Sneaker als Geldanlage?
(01.10.26) Für manche Menschen sind Sneaker längst mehr als Schuhe. Sie sammeln seltene Modelle, verfolgen neue Veröffentlichungen und zahlen für begehrte Paare deutlich mehr als den ursprünglichen Ladenpreis. So ist ein Zweitmarkt entstanden, auf dem Schuhe gehandelt werden wie andere Sammlerstücke. Doch eignet sich ein Paar Sneaker deshalb schon als Geldanlage?
Ein hoher Wiederverkaufspreis entsteht vor allem dann, wenn viele Menschen ein bestimmtes Modell besitzen möchten, aber nur wenige Paare verfügbar sind. Limitierte Auflagen, Kooperationen mit Künstlern oder eine besondere Geschichte können diese Nachfrage auslösen. Ob daraus ein dauerhafter Wert wird, lässt sich beim Kauf allerdings kaum vorhersagen.
Anders als ein Sparkonto zahlt ein Sneaker keine Zinsen. Anders als eine Aktie beteiligt er Sie nicht am Gewinn eines Unternehmens. Ihre mögliche Rendite hängt allein davon ab, ob Sie später einen Käufer finden, der nach Abzug aller Kosten mehr bezahlt als Sie selbst. Der entscheidende Maßstab ist deshalb ein tatsächlich erzielter Verkaufspreis, nicht ein besonders hohes Inserat.
Seltenheit allein genügt nicht
Zu den bekannten Sneaker-Marken zählen Nike und seine Jordan-Linie, Adidas, New Balance, ASICS, Puma, Converse und Vans. Bei Sammlern sind jedoch nicht pauschal alle Schuhe einer Marke gefragt. Entscheidend ist das konkrete Modell – etwa eine limitierte Auflage, eine besondere Farbvariante oder eine Zusammenarbeit mit einem Künstler.
Auf dem Zweitmarkt kommt es auf das genaue Paar an. Modell, Farbvariante und Schuhgröße können den Preis ebenso beeinflussen wie der Zustand. Neue, ungetragene Schuhe mit Originalkarton sind für Sammler meist attraktiver als getragene Exemplare. Schon kleine Beschädigungen oder fehlendes Zubehör können den Kreis möglicher Käufer verkleinern.
Zudem ändern sich Vorlieben schnell. Auf der Handelsplattform StockX stiegen 2025 die Verkäufe von ASICS gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent, von Saucony um 38 Prozent und von Mizuno um 148 Prozent. Das zeigt, wie stark einzelne Marken gerade gefragt sein können. Diese Zahlen messen verkaufte Mengen auf StockX – keine Preissteigerungen und keine Anlagerenditen.
Selbst die Knappheit eines Modells ist nicht immer von Dauer. Bringt ein Hersteller zusätzliche Paare auf den Markt, kann der Wiederverkaufspreis unter Druck geraten. Beim Yeezy Boost 350 V2 „Cream White“ dokumentierte StockX 2018 im Umfeld einer angekündigten großen Neuauflage einen deutlichen Preisrückgang. Das Beispiel ist älter, macht das Risiko aber anschaulich: Ein heute schwer erhältlicher Schuh muss es nicht bleiben.
Der Verkaufspreis ist noch kein Gewinn
Angenommen, Sie kaufen ein Paar für 200 Euro und verkaufen es später für 300 Euro. Die Differenz beträgt 100 Euro. Zahlen Sie beispielhaft zwölf Prozent Plattformgebühr auf den Verkaufspreis und 15 Euro für den Versand, bleiben 49 Euro vor möglichen Steuern. Die verwendeten Gebühren sind eine Annahme für diese Rechnung; tatsächliche Kosten unterscheiden sich je nach Verkaufsweg.
Weitere Ausgaben können das Ergebnis schmälern: Versand beim Einkauf, Echtheitsprüfung, Verpackung oder Gebühren für Zahlungen und Währungsumrechnung. Auch Ihre Zeit für die Suche nach einem Käufer ist nicht kostenlos. Rechnen Sie deshalb vor dem Kauf aus, welchen Preis Sie mindestens erzielen müssten, um Ihre gesamten Ausgaben zu decken.
Vergleichen Sie dafür möglichst abgeschlossene Verkäufe desselben Modells in derselben Größe und ähnlichem Zustand. Ein angebotener Preis beweist noch nicht, dass jemand ihn bezahlt. Gibt es nur wenige Verkäufe, kann auch der letzte erzielte Preis ein Ausreißer sein. Je seltener ein Paar gehandelt wird, desto schwieriger kann es sein, es bei Bedarf rasch zu einem angemessenen Preis zu verkaufen.
Echtheit und Zustand schützen
Bei teuren Sneakern ist eine Fälschung ein unmittelbares Verlustrisiko. Prüfen Sie deshalb, bei wem Sie kaufen, welche Rückgaberechte gelten und wie eine mögliche Echtheitsprüfung abläuft. Bewahren Sie Rechnung, Originalkarton und Zubehör sorgfältig auf. Sie erleichtern damit die Dokumentation der Herkunft, ersetzen aber keine verlässliche Prüfung.
Auch ungetragene Schuhe können altern. Wärme, Feuchtigkeit, Sonnenlicht oder ungünstige Lagerung können Materialien und Verpackung beschädigen. Wer auf einen Verkauf in einigen Jahren setzt, muss den Zustand erhalten – und sollte einkalkulieren, dass trotz sorgfältiger Lagerung nicht jedes Material unbegrenzt haltbar ist.
Dokumentieren Sie für jedes Paar den Kaufpreis, sämtliche Nebenkosten und einen späteren Verkaufserlös. So sehen Sie, ob Sie mit Ihrer Sammlung tatsächlich Geld verdienen. Wenn Sie regelmäßig mit Gewinnerzielungsabsicht kaufen und verkaufen, sollten Sie zudem die für Ihren Wohnsitz geltenden steuerlichen und gewerblichen Regeln prüfen.
Sneaker sind keine sichere Geldanlage sondern Sammlerobjekte
Wer sich intensiv mit Sneakern beschäftigt, Modelle und Käufer kennt und Freude am Sammeln hat, kann einzelne Paare bewusst erwerben. Marktkenntnis hilft, Fehlkäufe zu vermeiden. Eine Garantie für steigende Preise ist sie nicht.
Für den langfristigen Vermögensaufbau eignen sich Sneaker aus meiner Sicht allenfalls als kleine, spekulative Beimischung. Ihr Wert hängt stark von Mode und Sammlerinteresse ab. Hinzu kommen Lagerung, Fälschungsrisiko, Verkaufskosten und die Frage, wie schnell sich überhaupt ein Käufer findet.
Mein Fazit: Kaufen Sie einen Sneaker nur dann als mögliches Investment, wenn Sie das konkrete Modell und seinen Zweitmarkt verstehen. Prüfen Sie echte Verkäufe statt Wunschpreise, rechnen Sie alle Kosten ein und setzen Sie nur Geld ein, auf das Sie verzichten können. Besonders vernünftig ist ein Paar, das Ihnen auch dann Freude macht, wenn die erhoffte Wertsteigerung ausbleibt.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com





