Banking-Apps: Kontosperre droht!

(30.08.26) Deutschland steht vor einer Entwicklung, die für viele Bankkunden im digitalen Alltag überraschend kommen dürfte: Wer ein älteres Smartphone nutzt, kann plötzlich den mobilen Zugang zu seinem Bankkonto verlieren. Nicht weil das Konto gekündigt oder tatsächlich gesperrt wird, sondern weil immer mehr Banking-Apps ältere Betriebssysteme nicht länger unterstützen.

Das klingt zunächst nach einem technischen Detail. In der Praxis kann daraus jedoch ein ernsthaftes Problem entstehen. Denn viele Banken nutzen das Smartphone längst nicht nur für die eigentliche Banking-App, sondern gleichzeitig als Sicherheitsinstrument für die Anmeldung im Online-Banking und die Freigabe von Überweisungen.

Ist das eigene Smartphone zu alt und lässt sich das Betriebssystem nicht mehr aktualisieren, kann deshalb mehr verloren gehen als nur etwas Komfort. Im schlimmsten Fall funktioniert die App nicht mehr, eine Neuinstallation ist unmöglich oder Transaktionen können nicht mehr wie gewohnt freigegeben werden.

Warum Banken ältere Smartphones aussperren

Der Hintergrund folgt einer nachvollziehbaren Sicherheitslogik. Moderne Cyberangriffe entwickeln sich permanent weiter. Hersteller wie Apple oder Google sowie die jeweiligen Gerätehersteller schließen neu entdeckte Schwachstellen deshalb regelmäßig mit Sicherheitsupdates.

Ein sogenannter Patch ist nichts anderes als eine nachträgliche Softwarekorrektur. Damit werden beispielsweise Sicherheitslücken geschlossen, Fehler beseitigt oder Schutzmechanismen verbessert. Fehlen solche Aktualisierungen, bleiben bekannte Schwachstellen bestehen – vergleichbar mit einer Haustür, von der bekannt ist, dass das Schloss nicht mehr zuverlässig funktioniert.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI, empfiehlt deshalb ausdrücklich, automatische Updates zu aktivieren beziehungsweise regelmäßig nach Aktualisierungen zu suchen. Viele Angriffe richten sich gerade gegen bekannte Software-Schwachstellen, die erst durch Updates geschlossen werden.

Alte Betriebssysteme werden zum Sicherheitsrisiko

Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Smartphones besitzen keine unbegrenzte Lebensdauer auf Softwareebene. Irgendwann stellen Hersteller die Versorgung älterer Modelle oder Betriebssystemversionen mit Sicherheitsupdates ein.

Neu entdeckte Sicherheitslücken können dann dauerhaft offenbleiben. Das BSI weist insbesondere bei Android darauf hin, dass Geräte ohne regelmäßige Updates besonders gefährdet sind, weil bekannte Schwachstellen nicht mehr beseitigt werden können.

Für eine Bank entsteht damit ein Problem: Sie müsste eine sicherheitskritische Anwendung auf einem Gerät zulassen, dessen Betriebssystem möglicherweise bekannte Schwachstellen enthält. Genau deshalb ziehen Finanzinstitute technische Mindestgrenzen ein.

ING: Mindestens iOS 15 oder Android 9

Ein konkretes Beispiel liefert die ING. Für eine Neuinstallation der App „Banking to go“ verlangt die Bank derzeit mindestens iOS 15 oder Android 9. Die ING empfiehlt sogar iOS 16 beziehungsweise Android 11, um die App möglichst lange mit vollem Funktionsumfang nutzen zu können.

Die Begründung ist eindeutig: Die ING unterstützt nach eigenen Angaben Betriebssysteme, die noch von deren Entwicklern mit Sicherheitsupdates versorgt werden. Ältere Betriebssysteme könnten Sicherheitslücken enthalten und werden deshalb nicht mehr unterstützt.

Das ist besonders relevant, weil die ING die frühere mTAN inzwischen eingestellt hat. Die App „Banking to go“ dient nicht nur zum mobilen Banking, sondern kann auch zur Bestätigung des Logins und zur Freigabe von Transaktionen beim Browser-Banking verwendet werden. Als Alternative bietet die ING allerdings weiterhin einen separaten photoTAN-Generator an.

Commerzbank verschärft die Anforderungen 2026

Noch anschaulicher wird die Entwicklung bei der Commerzbank. Aktuell kann deren Banking-App noch auf älteren Systemen laufen. Die Bank erhöht die Mindestanforderungen jedoch derzeit schrittweise deutlich.

Ab Mitte September 2026 sollen mindestens Android 10 beziehungsweise iOS 17 erforderlich sein. Kunden mit Android 6 bis 9 oder iOS 15 beziehungsweise 16 werden bereits gestaffelt darauf hingewiesen, ihr Betriebssystem zu aktualisieren.

Wer kein Update durchführen kann, weil das Smartphone technisch nicht mehr unterstützt wird, steht vor einer einfachen Konsequenz: Für die weitere Nutzung der App wird früher oder später ein neueres Gerät notwendig. Die Commerzbank weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass ihr Online-Banking über den Webbrowser weiterhin erreichbar bleibt.

Auch die Deutsche Bank setzt Mindestgrenzen

Bei der Deutschen Bank zeigt sich ein ähnliches Bild. Für die Deutsche-Bank-App werden derzeit mindestens Android 9 beziehungsweise iOS 15 benötigt. Ältere Versionen akzeptiert die Bank nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen nicht mehr.

Die Begründung entspricht dem gleichen Muster: Bei älteren Geräten oder Betriebssystemen gewährleisten die Hersteller irgendwann keinen Support mehr. Dadurch können Sicherheitslücken entstehen, die die Bank nicht akzeptieren will.

Immerhin existiert auch dort eine Alternative. Kunden können weiterhin Online-Banking über den Browser nutzen und Aufträge beispielsweise über ein separates BestSign-Zusatzgerät freigeben. Dieses Zusatzgerät ist allerdings kostenpflichtig.

Es droht keine klassische Kontosperre

An dieser Stelle ist mir eine wichtige Differenzierung wichtig: Wenn Ihre Banking-App wegen eines veralteten Smartphones nicht mehr funktioniert, bedeutet das normalerweise nicht, dass Ihr Girokonto oder Depot gesperrt ist.

Ihr Geld bleibt vorhanden und das Konto besteht weiter. Problematisch wird vielmehr der Zugangsweg. Wenn Sie sich bisher ausschließlich über das Smartphone legitimieren und Überweisungen freigeben, kann ein nicht mehr unterstütztes Gerät Ihren digitalen Zugriff erheblich einschränken.

Genau deshalb kann sich eine vermeintlich harmlose Meldung wie „Diese App wird von Ihrem Gerät nicht mehr unterstützt“ sehr schnell zu einem praktischen Banking-Problem entwickeln. Besonders unangenehm ist das dann, wenn Sie erst in dem Moment reagieren, in dem eine dringende Überweisung oder Wertpapiertransaktion durchgeführt werden soll.

Das Smartphone wird zum Bankschlüssel

Damit zeigt sich eine grundlegende Entwicklung im modernen Banking: Ihr Smartphone ist längst weit mehr als nur ein Telefon. Es entwickelt sich zunehmend zu einer Art digitalem Bankschlüssel.

Über das Gerät laufen Login, Zwei-Faktor-Authentifizierung, TAN-Freigaben, Kartenzahlungen, Depots und teilweise sogar Identifikationsverfahren. Damit wächst allerdings auch die Abhängigkeit von einem einzelnen technischen Gerät.

Gerade aus Sicht des Vermögensschutzes halte ich diese Entwicklung für bemerkenswert. Wer sein gesamtes Finanzleben ausschließlich über ein einziges Smartphone organisiert, schafft damit einen potenziellen Single Point of Failure – also einen einzelnen Schwachpunkt, dessen Ausfall mehrere Funktionen gleichzeitig beeinträchtigen kann.

Nicht jedes alte Smartphone ist automatisch unsicher

Dabei sollte man allerdings auch nicht in Technikpanik verfallen. Ein älteres Smartphone ist nicht allein aufgrund seines Alters automatisch unsicher. Entscheidend ist, ob Hersteller und Betriebssystem noch Sicherheitsupdates bereitstellen und ob die verwendeten Apps weiterhin offiziell unterstützt werden.

Umgekehrt sollte ein Smartphone, das seit längerer Zeit keinerlei Sicherheitsupdates mehr erhält, gerade für sensible Anwendungen wie Banking kritisch betrachtet werden. Auch die BaFin empfiehlt Verbrauchern ausdrücklich, bei digitalen Finanzgeschäften das Betriebssystem ihres Smartphones aktuell zu halten.

Das Entscheidende ist deshalb nicht das Alter Ihres Smartphones in Jahren, sondern der Supportstatus. Ein fünf Jahre altes Gerät kann unter Umständen noch ausreichend gepflegt werden, während bei einem anderen Modell bereits deutlich früher die Sicherheitsunterstützung endet.

Was Sie jetzt überprüfen sollten

Schauen Sie deshalb zunächst in den Einstellungen Ihres Smartphones nach, welche Version von iOS oder Android installiert ist. Prüfen Sie anschließend, ob ein aktuelleres Betriebssystem angeboten wird und wann Ihr Gerät zuletzt ein Sicherheitsupdate erhalten hat.

Kontrollieren Sie danach die Mindestanforderungen Ihrer Banking- und TAN-App. Verlassen Sie sich dabei nicht darauf, dass die App heute noch funktioniert. Banken können Mindestversionen im Rahmen von Sicherheitsupdates anheben – wie die Commerzbank gerade eindrucksvoll zeigt.

Und prüfen Sie unbedingt, welche Alternative Sie besitzen, falls Ihr Smartphone plötzlich ausfällt oder die App nicht mehr unterstützt wird. Je nach Bank können das beispielsweise ein separates TAN-Gerät, ein Zweitgerät oder andere Freigabeverfahren sein.

Ein zweiter Zugangsweg schafft Sicherheit

Gerade diesen Punkt halte ich für besonders wichtig. Wer über größere Vermögenswerte verfügt oder auf sein Konto und Depot jederzeit zugreifen können muss, sollte möglichst nicht von nur einem einzigen technischen Zugangsweg abhängig sein.

Das bedeutet nicht zwingend, dass Sie zwei Smartphones benötigen. Ein separates TAN-Gerät oder ein anderer von Ihrer Bank angebotener Authentifizierungsweg kann bereits ausreichen. Entscheidend ist, dass Sie wissen, was passiert, wenn Ihr Smartphone verloren geht, kaputtgeht oder plötzlich nicht mehr unterstützt wird.

Testen Sie solche Alternativen idealerweise bevor Sie sie benötigen. Der schlechteste Zeitpunkt, sich erstmals mit einem Ersatzverfahren auseinanderzusetzen, ist der Moment, in dem Sie bereits keinen Zugriff mehr auf Ihre Banking-App haben.

Mein Fazit: Digitale Sicherheit ist ein Prozess!

Digitale Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein permanenter Prozess. Betriebssysteme, Sicherheitsanforderungen und Banking-Apps entwickeln sich ständig weiter. Was heute problemlos funktioniert, kann bereits in wenigen Monaten technisch nicht mehr unterstützt werden.

Die derzeitigen Änderungen bei ING, Commerzbank und Deutscher Bank zeigen: Aktuelle Betriebssysteme werden zunehmend zur Eintrittskarte für das digitale Banking. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei der Commerzbank, die ihre Mindestanforderungen ab Mitte September 2026 auf Android 10 beziehungsweise iOS 17 anhebt.

Deshalb gilt auch hier: Klarheit statt Panik! Sie müssen nicht sofort ein neues Smartphone kaufen, nur weil Ihr Gerät einige Jahre alt ist. Sie sollten aber wissen, wie lange es noch mit Sicherheitsupdates versorgt wird und welche Anforderungen Ihre Bank stellt.

Vermögensschutz bedeutet auch Zugriffsschutz

Für mich gehört auch dieser Aspekt zum modernen Vermögensschutz. Es reicht nicht, Vermögen sinnvoll über Banken, Anlagen und Rechtsräume zu verteilen. Sie müssen im entscheidenden Moment auch zuverlässig darauf zugreifen können.

Prüfen Sie deshalb Ihre Banking-Infrastruktur regelmäßig: Smartphone, Betriebssystem, Banking-App, TAN-Verfahren und alternative Zugangswege. Halten Sie sämtliche Anwendungen aktuell und installieren Sie Banking-Apps ausschließlich aus offiziellen App-Stores.

Und vor allem: Warten Sie nicht, bis Ihre Banking-App Ihnen den Zugang verweigert. Wer rechtzeitig vorsorgt, verhindert, dass ein veraltetes Smartphone plötzlich zum Nadelöhr für das eigene Konto oder Depot wird.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com


Apps sind die Bankfilialen der Zukunft!

(01.03.2019) Die Deutschen sind in Gelddingen konservativ, von der Vorliebe für das Bargeld bis zur Altersvorsorge per Sparbuch. Eigentlich. Wenn Technologien praktisch und vertrauenswürdig sind, steigt die Bereitschaft, sich bei Finanzdienstleistungen auf Innovationen einzulassen. Eine neue Studie untersucht, wie gut Filialbanken aktuell die Bedürfnisse ihrer Kunden bedienen und wie die Anforderungen an die Filiale der Zukunft aussehen.

Die Gesellschaft für Qualitätsentwicklung in der Finanzberatung (QIDF) und das Marktforschungsinstitut SPLENDID RESEARCH haben im Januar 2019 im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 1.010 deutsche Filialbankkunden zwischen 18 und 69 Jahren online zu ihren Erfahrungen mit Finanzdienstleistungen befragt. Untersucht wurden die Bankbiografie der Teilnehmer, die Erwartung an Bankfilialen und -berater, die Beurteilung von Beratungsgesprächen sowie die Nutzung und Akzeptanz bestimmter Kommunikationskanäle.

Gründe für die Filialbank: Vertrauenswürdigkeit und Erreichbarkeit

Vertrauenswürdigkeit, fußläufige Erreichbarkeit und ein gutes Online-Banking – das sind die drei wichtigsten Gründe für die Wahl einer Filialbank. Jeweils 40 Prozent der Kunden begründen ihre Entscheidung für ihre derzeitige Hauptbank anhand dieser Kriterien. Die nächstgelegene Filiale sollte für 58 Prozent der Deutschen nicht weiter als fünf Kilometer entfernt sein. Mehr als zwei Drittel der Deutschen möchten dort auch einen kompetenten Ansprechpartner antreffen.

Weniger persönlicher Kontakt in der Bankfiliale der Zukunft

Die Bankfiliale der Zukunft ist in den Erwartungen der Filialbankkunden eindeutig gerätelastig. 74 Prozent der Kunden wollen weiter Geldautomaten und Kontoauszugdrucker vor Ort, 50 Prozent der Kunden auch Online-Terminals für Überweisungen nutzen. Persönliche Ansprechpartner für Service und Beratung erwartet hingegen zukünftig nur gut die Hälfte der Kunden. Bereits jeder fünfte Deutsche wäre mit nur einem Geldautomaten oder auch komplett ohne Filiale vor Ort zufrieden.

Zur laufenden Kommunikation und Betreuung wünschen sich drei Viertel der Filialbankkunden Online-Banking. Damit hat sich die digitale Kontoverwaltung hierzulande endgültig als vollwertiger Touchpoint durchgesetzt. Gleichwohl befürworten 69 Prozent der Kunden die proaktive Kontaktaufnahme der Bank bei wichtigen Themen sowie 60 Prozent der Kunden die Vorstellung von Neuigkeiten.

Digitalisierte Beratungen gewinnen Zuspruch

Jeweils ein gutes Drittel der Kunden würde ein Online-Beratungsgespräch führen oder ein Anliegen per Chat mit dem Berater klären. Selbstcheck-Apps würde bislang maximal jeder sechste Kunde nutzen und mit einem Chat-Roboter würden sieben Prozent der deutschen Bankkunden ihre Finanzangelegenheiten regeln.

Trotz Zuspruch zu digitalen Angeboten wird in der Studie deutlich, dass der persönlichen Beratung nach wie vor eine große Rolle zukommt. Ob die im Anzug stattfinden sollte, ist aber zunehmend strittig. Zwar erwarten 89 Prozent der Kunden von einem Bankberater ein gepflegtes Erscheinungsbild, aber bereits jeder Vierte wünscht ihn sich dabei in legerer Kleidung.

Kunden sind zufrieden mit ihrer Filialbank

Online-Banking, die Nutzung von Geräten in der Filiale und die persönliche Beratung vor Ort bei komplexen Themen sind mit Abstand die wichtigsten Leistungen einer Filialbank.

Die Filialbankkunden sind mit diesen auch zufrieden. 45 Prozent haben bisher noch nie die Bank gewechselt. Es wächst jedoch eine online-affine Zielgruppe nach, die durchaus bereit ist, für den Kontakt zum Berater ins Internet zu wechseln.

Meine Antwort auf die Frage: „Wie sieht die Filialbank der Zukunft aus?“: Die Filialbank der Zukunft ist eine App auf Ihrem Smartphone oder Ihrer Smartwatch!

Auch Banken sind Opfer des Smartphone-Booms

2007 brachte Apple das erste iPhone auf den Markt und verhalf so dem Smartphone zum Durchbruch. Seitdem haben allein die Deutschen rund 187 Millionen der Touchscreen-Telefone gekauft. Aber das Smartphone war von Anfang an mehr als nur ein Handy. Videos gucken, Musik hören, Fotos schießen, in einer fremden Stadt navigieren und im Internet surfen; das alles und noch viel mehr leisten die mobilen Alleskönner.

Weniger rosig sieht es dagegen für all die Geräte aus, deren Funktionen das Smartphone in sich vereint. So wurden 2018 nur noch 506.000 MP3-Player verkauft. Im Erscheinungsjahr des ersten iPhones waren es noch rund acht Millionen. Ähnlich stark ist auch der Digitalkamera-Absatz zurückgegangen. Die Bankenlandschaft steht heute schon inmitten des größten Umbruchs, der je zu beobachten war. Dieser Trend wird dynamisch weitergehen. Gerade auch aufgrund der Plattformökonomie.

Zukunftsmarkt Plattformökonomie!

Digitale Plattformen verschaffen den Kunden einen guten Überblick über das Angebot auf dem Markt und bieten einen einfachen Preisvergleich. Davon ist eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger überzeugt. Das gilt auch für Bank- und Finanzdienstleistungen. Und so werden bei Internet-Plattformen insgesamt mehr Vor- als Nachteile gesehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung von 1.003 Bundesbürgern ab 16 Jahre im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Digitale Plattformen geben Kunden Überblick

Dabei geben mehr als drei Viertel (79 Prozent) an, dass es Plattformen ermöglichen, schnell und einfach viele Angebote zu vergleichen. Rund zwei Drittel (64 Prozent) sagen, dadurch können sie schnell und einfach das günstigste Angebot finden. Insgesamt sind sich 3 von 5 Deutschen (61 Prozent) sicher, dass digitale Plattformen mehr Vorteile als Nachteile bringen.

Digitale Plattformen machen unser Leben heute in vielen Bereichen einfacher und bequemer. Natürlich müssen wir uns auch mit neuen regulatorischen Fragen beschäftigen, die durch Plattformen aufgeworfen werden – aber wir sollten dabei nicht die riesigen Chancen der Plattformökonomie aus den Augen verlieren.

Digitale Plattformen sind deshalb so erfolgreich, weil sie echte Mehrwerte bieten. Erst durch Plattformen können wir die vielfältigen Angebote im Internet wirklich überblicken und nutzen. Ich teile diese Einschätzung des Bitkom zu 100%, möchte aber hinzufügen, dass neben den regulatorischen Herausforderungen vor allem der Schutz Ihrer Privatsphäre und Ihre Datensicherheit eine sehr große Rolle spielen!

Digitale Plattformen führen zu sinkenden Verbraucherpreisen

Als weitere Vorzüge nennt jeder Zweite (49 Prozent), dass digitale Plattformen zu sinkenden Preisen führen. 2 von 5 (40 Prozent) empfinden positiv, dass sie sich nur einmal bei einer Plattform registrieren müssen und dann auf die Angebote verschiedener Anbieter zugreifen können.

Bekannte Beispiele für digitale Plattformen, die sich an Privatkunden richten, sind etwa Airbnb, Amazon, eBay, Flixbus, Netflix, Spotify oder die App-Stores von Apple oder Google. Gemeinsam ist ihnen, dass der jeweilige Plattformbetreiber verschiedene Anbieter von Waren oder Dienstleistungen mit den potenziellen Kunden zusammenbringt.

Jüngere sehen häufiger die Vorzüge von digitalen Plattformen

Die Jüngeren unter 30 sehen dabei deutlich häufiger Vorteile von digitalen Plattformen als die Älteren. So geben sogar fast 9 von 10 Befragten zwischen 16 und 29 Jahre (88 Prozent) an, dass die Plattformen für einen besseren Überblick über das Angebot sorgen. 7 von 10 (70 Prozent) betonen die Möglichkeit, schnell und einfach das günstigste Angebot zu finden, 6 von 10 (59 Prozent) erwarten durch digitale Plattformen sinkende Preise. Fast jeder Zweite (45 Prozent) sieht einen Vorteil darin, sich nur einmal registrieren zu müssen.

Insgesamt sagen rund drei Viertel (73 Prozent) der Jüngeren, dass Plattformen mehr Vorteile als Nachteile haben. Vor allem einen Punkt sehen die Verbraucher allerdings kritisch:

45 Prozent aller Befragten und sogar 55 Prozent der 16- bis 29-Jährigen geben an, dass sie sich weniger über jene Angebote informieren, die nicht auf den Plattformen zu finden sind. Aus meiner Sicht halten sich vor allem ältere Menschen aufgrund von Bedenken im Hinblick auf die Sicherheit der Privatsphäre und den Datenschutz bei digitalen Plattformen zurück. Hier gibt es allerdings einfache und effiziente Maßnahmen, beides ganz signifikant zu erhöhen.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com


Gläserne Menschen und intelligente Maschinen!

(01.11.2018) Die digitale Revolution in Wirtschaft und Gesellschaft ist in vollem Gange. Die Dynamik der Entwicklung zeigt sich beispielsweise an der großen Anzahl an Applikationen (Apps) auf unseren Smartphones, ebenso wie an der stark zunehmenden Digitalisierung von Arbeitsplätzen. Ich teile ganz grundlegend die Aussage von Richard David Precht: „Die Digitalisierung bedroht alles, was ist!“. Die Bedrohungen durch die Digitalisierung bedeuten aber auch gleichzeitig große Zukunftschancen in fast allen Wirtschafts- und Lebensbereichen.

Autos werden schon sehr bald autonom fahren. Kleine Armbänder oder gar Chips werden die Gesundheit der Menschen im Alltag überwachen und die Blockchain-Technologie und eine Welt ohne Bargeld stehen unmittelbar vor unserer Tür. Der Übergang zu einer neuen Generation von intelligenten Maschinen hat längst begonnen. Algorithmen protokollieren vieles, was Menschen und Bürger tun, werten es aus und nutzen die Daten für Werbung und neue Produkte. Gleichzeitig steigen auch die Kontrolle und Überwachung durch Unternehmen und Staaten.

Für mich steht eindeutig fest: Die breite Einführung intelligenter Maschinen im Zuge der Digitalisierung führt zwangsläufig zu gläsernen Menschen und vollkommen transparenten Bürger. Diese Entwicklungen sind für mich der Hauptgrund, warum speziell die Bürger in Deutschland sehr skeptisch auf die Digitalisierung blicken.

Deutschland fehlt der technologische Zukunftsoptimismus!

Beispielsweise glauben lediglich 38 Prozent der deutschen Teilnehmer des Digital Society Index 2018, dass die Digitalisierung zur Lösung der dringendsten Herausforderungen (z.B. Armut, Gesundheitsprobleme, Umweltzerstörung) der Welt beitragen wird. Damit ist der Technologische Zukunftsoptimismus der Bundesbürger im Vergleich eher wenig ausgeprägt, wie der Blick auf nachfolgende die Statista-Grafik zeigt.

Anders sieht die Lage in China aus:

71 Prozent der Befragten dort sind der Meinung, dass digitale Technologie die Welt besser machen kann. Ähnlich pessimistisch wie die Deutschen sind unter den großen Volkswirtschaften die Bürger Großbritanniens mit 27 Prozent. Ich nehme Japan stets als innovatives Technologieland wahr, deswegen sind die negativen Zahlen aus Japan – mit lediglich 22 Prozent – mehr als überraschend für mich.

Bei allen Gefahren bin ich davon überzeugt, dass die Digitalisierung ein gewaltiges Potenzial besitzt, den Wohlstand in Deutschland zu sichern und weiter zu mehren. Dazu muss sich aber Deutschland – und auch jeder Bürger in Eigenverantwortung – endlich den Herausforderungen der Digitalisierung proaktiv und progressiv stellen.

Der deutsche Rechtsstaat versagt in der digitalen Welt!

Seit dem 1. Januar 2018 müssen Soziale Netzwerke ihren Nutzern ermöglichen, sich bei den jeweiligen Unternehmen über rechtswidrige Inhalte zu beschweren. Dies verlangt das sogenannte „Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“, besser bekannt unter den Begriffen Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder NetzDG.

Nach wie vor ist unklar, für welche Netzwerke genau das NetzDG gilt. Auf jeden Fall haben betroffenen Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Youtube mittlerweile ihre Berichte erstmalig vorgestellt. Darin informieren sie über gelöschte Inhalte und Beschwerdeverfahren der vergangenen sechs Monate, wie es das NetzDG vorschreibt.

Der deutsche Staat greift in Grundrechte ein und gibt seine Kernaufgaben an internationale Konzerne ab!

Der Bitkom ist der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. Aus Sicht des Bitkom-Hauptgeschäftsführers Dr. Bernhard Rohleder, dessen Verband die Berichte intensiv analysiert hat, dokumentieren die vorgelegten Berichte das Versagen des Rechtsstaats in der digitalen Welt. Schwerstkriminalität wie Kinderpornographie und terroristische Inhalte entfernen die großen Netzwerke ohnehin seit Jahren erfolgreich von ihren Plattformen.

Dafür hätte es den tiefen Grundrechtseingriff durch das NetzDG nicht gebraucht. Die Beantwortung schwieriger juristischer Fragen aber – beispielsweise an der Grenze von freier Meinungsäußerung, Satire und Straftaten – sollte der Staat nicht an Mitarbeiter privatwirtschaftlicher Unternehmen delegieren. Der Bitkom vertritt die Sichtweise, dass der Staat mit dem NetzDG seine Kernaufgaben an große internationale Konzerne abgegeben hat.

Eine eigene Antwort auf Kriminalität im Web bleibt der Staat hingegen weiterhin schuldig. Das NetzDG ist verfassungswidrig, unverhältnismäßig und schadet mehr als es nutzt. Die Ankündigung der Regierungskoalition, das NetzDG demnächst zu verbessern, greift zu kurz. Das völlig verkorkste NetzDG gehört abgeschafft. Ich teile diese Einschätzungen des Bitkom uneingeschränkt.

Deutschland ist zu einem umfassenden Überwachungsstaat mutiert

In den vergangenen Monaten und Jahren wurden, von der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig kritisch bemerkt, dass neben dem NetzDG sehr unschöne Gesetze und Überwachungsmaßnahmen in Deutschland beschlossen wurden. Damit verbunden sind massive Eingriffe in Ihre Privatsphäre und Bürgerrechte.

Ich spreche hier beispielsweise vom neuen BND-Gesetz, der Vorratsdatenspeicherung VDS – die trotz vorläufiger Aussetzung nach wie vor wie ein Damoklesschwert über den Bürgern in Deutschland hängt – sowie dem Videoüberwachungsverbesserungsgesetz. Aber auch die kommende neue, bzw. erneute Verschärfung bei der Barmittelverordnung. Das neue BND-Gesetz erlaubt dem Bundesnachrichtendienst beispielsweise Internetknotenpunkte in Deutschland anzuzapfen, über die der weltweite Datenverkehr abgewickelt wird.

Amnesty International sprach in diesem Zusammenhang bereits von einem Freibrief für die Massenüberwachung. Den Schutz Ihrer Daten und Privatsphäre müssen Sie spätestens jetzt selbst in die Hand nehmen. Nicht nur gegenüber dem Staat, sondern auch im Hinblick auf die “Datenkraken” privatwirtschaftlicher Unternehmen.

Ein einfaches und kostenloses Beispiel: Nutzen Sie DuckDuckGo als Alternative zu Google

Im vergangenen Jahr hat Alphabet (Google) 86 Prozent seines Umsatzes mit Werbung generiert. Google ist eine Datenkrake, das muss Ihnen bewusst sein. Es gibt allerdings auch Alternativen, die einen immer stärkeren Zuspruch erfahren. Beispielsweise DuckDuckGo. Fast 30 Millionen Suchanfragen werden im Schnitt pro Tag in die Suchmaske von www.duckduckgo.com eingegeben. Anders als Google sammelt diese Suchmaschine keine Nutzer-Daten von Ihnen und verzichtet auf personalisierte Werbung.

Dieser Aspekt und vermutlich die stetig länger werdende Liste von Datenskandalen und massiven Eingriffe in Privatsphäre und Bürgerrechte sorgen für einen bereits seit Jahren anhaltenden Aufwärtstrend. 2015 wurde erstmals die Marke von zehn Millionen Suchanfragen an einem Tag geknackt. Zwei Jahre später waren es schon 20 Millionen. Gleichwohl sind das im Vergleich mit Google immer noch sehr kleine Brötchen. Laut dem Analyse-Unternehmen Techchrunch laufen bei Google täglich drei Milliarden Suchanfragen auf. Die Alternative Suchmaschine von DuckDuckGo boomt.

Mein abschließendes Fazit:

Häufig lese ich warnende Berichte im Hinblick auf die großen Risiken der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz. Die natürliche Dummheit wird aber stets die größere Gefahr bleiben, an der wir durch ein Mehr an Information, Kommunikation und Bildung arbeiten müssen!

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com