Forex4Charity: Geheimtipp oder Falle?

Finanziell unabhängig werden? Wie geht das? Endlich ist das möglich mit 5 bis 10 Minuten täglich auf Basis eines ehrlichen, transparenten und bewährten Systems kannst du echtes Geld von zu Hause aus verdienen, auch wenn Du keinerlei Vorwissen hast!

Diese Zeilen stammen selbstverständlich nicht von mir, sondern von Vertriebspartnern und Vermittlern – die in der Tat offensichtlich sehr häufig keinerlei Vorwissen in den unterschiedlichsten Bereichen haben – des Devisen-Signal-Services „Forex4Charity“. Hinter diesem Anbieter für Handelssignale stehen die Personen Dr. Hauke Kiene und Steffen Quade aus Bremen. Formaljuristisch ist Forex4Charity eine GbR, also eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit Domiziladresse in Bremen.

Nachfolgend ein Banner von Forex4Charity aus dem Sozialen Netzwerk Facebook: 

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Forex4Charity handelt als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) lässt sich sehr einfach, unbürokratisch und kostengünstig gründen. Auch im Hinblick auf Bürokratie und Buchhaltungspflichten. Weit problematischer wird es allerdings bei der Haftung. Für Verbindlichkeiten der Gesellschaft haften die Gesellschafter gemeinsam und unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Das ist ein Aspekt den ich bei Forex4Charity bereits als sehr ungewöhnlich beurteile.

Ich würde ein derartiges Geschäftsmodell niemals als GbR-Struktur umsetzen, sondern in einer Gesellschaftsform, bei der auch die persönliche Haftung begrenzt ist. Beispielsweise in Form einer GmbH oder einer UG Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Aber gut, die beiden Initiatoren von Forex4Charity haben sich für eine GbR entschieden, bei der sie Gefahr laufen selbst mit ihrem Privatvermögen zu haften, das ist für Anwender bzw. Kunden und Nutzer der Dienstleistungen von Forex4Charity sogar grundlegend positiv zu werten. Ob das für die handelnden Personen intelligent ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Der Blick auf die Internetseite: Was hat es mit dem Begriff „Charity“ auf sich?

Die Internetseite www.forex-4-charity.com macht auf mich einen sehr amateurhaften und unprofessionellen Eindruck. Aber auch das ist natürlich weder strafbar noch ein Beleg dafür, dass ein dahinterstehendes Konzept und Geschäftsmodell nicht auch erfolgreich und seriös sein kann. Gehen wir daher einmal weiter und wenden uns dem Unternehmensnamen zu. Der Begriff Forex ist klar verständlich. Dabei handelt es sich um den internationalen Devisenmarkt.

Charity hingegen steht für eine Gemeinnützigkeit. Beispielsweise Personen oder Körperschaften die sich dem Gemeinwohl verpflichten. Warum wird also hier für einen Börsen-Signaldienst an den Devisenmärkten ein Wohltätigkeitsbegriff als Unternehmenszusatz gewählt? Aus echter Wohltätigkeit oder eher aus Marketing- und Vertriebsgesichtspunkten. Auf der Internetseite von Forex4Charity ist zu lesen: „Wir spenden grundsätzlich 5% unserer Einnahmen“. Das aktuelle Spendenprojekt ist die Jürgen-Höller-Stiftung. Jürgen Höller ist ein dubioser Motivationstrainer und Autor. 2003 wurde Jürgen Höller beispielsweise vom Landgericht Würzburg wegen Untreue und vorsätzlichen Bankrotts zu drei Jahren Haft verurteilt.

Forex4Charity empfiehlt aktiv Europäisches Aufsichtsrecht zu umgehen!

Die Monatsergebnisse die Forex4Charity ausweist liegen zwischen 5% bis 45%. Zahlreiche Nutzer haben diese Ergebnisse auch bestätigt. Deswegen will ich diese großen Erfolge auch gar nicht in Zweifel ziehen. Ebenso nimmt Forex4Charity keine Gelder entgegen, sondern jeder Kunde und Abonnent des Signaldienstes von Forex4Charity tradet auf seinem Konto die Handelssignale nach, die er von Forex4Charity erhält. Ein Begriff, der für derartige Tradingstrategien auch verwendet wird lautet Copytrading. Dafür bezahlt der Kunde eine Abogebühr. Auch das ist vollkommen legitim und überhaupt nicht zu beanstanden.

Allerdings kommt jetzt ein großer Haken, der mir bei meinen Recherchen aufgefallen ist. Forex4Charity empfiehlt die Broker VantageFX, USGFX und Thinkmarkets. Das sind australische Broker. Nun, ich empfehle auch Banken in der Schweiz und in Liechtenstein, also auch das ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn mir mehrere Kunden von Forex4Charity nicht die Gründe für diese Auswahl mitgeteilt hätten.

Die beiden Forex4Charity-Betreiber Dr. Hauke Kiene und Steffen Quade haben seit Anfang 2018 nach Aussagen von Kunden zahlreiche ausländische Broker getestet, u.a. auch die drei australischen Broker. Diese Broker sind reguliert und unterliegen der australischen Finanzaufsicht ASIC (ASIC = Australian Securities and Investment Commission). Das einbezahlte Geld ist angeblich durch eine Einlagensicherung bis 100.000 USD abgesichert. Der US-Dollar ist ja auch bekanntermaßen die Landeswährung Australiens, oder? Nein, natürlich ist der Australische Dollar AUD die Landeswährung Australiens, somit ist auch diese Vermittler-Aussage wenig vertrauenserweckend!

Die Begründung von Forex4Charity, warum gerade diese australischen Broker empfohlen werden ist schlicht eine Farce. Auf Anweisung der europäischen Finanzaufsichtsbehörde (ESMA) dürfen die Hebel für Privatkunden seit dem 01.08.2018 bei europäischen Brokern nur noch maximal 1:30 betragen. Forex4Charity tradet aber mit einem Hebel von 1:300, deshalb wären europäische Forex-Broker – die sich selbstverständlich an diese Regeln halten müssen – bezüglich der erzielbaren Renditen seit dem 01.08.2018 uninteressant geworden. Diesen Aspekt werte ich als inakzeptabel, hier wäre auch interessant, wie die ESMA bzw. die nationalen Aufsichtsbehörden, allen voran die BaFin, die FMA (Österreich) oder die FINMA (Schweiz) eine derartige Konstellation (Umgehungstatbestand? Gestaltungsmissbrauch?) bewerten.

Betrug und Missbrauch? Forex4Charity hat sein Empfehlungs-Programm eingestellt

Warum bin ich eigentlich auf Forex4Charity aufmerksam geworden. Der Grund liegt in mehreren Beschwerden bzw. Zuschriften, die ich Anfang März 2019 von Kunden von Forex4Charity erhalten habe. Diese berichteten mir, dass Forex4Charity sein „Empfehlungsgeberprogramm“ eingestellt hat und keine neuen Kunden mehr aufnimmt. Die Begründung für den Aufnahmestopp ist wiederum vollkommen dubios. Auf Basis eines Informationsschreibens von Forex4Charity gab es in den letzten Wochen und Monaten zahlreiche Betrugsfälle von Abonnenten, die die Forex4Charity-Signale angeblich an Nicht-Abonnenten weitergegeben und/oder weiterverkauft haben. Die Betreiber sprechen von hunderten von Betrugsfällen. Auch das wäre isoliert betrachtet jetzt nicht ungewöhnlich, das Forex4Charity dagegen vorgeht. Aber was die Betreiber ihren Kunden in einem Schreiben mitgeteilt haben, hat mich faktisch vom Stuhl gehauen. Dort ist u.a. zu lesen, ich zitiere im Original:

„Im Zuge unserer Kooperation mit mehreren Broker-Netzwerken bleiben, auch das hatten wir von Anfang an klar kommuniziert, solche Betrugsversuche nicht dauerhaft unentdeckt. Und natürlich sind wir seit vielen Wochen dabei, immer mehr Drahtzieher und Profiteure zu explorieren und juristisch anzugehen. Unsere Trades werden weiterhin täglich kopiert, wie die Broker uns mitteilen“.

Ja bitte was bedeutet das im Klartext?

Geben diese australischen Broker allen Ernstes Kundendaten an Forex4Charity heraus? Was ist mit dem Datenschutz und der Privatsphäre der Kunden? Eine Datenschutzgrundverordnung DSGVO dürfte bei australischen Brokern keine Geltung haben. Bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts aus Bremen aber sehr wohl!

Ich habe im Hinblick auf den journalistischen Presskodex selbstverständlich vor Veröffentlichung dieses Berichtes Forex4Charity und die handelnden Personen um eine Stellungnahme gebeten, mit einer ausreichenden Frist.

Presseanfrage an Forex4Charity vom 05.03.2019

Ich habe zu Ihrem Unternehmen mehrere Beschwerden vorliegen und auf Basis dieser als Pressevertreter folgende Fragen: Sie haben ein Schreiben herausgegeben, indem Sie von Betrügern schreiben, die Ihr System ungerechtfertigt nutzen. In diesem Zusammenhang schreiben Sie davon, dass Sie juristisch gegen diese Investoren vorgehen, in Zusammenarbeit mit „Brokern“ von denen Sie offensichtlich Daten erhalten, sonst wäre ein Vorgehen ja gar nicht möglich.

1. Interpretiere ich diese Aussagen richtig, dass die Broker mit denen Sie zusammenarbeiten oder die Sie empfehlen, allen Ernstes Kundendaten an Sie herausgeben?

2. Wie beurteilen Sie generell die Datenschutzkomponente Ihres Geschäftsmodells (DSGVO)?

3. Erhalten Sie von den Brokern Provisionen, also Kick-Backzahlungen für vermittelte Kunden, die Ihre Tradingsignale umsetzen?

4. Können Sie mir bitte mitteilen, mit welchen Brokern Sie hier für die Umsetzung Ihrer Strategien kooperieren?

Mein Fazit: Finger weg von einem Anbieter wie Forex4Charity!

Im Sinne des journalistischen Pressekodex und der vorherigen Informationspflicht vor einer Berichterstattung hatte ich Forex4Charity für die Beantwortung meiner obigen Fragen eine Frist bis zum Montag den 11.03.2019 gesetzt, ohne dass ich eine Rückmeldung bzw. Stellungnahme erhalten habe. Meine Empfehlung auf Basis der aufgezeigten Indizien und Fakten: Finger weg von einem Anbieter wie Forex4Charity!

© Markus Miller – Geschäftsführer GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U. – Beachten Sie bitte unsere PREMIUM PARTNER

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