Banking-Apps: Kontosperre droht!
(30.08.26) Deutschland steht vor einer Entwicklung, die für viele Bankkunden im digitalen Alltag überraschend kommen dürfte: Wer ein älteres Smartphone nutzt, kann plötzlich den mobilen Zugang zu seinem Bankkonto verlieren. Nicht weil das Konto gekündigt oder tatsächlich gesperrt wird, sondern weil immer mehr Banking-Apps ältere Betriebssysteme nicht länger unterstützen.
Das klingt zunächst nach einem technischen Detail. In der Praxis kann daraus jedoch ein ernsthaftes Problem entstehen. Denn viele Banken nutzen das Smartphone längst nicht nur für die eigentliche Banking-App, sondern gleichzeitig als Sicherheitsinstrument für die Anmeldung im Online-Banking und die Freigabe von Überweisungen.
Ist das eigene Smartphone zu alt und lässt sich das Betriebssystem nicht mehr aktualisieren, kann deshalb mehr verloren gehen als nur etwas Komfort. Im schlimmsten Fall funktioniert die App nicht mehr, eine Neuinstallation ist unmöglich oder Transaktionen können nicht mehr wie gewohnt freigegeben werden.
Warum Banken ältere Smartphones aussperren
Der Hintergrund folgt einer nachvollziehbaren Sicherheitslogik. Moderne Cyberangriffe entwickeln sich permanent weiter. Hersteller wie Apple oder Google sowie die jeweiligen Gerätehersteller schließen neu entdeckte Schwachstellen deshalb regelmäßig mit Sicherheitsupdates.
Ein sogenannter Patch ist nichts anderes als eine nachträgliche Softwarekorrektur. Damit werden beispielsweise Sicherheitslücken geschlossen, Fehler beseitigt oder Schutzmechanismen verbessert. Fehlen solche Aktualisierungen, bleiben bekannte Schwachstellen bestehen – vergleichbar mit einer Haustür, von der bekannt ist, dass das Schloss nicht mehr zuverlässig funktioniert.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI, empfiehlt deshalb ausdrücklich, automatische Updates zu aktivieren beziehungsweise regelmäßig nach Aktualisierungen zu suchen. Viele Angriffe richten sich gerade gegen bekannte Software-Schwachstellen, die erst durch Updates geschlossen werden.
Alte Betriebssysteme werden zum Sicherheitsrisiko
Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Smartphones besitzen keine unbegrenzte Lebensdauer auf Softwareebene. Irgendwann stellen Hersteller die Versorgung älterer Modelle oder Betriebssystemversionen mit Sicherheitsupdates ein.
Neu entdeckte Sicherheitslücken können dann dauerhaft offenbleiben. Das BSI weist insbesondere bei Android darauf hin, dass Geräte ohne regelmäßige Updates besonders gefährdet sind, weil bekannte Schwachstellen nicht mehr beseitigt werden können.
Für eine Bank entsteht damit ein Problem: Sie müsste eine sicherheitskritische Anwendung auf einem Gerät zulassen, dessen Betriebssystem möglicherweise bekannte Schwachstellen enthält. Genau deshalb ziehen Finanzinstitute technische Mindestgrenzen ein.
ING: Mindestens iOS 15 oder Android 9
Ein konkretes Beispiel liefert die ING. Für eine Neuinstallation der App „Banking to go“ verlangt die Bank derzeit mindestens iOS 15 oder Android 9. Die ING empfiehlt sogar iOS 16 beziehungsweise Android 11, um die App möglichst lange mit vollem Funktionsumfang nutzen zu können.
Die Begründung ist eindeutig: Die ING unterstützt nach eigenen Angaben Betriebssysteme, die noch von deren Entwicklern mit Sicherheitsupdates versorgt werden. Ältere Betriebssysteme könnten Sicherheitslücken enthalten und werden deshalb nicht mehr unterstützt.
Das ist besonders relevant, weil die ING die frühere mTAN inzwischen eingestellt hat. Die App „Banking to go“ dient nicht nur zum mobilen Banking, sondern kann auch zur Bestätigung des Logins und zur Freigabe von Transaktionen beim Browser-Banking verwendet werden. Als Alternative bietet die ING allerdings weiterhin einen separaten photoTAN-Generator an.
Commerzbank verschärft die Anforderungen 2026
Noch anschaulicher wird die Entwicklung bei der Commerzbank. Aktuell kann deren Banking-App noch auf älteren Systemen laufen. Die Bank erhöht die Mindestanforderungen jedoch derzeit schrittweise deutlich.
Ab Mitte September 2026 sollen mindestens Android 10 beziehungsweise iOS 17 erforderlich sein. Kunden mit Android 6 bis 9 oder iOS 15 beziehungsweise 16 werden bereits gestaffelt darauf hingewiesen, ihr Betriebssystem zu aktualisieren.
Wer kein Update durchführen kann, weil das Smartphone technisch nicht mehr unterstützt wird, steht vor einer einfachen Konsequenz: Für die weitere Nutzung der App wird früher oder später ein neueres Gerät notwendig. Die Commerzbank weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass ihr Online-Banking über den Webbrowser weiterhin erreichbar bleibt.
Auch die Deutsche Bank setzt Mindestgrenzen
Bei der Deutschen Bank zeigt sich ein ähnliches Bild. Für die Deutsche-Bank-App werden derzeit mindestens Android 9 beziehungsweise iOS 15 benötigt. Ältere Versionen akzeptiert die Bank nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen nicht mehr.
Die Begründung entspricht dem gleichen Muster: Bei älteren Geräten oder Betriebssystemen gewährleisten die Hersteller irgendwann keinen Support mehr. Dadurch können Sicherheitslücken entstehen, die die Bank nicht akzeptieren will.
Immerhin existiert auch dort eine Alternative. Kunden können weiterhin Online-Banking über den Browser nutzen und Aufträge beispielsweise über ein separates BestSign-Zusatzgerät freigeben. Dieses Zusatzgerät ist allerdings kostenpflichtig.
Es droht keine klassische Kontosperre
An dieser Stelle ist mir eine wichtige Differenzierung wichtig: Wenn Ihre Banking-App wegen eines veralteten Smartphones nicht mehr funktioniert, bedeutet das normalerweise nicht, dass Ihr Girokonto oder Depot gesperrt ist.
Ihr Geld bleibt vorhanden und das Konto besteht weiter. Problematisch wird vielmehr der Zugangsweg. Wenn Sie sich bisher ausschließlich über das Smartphone legitimieren und Überweisungen freigeben, kann ein nicht mehr unterstütztes Gerät Ihren digitalen Zugriff erheblich einschränken.
Genau deshalb kann sich eine vermeintlich harmlose Meldung wie „Diese App wird von Ihrem Gerät nicht mehr unterstützt“ sehr schnell zu einem praktischen Banking-Problem entwickeln. Besonders unangenehm ist das dann, wenn Sie erst in dem Moment reagieren, in dem eine dringende Überweisung oder Wertpapiertransaktion durchgeführt werden soll.
Das Smartphone wird zum Bankschlüssel
Damit zeigt sich eine grundlegende Entwicklung im modernen Banking: Ihr Smartphone ist längst weit mehr als nur ein Telefon. Es entwickelt sich zunehmend zu einer Art digitalem Bankschlüssel.
Über das Gerät laufen Login, Zwei-Faktor-Authentifizierung, TAN-Freigaben, Kartenzahlungen, Depots und teilweise sogar Identifikationsverfahren. Damit wächst allerdings auch die Abhängigkeit von einem einzelnen technischen Gerät.
Gerade aus Sicht des Vermögensschutzes halte ich diese Entwicklung für bemerkenswert. Wer sein gesamtes Finanzleben ausschließlich über ein einziges Smartphone organisiert, schafft damit einen potenziellen Single Point of Failure – also einen einzelnen Schwachpunkt, dessen Ausfall mehrere Funktionen gleichzeitig beeinträchtigen kann.
Nicht jedes alte Smartphone ist automatisch unsicher
Dabei sollte man allerdings auch nicht in Technikpanik verfallen. Ein älteres Smartphone ist nicht allein aufgrund seines Alters automatisch unsicher. Entscheidend ist, ob Hersteller und Betriebssystem noch Sicherheitsupdates bereitstellen und ob die verwendeten Apps weiterhin offiziell unterstützt werden.
Umgekehrt sollte ein Smartphone, das seit längerer Zeit keinerlei Sicherheitsupdates mehr erhält, gerade für sensible Anwendungen wie Banking kritisch betrachtet werden. Auch die BaFin empfiehlt Verbrauchern ausdrücklich, bei digitalen Finanzgeschäften das Betriebssystem ihres Smartphones aktuell zu halten.
Das Entscheidende ist deshalb nicht das Alter Ihres Smartphones in Jahren, sondern der Supportstatus. Ein fünf Jahre altes Gerät kann unter Umständen noch ausreichend gepflegt werden, während bei einem anderen Modell bereits deutlich früher die Sicherheitsunterstützung endet.
Was Sie jetzt überprüfen sollten
Schauen Sie deshalb zunächst in den Einstellungen Ihres Smartphones nach, welche Version von iOS oder Android installiert ist. Prüfen Sie anschließend, ob ein aktuelleres Betriebssystem angeboten wird und wann Ihr Gerät zuletzt ein Sicherheitsupdate erhalten hat.
Kontrollieren Sie danach die Mindestanforderungen Ihrer Banking- und TAN-App. Verlassen Sie sich dabei nicht darauf, dass die App heute noch funktioniert. Banken können Mindestversionen im Rahmen von Sicherheitsupdates anheben – wie die Commerzbank gerade eindrucksvoll zeigt.
Und prüfen Sie unbedingt, welche Alternative Sie besitzen, falls Ihr Smartphone plötzlich ausfällt oder die App nicht mehr unterstützt wird. Je nach Bank können das beispielsweise ein separates TAN-Gerät, ein Zweitgerät oder andere Freigabeverfahren sein.
Ein zweiter Zugangsweg schafft Sicherheit
Gerade diesen Punkt halte ich für besonders wichtig. Wer über größere Vermögenswerte verfügt oder auf sein Konto und Depot jederzeit zugreifen können muss, sollte möglichst nicht von nur einem einzigen technischen Zugangsweg abhängig sein.
Das bedeutet nicht zwingend, dass Sie zwei Smartphones benötigen. Ein separates TAN-Gerät oder ein anderer von Ihrer Bank angebotener Authentifizierungsweg kann bereits ausreichen. Entscheidend ist, dass Sie wissen, was passiert, wenn Ihr Smartphone verloren geht, kaputtgeht oder plötzlich nicht mehr unterstützt wird.
Testen Sie solche Alternativen idealerweise bevor Sie sie benötigen. Der schlechteste Zeitpunkt, sich erstmals mit einem Ersatzverfahren auseinanderzusetzen, ist der Moment, in dem Sie bereits keinen Zugriff mehr auf Ihre Banking-App haben.
Mein Fazit: Digitale Sicherheit ist ein Prozess!
Digitale Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein permanenter Prozess. Betriebssysteme, Sicherheitsanforderungen und Banking-Apps entwickeln sich ständig weiter. Was heute problemlos funktioniert, kann bereits in wenigen Monaten technisch nicht mehr unterstützt werden.
Die derzeitigen Änderungen bei ING, Commerzbank und Deutscher Bank zeigen: Aktuelle Betriebssysteme werden zunehmend zur Eintrittskarte für das digitale Banking. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei der Commerzbank, die ihre Mindestanforderungen ab Mitte September 2026 auf Android 10 beziehungsweise iOS 17 anhebt.
Deshalb gilt auch hier: Klarheit statt Panik! Sie müssen nicht sofort ein neues Smartphone kaufen, nur weil Ihr Gerät einige Jahre alt ist. Sie sollten aber wissen, wie lange es noch mit Sicherheitsupdates versorgt wird und welche Anforderungen Ihre Bank stellt.
Vermögensschutz bedeutet auch Zugriffsschutz
Für mich gehört auch dieser Aspekt zum modernen Vermögensschutz. Es reicht nicht, Vermögen sinnvoll über Banken, Anlagen und Rechtsräume zu verteilen. Sie müssen im entscheidenden Moment auch zuverlässig darauf zugreifen können.
Prüfen Sie deshalb Ihre Banking-Infrastruktur regelmäßig: Smartphone, Betriebssystem, Banking-App, TAN-Verfahren und alternative Zugangswege. Halten Sie sämtliche Anwendungen aktuell und installieren Sie Banking-Apps ausschließlich aus offiziellen App-Stores.
Und vor allem: Warten Sie nicht, bis Ihre Banking-App Ihnen den Zugang verweigert. Wer rechtzeitig vorsorgt, verhindert, dass ein veraltetes Smartphone plötzlich zum Nadelöhr für das eigene Konto oder Depot wird.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com





