Das Gold-Wiesenbier-Ratio!
(23.09.26) Wie viele Maß Bier bekommen Sie für eine Feinunze Gold? Diese augenzwinkernde Frage beantwortet das Gold/Wiesnbier-Ratio jedes Jahr zum Münchner Oktoberfest. 2026 lautet die Antwort: 240 Maß. Das ist ein neuer Rekord. Der bisherige Höchstwert von 227 Maß stammte aus dem Jahr 1980.
Eine Feinunze entspricht rund 31,1 Gramm Gold. Für das Ratio wird ihr Wert in Euro durch den Preis einer Maß Wiesnbier geteilt. Steigt der Goldpreis stärker als der Bierpreis, wächst die Zahl der Maß, die eine Unze rechnerisch kaufen könnte. Die Kennzahl macht Kaufkraft damit anschaulich: Sie misst Gold nicht nur in Euro, sondern in einem konkreten Produkt.
Hinter dem Vergleich steht das Team des In Gold We Trust-Reports aus Liechtenstein. Es veröffentlicht die Reihe über Jahrzehnte hinweg. Gerade deshalb ist sie interessant: Eine Maß kostet heute erheblich mehr Euro als früher. In Gold gerechnet sieht die Entwicklung jedoch anders aus.
Von 119 auf 240 Maß in drei Jahren
2023 reichte eine Feinunze Gold rechnerisch für 119 Maß Wiesnbier. 2024 waren es 148, 2025 bereits 186 und 2026 schließlich 240 Maß. Allein gegenüber dem Vorjahr sind das 54 Maß mehr, ein Zuwachs von rund 29 Prozent. Gegenüber 2023 hat sich die Bierkaufkraft einer Unze damit ungefähr verdoppelt.
Den Ausschlag gab vor allem Gold. Laut Studie stieg sein Preis von 2.950 Euro Ende August 2025 auf 3.827 Euro Ende August 2026 – ein Plus von 29,7 Prozent. Der für die Vergleichsreihe verwendete Maßpreis erhöhte sich dagegen nur von 15,80 auf 15,90 Euro. Deshalb kletterte das Ratio so kräftig.
Die 240 Maß sind eine Modellrechnung, kein einheitlicher Wiesn-Preis. Die Stadt München nennt für 2026 je nach Betrieb eine Spanne von 14,80 bis 15,90 Euro pro Maß. Die Studie verwendet 15,90 Euro und den Goldpreis von Ende August. Wer heute einen anderen Goldkurs oder den Preis eines günstigeren Festzelts einsetzt, erhält ein anderes Ergebnis. Genau diese feste Methode ermöglicht aber den Vergleich innerhalb der Studienreihe.
Was die Rekordzahl aussagt
Der Blick zurück zeigt, wie stark das Verhältnis schwanken kann. 1970 und 1971 waren es jeweils nur 48 Maß pro Feinunze. 1980 erreichte das Ratio 227 Maß, fiel später wieder deutlich und liegt nun erstmals bei 240. Der langfristige Durchschnitt der Studienreihe beträgt 93 Maß. Der aktuelle Wert ist also auch historisch außergewöhnlich.
Für Menschen, die in Euro bezahlen, ist die Wiesn trotzdem teurer geworden. In der Vergleichsreihe der Studie kostete eine Maß 2019 noch 11,80 Euro, 2024 bereits 15,30 Euro und 2026 schließlich 15,90 Euro. Gold hat diesen Preisanstieg im betrachteten Zeitraum mehr als ausgeglichen. Das ist der Kern der Aussage – und ein einprägsames Beispiel für den möglichen Kaufkrafterhalt eines Sachwerts.
Daraus folgt allerdings nicht, dass Gold zu jedem Zeitpunkt jede Ausgabe zuverlässig absichert. Das Ratio hängt von zwei Preisen ab: dem Goldkurs und dem Bierpreis. Gold kann kräftig steigen, aber auch längere Zeit fallen. Zudem ist eine Maß auf dem Oktoberfest ein spezielles Produkt, dessen Preis auch von Gastronomie und Veranstaltungsort geprägt wird. Das Ratio ist ein Kaufkraftvergleich, kein allgemeiner Inflationsindex.
Was Sie als Anleger daraus mitnehmen können
Der praktische Nutzen liegt im Perspektivwechsel. Ein steigender Goldpreis in Euro klingt zunächst nach Gewinn. Erst der Vergleich mit Waren und Dienstleistungen zeigt, ob damit auch mehr gekauft werden kann. Beim Wiesnbier lautet die Antwort für die vergangenen Jahre eindeutig ja. Ob das ebenso für Miete, Lebensmittel oder Gesundheitskosten gilt, muss jeweils gesondert geprüft werden.
Wenn Sie Gold als Teil Ihres Vermögens halten, sollten Sie außerdem zwischen dem angegebenen Goldkurs und dem tatsächlich erzielbaren Verkaufspreis unterscheiden. Beim Kauf und Verkauf physischer Münzen oder Barren fallen Preisaufschläge beziehungsweise Abschläge an. Auch sichere Lagerung kann Geld kosten. Für eine persönliche Kaufkraftrechnung zählt, was Ihnen nach diesen Kosten tatsächlich zur Verfügung steht.
Ebenso wichtig ist die Liquidität: Laufende Ausgaben bezahlen Sie mit Geld, nicht unmittelbar mit einer Feinunze Gold. Gold kann ein langfristiger Baustein zum Vermögensschutz sein. Eine jederzeit verfügbare Geldreserve für Rechnungen und unerwartete Ausgaben erfüllt eine andere Aufgabe. Das Wiesnbier-Ratio hilft beim Einordnen der Goldentwicklung, ersetzt aber keine durchdachte Aufteilung des Vermögens.
Mein Fazit: Das Gold/Wiesnbier-Ratio erreicht 2026 einen neuen Rekord!
240 Maß für eine Feinunze Gold: Das Gold/Wiesnbier-Ratio erreicht 2026 einen neuen Rekord. Der Vergleich zeigt besonders deutlich, wie stark Gold seit 2023 gegenüber dem Preis einer Wiesn-Maß zugelegt hat. Während die Maß in Euro teurer wurde, ist sie in Gold gerechnet günstiger geworden.
Die Zahl ist anschaulich, aber sie erzählt nur einen Teil der Kaufkraftgeschichte. Für Ihre Vermögensplanung sind auch andere Ausgaben, die Schwankungen des Goldpreises und die tatsächlichen Kosten beim Kauf und Verkauf entscheidend. Genießen Sie die Statistik daher mit einem nüchternen Blick – selbst wenn ihr Maßstab ausgerechnet Bier ist.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com





