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Deutschland: Steuerstaat und Rentnerwüste!

Nach wie vor beklagen viele Medien und auch zahlreiche Politiker immer wieder die angeblich so hohe Komplexität des Deutschen Steuersystems. Edmund Stoiber oder Guido Westerwelle stützten stellvertretend für viele weitere „Experten“ einst die Behauptung, dass 60% bis 80% der weltweiten Steuerliteratur in Deutsch verfasst sind. Speziell Steuerberater fördern diesen Mythos ebenfalls. Vermutlich um die Sorge der Steuerbürger vor der Steuerklärung zu bewahren. Ein uninformierter oder verunsicherter Steuerzahler ist nämlich der beste Kunde eines jeden Steuerberaters. Ein jeder Steuerbürger muss wissen: “Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer”. Dieses Zitat des US-amerikanischen Politikers und Wissenschaftlers Benjamin Franklin (1706 – 1790) hat nichts an seiner Aussagekraft und Gültigkeit verloren. In diesem Sinne ist der Blick auf die aktuelle OECD-Studie – speziell für Steuerzahler aus Deutschland – besonders bitter.

 

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Steuern und Abgaben sind in Deutschland besonders hoch

Deutsche alleinstehende Arbeitnehmer ohne Kinder tragen im OECD-Vergleich die zweitgrößte Steuer- und Abgabenlast. 39,9 Prozent des Brutto-Einkommens kommen nicht bei den Arbeitnehmern an. Mehr ist es mit 40,5 Prozent nur in Belgien, wie die nachfolgende Grafik von Statista zeigt. Das geht aus einem jährlich erscheinenden OECD-Bericht hervor, für den die Abgaben in den 35 Mitgliedsländern verglichen werden.

Im Durchschnitt zahlen Arbeitnehmer in den entwickelten Industriestaaten mit 25,5 Prozent etwa ein Viertel ihres Einkommens. Während die Abgaben für deutsche Arbeitnehmer hoch sind, zahlen die Arbeitgeber hierzulande im Ländervergleich einen eher niedrigen Anteil an den Sozialabgaben. Inklusive dieses Anteils liegt der Abgabensatz bei alleinstehenden kinderlosen Singles bei 49,7 Prozent. Im OECD-Schnitt sind es 35,9 Prozent.

Die gesetzliche Rentenversicherung und die Sozialsysteme sind in der Demografiefalle

In Deutschland altert die Gesellschaft. Das führt gleichzeitig dazu, dass das Rentenniveau immer weiter sinken wird, weil die Finanzierung der deutschen Rentenversicherung im sogenannten Umlageverfahren erfolgt. Das heißt die laufenden Ausgaben werden zum allergrößten Teil aus den laufenden Beitragseinnahmen und einem Bundeszuschuss finanziert. In den kommenden Jahren wird sich die Anzahl der Rentenbezieher im Verhältnis zu der Zahl der Beitragszahler weiter erhöhen.

Die aktuelle Standardrente beträgt in Deutschland derzeit rund 1.200 Euro. Dieser Wert ist der Netto-Betrag, den ein Berufstätiger mit einem durchschnittlichen Gehalt nach 45 Beitragsjahren aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält. Bei einem Durchschnittsgehalt in Höhe von rund 2.500 Euro bedeutet diese Rentenzahlung ein Rentenniveau von 47,9 Prozent.

 

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Systemdefekt Langlebigkeit!

Das Statistische Bundesamt (Destatis) mit Sitz in Wiesbaden veröffentlicht regelmäßig die Daten zur Lebenserwartung in Deutschland. Die Lebenserwartung bei Geburt gibt an, wie lange Neugeborene den aktuellen Überlebensverhältnissen entsprechend durchschnittlich leben würden. Die Lebenserwartung in Deutschland steigt kontinuierlich. Nach neuen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stehen für Neugeborene die Chancen gut, 90 Jahre und älter zu werden. Für die Untersuchung wurden zwei verschiedene Trendvarianten angewandt. Bei der Berechnung der Lebenserwartung mittels kurzfristigem Sterblichkeitstrend, also den Daten seit 1971, kommen Jungen, die 2017 geboren werden, auf eine Lebenserwartung von 89,8 Jahren. Mädchen kommen sogar auf 92,9 Jahre. Wie die Grafik von Statista zeigt, ist damit die Lebenserwartung der Männer seit 1940 um 21 Jahre gestiegen, die der Frauen um gut 16 Jahre.

Auch die fernere Lebenserwartung bei Senioren steigt deutlich

Nach der aktuellen Sterbetafel beläuft sich die ferne Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes mittlerweile auf 17 Jahre und 10 Monate. Für eine 65-jährige Frau ergibt sich eine statische, ferne Lebenserwartung von 21 weiteren Lebensjahren. So positiv die Entwicklungen sind, so herausfordernd sind diese gleichzeitig in Bezug auf unsere Gesundheits- und Rentensysteme.

Die zunehmende Langlebigkeit wird zur Belastung der Gesundheits- und Rentensysteme

Die obigen Zahlen sind statische Durchschnittswerte für die gesamte Bevölkerung. Die individuelle Betrachtungsweise kann und ist meist eine ganz andere. Jeden Bundesbürger bzw. Menschen kann der Schicksalsschlag eines Unfalls, eines Herzinfarktes oder einer sonstigen schweren Krankheit auch in jungen Jahren treffen. Wichtig sind die Statistiken der Sterbetafeln allerdings für die Kalkulationen der staatlichen wie privaten Gesundheitskassen und Rentenversicherungssysteme.

Zu Zeiten als diese geschaffen wurden, waren die Lebenserwartungen deutlich niedriger und die Zinsen höher. 1970 lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes noch bei 67,2 Jahren. Die einer Frau bei 73,4 Jahren. Auch die zunehmende Alterung in Pflegebedürftigkeit führt zu weiteren Belastungen, ebenso wie die beitragslose Einwanderung in die Gesundheitssysteme Deutschlands.

4 Millionen deutsche Rentnerinnen und Rentner haben Bruttorenten von unter 500 Euro

Im Jahr 2000 lag das Rentenniveau in Deutschland noch bei 52,9 Prozent. Nach relativ optimistischen Schätzungen wird das Rentenniveau bis ins Jahr 2030 auf rund 44 Prozent weiter absinken. Diese Durchschnittswerte hören sich noch relativ undramatisch an. Erschreckend ist allerdings, dass heute bereits über 4 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland monatliche Bruttorenten von unter 500 Euro erhalten. Deutschland ist längst ein Niedrigrentenland.

Rund 5,5 Millionen weitere Rentenzahlungen liegen unter 700 Euro. Über 8,3 Millionen Rentner erhalten derzeit eine Erwerbsminderungsrente in Höhe von 670 Euro. In den Niederlanden hingegen erhält jeder Rentner eine Mindestrente in Höhe von 1.050 Euro. Eheleute je 768 Euro. Bei diesen Entwicklungen verwundert es nicht, dass immer mehr Rentner in Deutschland mittlerweile wieder arbeiten müssen, wie die nachfolgenden Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) in erschreckender Form belegen.

 

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Rentner: Jeder Neunte zwischen 65 und 74 Jahren geht arbeiten

In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die jenseits der Regelaltersgrenze arbeiten. Im Jahr 2002 gingen noch 4,2 Prozent der Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren einer bezahlten Tätigkeit nach. Danach stieg der Anteil erst gemäßigt, seit 2010 beschleunigt an. Heute liegt die Erwerbstätigenquote für diese Altersgruppe bei 11,4 Prozent.

Der Anstieg vollzog sich für beide Geschlechter gleichermaßen, allerdings auf einem unterschiedlichen Niveau: Bei Männern beträgt die Quote 14,8 Prozent, bei Frauen liegt sie mit 8,3 Prozent deutlich darunter. Diese Werte umfassen alle bezahlten Tätigkeiten, auch in Teilzeit oder auf Stundenbasis.

In Luxemburg arbeiten nur noch 2,6 Prozent der Bürger im Alter!

Wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Zahlen von EUROSTAT berechnet hat, lag Deutschland lange Zeit unter dem Vergleichswert der 28 EU-Mitgliedsstaaten. Erst 2013 erreichte die Erwerbstätigenquote den europäischen Durchschnitt und befindet sich heute im vorderen Mittelfeld. Am weitesten verbreitet ist die Erwerbsarbeit bei den 65- bis 74-Jährigen in Estland (25,3 Prozent), während die Menschen in Luxemburg in diesem Alter kaum noch arbeiten (2,6 Prozent).

Zu den gestiegenen Erwerbstätigenquoten im Alter haben die Rentenreformen der Vergangenheit wesentlich beigetragen. Maßnahmen wie die ‚Rente mit 67‘ beabsichtigen, den Ruhestand nach hinten zu verschieben und die Erwerbsdauer der steigenden Lebenserwartung anzupassen. Des Weiteren führen finanzielle Gründe, aber auch immaterielle Motive wie die Pflege sozialer Kontakte dazu, dass immer mehr Personen im Ruhestandsalter arbeiten. Letzteres ist – frei von finanziellem Druck – zu begrüßen, aber tendenziell leider nicht das Hauptmotiv vieler Rentner.

Deutschland profitiert von EU und Euro? EU-Europa ist für deutsche Rentner und Steuerzahler ungerecht!

Der gesellschaftspolitische Sprengstoff ist auf Basis dieser ernüchternden Zahlen enorm. Für Deutschland, aber auch im Hinblick auf ein ungerechtes Europa, in dem deutsche Bürger in Relation zu fast allen anderen Ländern länger arbeiten müssen, weniger Rente bekommen und auf Basis der Euro- und ESM-Verträge noch zusätzlich mithaften müssen für die hohen Staatsausgaben und strukturellen Fehlentwicklungen der anderen EU-Staaten! Deswegen sollten Sie zumindest Teile Ihrer Ersparnisse und Ihrer Altersvorsorge in solide Staaten verlagern.

© Markus Miller – Geschäftsführer GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U.

5 thoughts on “Deutschland: Steuerstaat und Rentnerwüste!

  1. “4 Millionen Rentner haben Renten unter 500 EUR ”
    Hallo Herr Miller, da bin ich aber bessere Recherche von Ihnen gewohnt: Diese Zahl mag zwar richtig sein, sie taugt aber leider so gar nicht als Beleg fuer “Altersarmut”. Viele davon sind nämlich Selbstständige oder Freiberufler, die eine sehr auskömmliche Versorgung aus berufsständischen Versorgungswerken haben. Hinzu kommt dann oft diese kleine gesetzliche Rente, die in einigen wenigen Jahren Angestellter Taetigkeit zu Beginn der Laufbahn erworben wurden. Dies Zahlen nun mit Zählen aus anderen Ländern, die gänzlich andere Rentensysteme haben ist grob irreführend.

    1. Vielen Dank für Ihr Feedback herr Smith, ich bin auch immer offen für Kritik, aber in diesem Fall kann ich Ihr Argument gar nicht nachvollihen, weil der Ländervergleich bezieht sich auf die Steuerbelastung, nicht auf die Rentenzahlung und die absoluten Zahlen – wie geschrieben in diesem Bereich ohne jegliche Relativierung oder Vergleiche – sind klar belegt. Viele Grüße Markus Miller

      1. Beim Vergleich der Steuerbelastung bin ich ja absolut bei Ihnen. Weiter unten vergleichen Sie aber auch die (Durchschnitts-) Rente mit der Rente in den Niederlanden. Ich kenne das niederländische System nicht, aber das deutsche System hat – wie ich ausgeführt habe – einige Besonderheiten, die die Höhe der Durschnitts-Rente irreführend werden lassen.

  2. Was mich sehr wundert ist die Tatsache, dass bei diesen Berechnungen die millionenfache Armutszuwanderung, die gnadenlos von der BRD “ReGIERung” betrieben wird, nirgendwo in den Berechnungen auftaucht. Das ist Zuwanderung in die Sozialkassen, ob nun Rente, Gesundheit oder Hartz IV, alles der gleiche Topf. Aus Steuern alleine ist das alles auf keinen Fall bezahlbar. Warum wird in den Mainstream Medien das nie thematisiert (rhetorische Frage…)? Weil sonst die potentiellen Rentnerjahrgänge alle ausflippen würden, denn wer jetzt 50 oder jünger ist, sieht gar nix mehr. Den Selbständigen wird auch kaum Möglichkeit gelassen “vorzusorgen”, weil die Steuerquote in DE bei de facto mind. 70% (und steigend) liegt (Grundsteuererhöhung ist die nächste Krake). Das ist Kommunismus oder klar und deutlich gesagt – ENTEIGNUNG – und hat mit Marktwirtschaft nix mehr zu tun! Weiterhin schwebt ein potentieller Bail-In der Hausbank auch über jedem Steuersklaven und von dem verbrecherischen ESM braucht man erst gar nicht zu reden. DE bürgt für alles – mit welchem Geld wohl??

    1. 100%agree. Wer kann geht ins Ausland. Als Banker für Private Banking Kunden habe ich das lang genug erlebt. Kinder studieren im Ausland um dann gleich dort oder in einem anderen Land zu leben. Jedes Jahr wandern über 100.000 Deutsche aus, darunter eine hohe Quote an Ärzten und Ingenieuren. Rein kommt, naja, Sie haben es ja erkannt

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