(30.09.26) Revolut hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA eine Schweizer Banklizenz beantragt. Das wäre ein bedeutender Schritt: Der Finanzdienstleister könnte sein bisheriges Angebot zu einer eigenständigen Schweizer Bank ausbauen. Die Lizenz ist bislang nicht erteilt. Laut Revolut wird der Antrag geprüft, der Ausgang des Verfahrens ist offen.
Revolut nennt bereits mehr als 1,3 Millionen Kunden in der Schweiz. Bisher werden sie nach Unternehmensangaben von der Revolut Bank UAB betreut, einer in Litauen lizenzierten Bank. Revolut unterhält zwar eine Vertretung in der Schweiz, besitzt dort aber noch keine eigene Banklizenz. Für Kunden ist diese Unterscheidung entscheidend: Der Sitz einer Vertretung sagt noch nicht, nach welchem System ihre Bankeinlagen geschützt sind.
Über die kommenden fünf Jahre will Revolut mehr als 150 Millionen Franken in der Schweiz investieren. Das Geld soll unter anderem in neue Produkte, Arbeitsplätze und den Aufbau einer eigenständigen Schweizer Bank fließen. Der Antrag zeigt damit, dass Revolut den hiesigen Markt langfristig erschließen möchte. Ob und wann daraus ein vollständiges Schweizer Bankangebot wird, hängt von der FINMA-Bewilligung und der anschließenden Umsetzung ab.
Was eine Schweizer Lizenz ändern könnte
Nach einer Bewilligung möchte Revolut unter anderem Lohnkonten, eBill und weitere lokale Zahlungsdienste anbieten. Auch der Zugang zur Schweizer Einlagensicherung wäre vorgesehen. Für Kunden könnte die App dadurch stärker zum Konto für den finanziellen Alltag werden – einschließlich Gehaltseingang und regelmäßiger Rechnungen.
Daneben nennt Revolut die Schweizer Altersvorsorge Säule 3a und den Bezahldienst TWINT als mögliche spätere Angebote. Beides ist derzeit eine Perspektive, keine zugesagte Funktion. Gerade bei einer Säule-3a-Lösung würden für Anleger neben der Bedienung auch Anlageangebot, Gebühren und Bedingungen zählen. Dazu liegen noch keine konkreten Produktdetails vor.
Eine Besonderheit sorgt schon heute für Verwirrung: Manche Schweizer Revolut-Kunden haben bereits eine virtuelle CH-IBAN. Laut Revolut ist bei dieser Lösung die litauische Revolut Bank UAB Kontoinhaberin; der Kunde wird als wirtschaftlich Berechtigter der Zahlung ausgewiesen. Eine CH-IBAN allein beweist also weder, dass Ihr Konto bei einer Schweizer Bank geführt wird, noch dass Ihre Einlagen unter die Schweizer Einlagensicherung fallen.
Welche Einlagensicherung gilt heute?
Wenn Ihr Konto bei der Revolut Bank UAB geführt wird, sind berechtigte Bankeinlagen nach Revoluts Angaben durch das litauische Einlagensicherungssystem bis 100.000 Euro geschützt. Welche Gelder als Einlagen gelten, ist dabei wichtig: Anlageprodukte sollten Sie nicht allein aufgrund ihrer Anzeige in derselben App mit einem geschützten Bankguthaben gleichsetzen.
Die Schweizer Einlagensicherung schützt berechtigte Guthaben bei teilnehmenden Banken grundsätzlich bis 100.000 Franken pro Kunde und Bank. Sie würde für eine künftige Schweizer Revolut-Bank erst relevant, wenn die entsprechende Bewilligung erteilt und das Angebot tatsächlich eingerichtet wäre. Die Beträge von 100.000 Euro und 100.000 Franken bezeichnen unterschiedliche nationale Systeme; sie sind keine zusätzliche, gleichzeitig verfügbare Deckung für dasselbe Guthaben.
Prüfen Sie deshalb bei Ihrem bestehenden Revolut-Konto, welche Rechtsperson Ihr Vertragspartner ist. Revolut erklärt, dass Sie diese Angabe in der App über Ihr Profilsymbol am Ende der Profilseite finden. Das ist aussagekräftiger als das Revolut-Logo, die Währung Ihres Guthabens oder eine CH-IBAN.
Was Kunden jetzt beachten sollten
Für bestehende Kunden ändert der Lizenzantrag allein zunächst nichts an der geltenden Einlagensicherung. Revolut stellt in Aussicht, Kunden bei einer Bewilligung auf die Schweizer Bank zu übertragen. Wie dieser Wechsel im Einzelnen abläuft und welche Bedingungen dann gelten, muss das Unternehmen zu gegebener Zeit mitteilen.
Wenn Sie Revolut als Gehalts- oder Hauptkonto nutzen möchten, prüfen Sie neben der künftigen Lizenz vor allem die Funktionen, die Sie tatsächlich brauchen: Gehaltseingang, Rechnungszahlung, Lastschriften, Kartenkosten, Wechselkurse und Erreichbarkeit des Kundendienstes. Ein attraktives Angebot für Reisen oder Fremdwährungen erfüllt nicht automatisch alle Anforderungen an ein Alltagskonto in der Schweiz.
Behalten Sie außerdem bei größeren Guthaben die Sicherungsgrenze im Blick. Die relevante Frage lautet nicht nur „Wie hoch ist die Einlagensicherung?“, sondern auch: Bei welcher Bank liegt das Geld, um welche Art von Guthaben handelt es sich und welches Land ist zuständig? Diese Prüfung gilt für Revolut ebenso wie für andere Banken und Finanz-Apps.
Mein Fazit: Positives Signal für den Wettbewerb auf dem Schweizer Bankenmarkt
Der Antrag ist ein positives Signal für den Wettbewerb auf dem Schweizer Bankenmarkt. Revolut hat bereits eine große Kundenbasis und kündigt erhebliche Investitionen an. Eine eigene Banklizenz könnte das Angebot für Schweizer Kunden deutlich alltagstauglicher machen.
Entscheidend bleibt die klare Trennung zwischen heutigem Status und künftiger Möglichkeit: Revolut ist derzeit für seine Schweizer Kunden keine eigenständige Schweizer Bank. Die virtuelle CH-IBAN ändert daran nichts. Erst eine erteilte Bewilligung und die tatsächliche Überführung der betreffenden Konten würden die Grundlage für ein Schweizer Bankangebot mit den angekündigten lokalen Funktionen schaffen.
Mein Rat: Begrüßen Sie den Schritt, aber richten Sie wichtige Zahlungen und größere Guthaben nach den heute gültigen Vertrags- und Sicherungsbedingungen aus. Sollte die FINMA die Lizenz erteilen, lohnt sich ein neuer Vergleich des konkreten Angebots mit Schweizer Banken – insbesondere bei Gebühren, Zahlungsverkehr und Einlagenschutz.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com




