daher nicht automatisch ein Schutzschild. Sie wird erst dann zu einem wirksamen Vermögensfaktor, wenn Verantwortlichkeiten und Erwartungen rechtzeitig geklärt werden.

Vermögen erhalten statt nur vererben

Viele Menschen planen sorgfältig, wie sie Vermögen aufbauen. Deutlich weniger beschäftigen sich damit, wie dieses Vermögen im Notfall verwaltet oder später geordnet übertragen werden soll. Genau hier entstehen vermeidbare Risiken.

Zu einer belastbaren Familienstrategie gehören insbesondere:

  • ein aktuelles Testament oder eine andere passende Nachfolgeregelung,
  • Vorsorgevollmachten und klare Vertretungsbefugnisse,
  • eine geordnete Übersicht über Konten, Depots, Immobilien, Beteiligungen und Verbindlichkeiten,
  • ausreichende Liquidität für Steuern, Pflegekosten und laufende Verpflichtungen,
  • Regelungen für Unternehmen und Gesellschaftsanteile,
  • ein Konzept für digitale Vermögenswerte und Zugangsdaten,
  • sowie eine rechtzeitige Kommunikation innerhalb der Familie.

Gerade bei Kryptowerten ist dieser letzte Punkt entscheidend. Bitcoin, Token und selbst verwahrte Wallets können für Erben dauerhaft verloren sein, wenn niemand von ihrer Existenz weiß oder der Zugriff nicht rechtssicher vorbereitet wurde. Seed-Phrases und Passwörter gehören jedoch nicht ungeschützt in ein Testament oder eine frei zugängliche Notfallmappe. Sinnvoll ist ein getrenntes und professionell strukturiertes Zugangs- und Nachlasskonzept.

Schenken mit Plan und Kontrolle

Eine schrittweise Vermögensübertragung zu Lebzeiten kann sinnvoll sein. Dadurch lassen sich Nachfolger frühzeitig einbinden und – abhängig vom jeweiligen Wohnsitz, Steuerrecht und Verwandtschaftsgrad – steuerliche Freibeträge nutzen. Eine Schenkung darf jedoch nicht dazu führen, dass der Schenkende seine eigene finanzielle Sicherheit verliert.

Vor jeder größeren Übertragung sollten deshalb vier Fragen beantwortet werden:

  1. Reicht das verbleibende Vermögen dauerhaft für den eigenen Lebensunterhalt?
  2. Welche Pflege-, Gesundheits- oder Haftungsrisiken müssen berücksichtigt werden?
  3. Soll der Schenkende weiterhin Erträge, Nutzungsmöglichkeiten oder Kontrollrechte behalten?
  4. Was geschieht bei Scheidung, Insolvenz oder vorzeitigem Tod des Empfängers?

Je nach Vermögensstruktur können Nießbrauchsrechte, Rückforderungsrechte, Familiengesellschaften oder Stiftungsmodelle geeignete Instrumente sein. Sie sind jedoch keine Lösungen von der Stange. Eine Familienstiftung lohnt sich wegen ihrer Kosten und Komplexität in der Regel erst bei einem entsprechend großen Vermögen und einem klaren langfristigen Zweck.

Fair bedeutet nicht immer gleich

Ein häufiger Auslöser für Erbstreitigkeiten ist die Vorstellung, jedes Familienmitglied müsse zwingend exakt denselben Vermögenswert erhalten. Bei Unternehmen, Immobilien oder Beteiligungen kann eine rein rechnerische Gleichverteilung jedoch wirtschaftlich schädlich sein.

Mitunter ist es besser, Vermögenswerte funktional zuzuordnen und Unterschiede durch andere Mittel auszugleichen. Entscheidend ist, dass die Regelung nachvollziehbar, finanzierbar und rechtlich belastbar ist. Unausgesprochene Erwartungen sind dagegen ein gefährlicher Nährboden für Konflikte.

Auch Eheverträge, Gesellschaftsverträge und erbrechtliche Regelungen sollten aufeinander abgestimmt werden. Widersprechen sich diese Dokumente, kann selbst eine grundsätzlich sinnvolle Nachfolgeplanung scheitern.

Internationale Familien brauchen besondere Vorsicht

Leben Familienmitglieder, Erben oder Vermögenswerte in mehreren Staaten, steigt die Komplexität erheblich. Dann können unterschiedliche Erb-, Ehegüter- und Steuerordnungen gleichzeitig relevant werden. Der Wohnsitz, die Staatsangehörigkeit und der Standort einzelner Vermögenswerte können dabei entscheidend sein.

Besonders bei Immobilien, Unternehmen, Auslandskonten und Kryptowerten sollte deshalb geprüft werden, welches Recht tatsächlich anwendbar ist und wo Steuer- oder Meldepflichten entstehen. Eine Gestaltung, die in einem Staat funktioniert, kann in einem anderen Staat wirkungslos oder sogar nachteilig sein.

Mein Fazit: Familie braucht eine Vermögensstrategie

Die Familie ist weder automatisch ein Garant für Vermögensschutz noch lediglich eine Gruppe möglicher Erben. Sie ist ein wirtschaftliches Netzwerk, in dem Vermögen, Wissen, Verantwortung und Risiken über Generationen hinweg weitergegeben werden.

Wirksamer Kapitalschutz entsteht deshalb nicht allein durch Schenkungen, Testamente oder Stiftungen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus finanzieller Bildung, klaren Zuständigkeiten, ausreichender Liquidität, rechtlicher Vorsorge und offener Kommunikation. Wer diese Fragen rechtzeitig klärt, schützt nicht nur sein Vermögen – sondern häufig auch den Familienfrieden.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com


Stiften statt verarmen!

(04.02.23) Das Statistische Bundesamt (DESTATIS) hat aktuell Zahlen in zwei Bereichen veröffentlicht, die mehr als nachdenklich stimmen. Zum einen ist der Anteil der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen in Deutschland um zehn Prozentpunkte auf 72% im Jahr 2021 gestiegen. Der EU-Schnitt liegt lediglich bei 60%. Damit sind in Deutschland die 55- bis 64-Jährigen deutlich häufiger erwerbstätig als im EU-Durchschnitt. Zum anderen hat sich auch jenseits der 64 Jahre der Anteil der Erwerbstätigen in kurzer Zeit deutlich erhöht.

2012 arbeiteten in Deutschland noch 11% der 65- bis 69-Jährigen. Im Jahr 2021 lag der Anteil bei 17% – und damit ebenfalls über dem EU-Durchschnitt von 13%. Ein Grund für den Anstieg in Deutschland ist die stufenweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Interessanterweise ist auch das Bildungsniveau ein wesentlicher Grund für den Verbleib älterer Menschen im Arbeitsmarkt: Höhere Bildungsabschlüsse gehen oft mit einer längeren Erwerbstätigkeit einher. In der Generation 65plus waren unter den Hochqualifizierten hierzulande 2021 noch 13% erwerbstätig, unter den Geringqualifizierten waren es lediglich 4,5%.

647.515 Rentner in Deutschland sind abhängig von der Grundsicherung

Damit einhergehend sind immer mehr Menschen im Alter auf die sogenannte Grundsicherung, also eine staatliche Sozialhilfe, angewiesen. Das Thema Altersarmut wird dadurch weiter an Dynamik gewinnen. Allein in den drei Monaten von Juni bis September 2022 hat sich die Zahl der Rentner in Grundsicherung von 628.570 auf 647.515 erhöht, mit weiter steigender Tendenz. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl um 68.420 „staatlich abhängige“ Rentner erhöht.

Die hohe Zahl der bedürftigen Rentner ist eine Schande für Deutschland!

Die Zahlen der Rentner in Altersarmut sind eine Schande. Deutschland hat nach wie vor den Status, ein reiches und wohlhabendes Land zu sein. Gleichzeitig dreht der Staat jetzt zunehmend an der Erbschaftssteuer, um vermögende Rentner zu schröpfen. Dieser wichtigen Entwicklung widme ich mich in meiner kommenden März-Ausgabe von "Kapitalschutz vertraulich" im Hinblick auf das Thema „Stiftungen“.

Die Zahlen zur Kinder- und Jugendarmut sind ebenfalls eine Farce

Nicht nur die Altersarmut ist ein stark zunehmendes Problem in Deutschland, sondern auch die Kinder- und Jugendarmut. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass mehr als jedes fünfte Kind und jeder vierte junge Erwachsene in Deutschland als armutsgefährdet gelten. Alleinerziehende sowie Familien mit drei und mehr Kindern sind besonders betroffen. Die aktuellen Daten zeigen, dass sich die Lage nicht gebessert hat. In absoluten Zahlen bedeutet das: Knapp 2,9 Millionen Kinder und Jugendliche sowie 1,55 Millionen junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren galten 2021 als armutsgefährdet.

Aufgrund der sich seither eintrübenden wirtschaftlichen Lage und der explodierenden Inflation ist für das Jahr 2023 mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen. Vertiefende Erkenntnisse zur Armutsgefährdung liefern die amtlichen Daten zu Kindern und Jugendlichen, die Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II erhalten.

Demnach lebten im Sommer 2022 rund 1,9 Millionen junge Menschen unter 18 Jahren in Haushalten, die Sozialleistungen beziehen. Die Quote von Kindern und Jugendlichen im SGB II-Bezug betrug in Westdeutschland 13,4% und in Ostdeutschland 16%. Ein Blick auf die kommunale Ebene zeigt gravierende Unterschiede: Die Spannbreite lag zwischen 3% im bayerischen Roth und 42% in Gelsenkirchen in NRW. Damit sich an dem strukturellen Problem der Kinder- und Jugendarmut endlich etwas ändert, sollte die Bundesregierung nach Ansicht der Studienautoren die Kindergrundsicherung schnell und entschlossen auf den Weg bringen.

Die Quoten der Armutsgefahr in Deutschland sind viel zu hoch

Auch viele junge Erwachsene sind mit Armut konfrontiert. Laut der Bertelsmann Stiftung (Grafik) weisen 18- bis 25-Jährige mit 25,5 Prozent sogar das höchste Armutsrisiko aller Altersgruppen auf. Frauen sind dabei stärker betroffen als Männer, junge Menschen in Ostdeutschland häufiger als die in Westdeutschland. SGB II-Leistungen beziehen allerdings nur 7 Prozent dieser Altersgruppe, was auf den ersten Blick überrascht. Das liegt hauptsächlich daran, dass junge Erwachsene für gewöhnlich eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren und viele zum ersten Mal in eine eigene Wohnung ziehen.

Hier greifen andere sozialstaatliche Maßnahmen, wie BAföG oder Wohngeld. Die hohe Armutsbetroffenheit junger Erwachsener weist jedoch darauf hin, dass die verschiedenen Systeme nicht gut zusammenwirken. Ohne Unterstützung durch ihre Eltern wäre es vielen nicht möglich, ihre Existenz zu sichern. Damit hängen die Chancen junger Menschen weiterhin zu stark vom Elternhaus ab. Ich bin kein Politiker und habe keine Lösung, wie das große Problem der Kinder- aber auch der Altersarmut nachhaltig gelöst werden kann. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt in einem intelligenteren
Vermögensaufbau und dem ganzheitlichen Schutz des Familienvermögens.

Soziale Marktwirtschaft versus Sozialstaat und Sozialismus

Als Familienvater kann ich es nur begrüßen, dass arme Kinder und Jugendliche unterstützt werden, ebenso wie pflegebedürftige Personen und deren Angehörige. Gleiches gilt auch für Rentner. Allerdings müssen all diese Maßnahmen gegenfinanziert werden und auch diese Lasten werden somit auf Steuerzahler und Vermögensinhaber umgelegt und umverteilt! Die "schützende" Hand des Staates für die "Armen" und "Schwachen" sowie die "Unwilligen" ist somit immer auch die "nehmende" Hand für Leistungsstarke, Steuerzahler und Vermögende.

Das ist selbstverständlich nicht verwerflich, aber das Maß muss stimmen und diese Ausgewogenheit (Stichwort: Soziale Marktwirtschaft versus Sozialistaat bzw. Sozialismus) gerät nach meiner Einschätzung in Deutschland zunehmend aus dem Lot. Nicht mit isoliertem Blick auf die Superreichen, sondern im Zusammenhang mit den weiter zunehmenden Lasten für Mittelstand und Mittelschicht und somit den Wohlstand in Deutschland!

Pflegebedürftigkeit: Das unterschätzte Zukunftsrisiko

In Deutschland gibt es einen weiteren Bereich an Bedürftigen, die immer mehr werden: 4,96 Millionen Menschen in Deutschland waren laut Statistischem Bundesamt Ende 2021 pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Die starke Zunahme um 830.000 Pflegebedürftige (+20 %) ist – wie auch die großen Sprünge in den Jahren 2017 und 2019 – überwiegend auf die Einführung eines neuen, weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffs zum 01.01.2017 zurückzuführen.

84% der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, wie nachfolgende Statista-Grafik verdeutlicht. Die übrigen 16% werden in Pflegeheimen vollstationär betreut. 79% der Betroffenen sind 65 Jahre und älter. Die Mehrheit (62%) der Pflegebedürftigen ist weiblich.

Eine private Pflegeversicherung ist ein wichtiger Kapitalschutz-Baustein!

Ein Platz in einem Pflegeheim ist sehr teuer. Die realistischen Kosten belaufen sich auf rund 3.000 bis 5.000 Euro im Monat Die gesetzliche Pflegeversicherung ist dafür nicht ausreichend, so dass eine nicht unerhebliche Deckungslücke entsteht, die aus dem eigenen Vermögen bedient werden muss. Die Pflegebedürftigkeit ist nach wie vor ein völlig unterbewertetes Risiko, gerade auch im Zusammenhang mit einer Auswanderung.

Meine Nr. 1 für den Abschluss einer privaten Pflegeversicherung für meine Leser von "Kapitalschutz vertraulich" ist dabei umfassend, flexibel und für jeden Geldbeutel geeignet. Und sie leistet weltweit, ohne Wenn und Aber, auch im Ausland für den Fall einer Wohnsitzverlagerung bzw. Auswanderung. Wichtig: Auch bzw. gerade Pflegeschutz = Kapitalschutz!

Mein Fazit & Ausblick: Stiftungen schützen Vermögen

Mit dem Jahreswechsel hat sich gesetzlich einiges geändert. Der Bundestag hat zahlreiche Steueränderungen verabschiedet. Unter anderem könnten Erbschaft-, Schenkung- und Grundsteuer in Zukunft deutlich höher ausfallen. Das betrifft auch das Familien- und Erbrecht.

Wer seinen Nachlass nicht überlegt regelt, verursacht - wenn auch ungewollt - möglicherweise langjährige Streitigkeiten unter den Erben. Auch wegen diesen bedenklichen Entwicklungen befasse ich mich aktuell sehr intensiv mit dem Stiftungsrecht. Die Erbersatzsteuer in Deutschland ist mit einer Familienstiftung gestaltbar und sorgt so auch für den Schutz des Vermögens. Mit einer Familienstiftung sind auch grenzüberschreitende Strukturen möglich. Liechtenstein ist beispielsweise ein beliebter Standort für Familienstiftungen. Hier gibt es keine Erbersatzsteuer. Mehr dazu in meiner kommenden März-Ausgabe 2023 von "Kapitalschutz vertraulich"!

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com