(27.09.26) Der Cyberangriff auf Teile der Berliner Verwaltung war weit mehr als eine technische Störung. Nach Angaben der Senatskanzlei floss der wesentliche Teil der Daten zwischen dem 7. und 12. August 2026 ab. Am 14. August wurden die betroffenen Senatsverwaltungen vorsorglich vom Netz getrennt. Die Angreifer veröffentlichten kopierte Daten am 4. September im Darknet. Berlin prüft weiterhin, welche Informationen im Einzelnen betroffen sind.
Die Ransomware-Gruppe Rhysida behauptet, rund 5,8 Terabyte erbeutet zu haben; Berichte nennen etwa 1,44 Millionen Dateien. Ransomware bezeichnet Schadsoftware, mit der Kriminelle Daten verschlüsseln oder den Diebstahl von Daten für eine Erpressung nutzen. Die genannten Mengen stammen aus Angaben der Täter beziehungsweise aus Berichten. Sie sind keine amtlich bestätigte Aufstellung aller betroffenen Dateien. Berlin geht aber davon aus, dass auch personenbezogene Daten von Beschäftigten, Bürgern und Unternehmen darunter sein können.
Das eigentliche Langzeitrisiko beginnt nach der Veröffentlichung. Eine gestohlene Datei lässt sich nicht zuverlässig aus dem Darknet löschen: Kopien können weitergegeben und später erneut verwendet werden. Namen, Kontaktdaten und Angaben aus einem Behördenvorgang könnten Betrügern helfen, eine E-Mail oder einen Anruf glaubwürdig wirken zu lassen. Wer beispielsweise auf einen laufenden Antrag Bezug nimmt, muss deshalb noch lange kein Mitarbeiter der zuständigen Behörde sein.
So können gestohlene Daten missbraucht werden
Eine mögliche Masche wäre eine Nachricht, die angeblich von einer Berliner Behörde stammt: Wegen des Cyberangriffs müsse ein Zugang bestätigt, ein Dokument geöffnet oder eine Gebühr erneut bezahlt werden. Gerade der Bezug auf ein echtes Ereignis erhöht die Glaubwürdigkeit. Die Senatskanzlei warnt ausdrücklich vor unaufgeforderten Angeboten, etwa einer angeblichen Prüfung der persönlichen Betroffenheit oder dem Versprechen, Daten aus dem Darknet zu entfernen.
Seien Sie auch bei Anrufen vorsichtig. Eine angezeigte Telefonnummer beweist nicht, wer tatsächlich spricht. Geben Sie keine Passwörter, Einmalcodes oder vollständigen Zahlungsdaten weiter. Beenden Sie das Gespräch und wählen Sie die Nummer der Behörde oder Bank selbst, nachdem Sie sie auf deren offizieller Internetseite nachgesehen haben. Dasselbe gilt für Links: Rufen Sie die bekannte Adresse eigenständig im Browser auf.
Über den konkreten Einstieg der Angreifer in das Berliner Netz sind noch nicht alle Ursachen öffentlich geklärt. Die im Entwurf genannte „TerminalFix“-Methode sollte daher nicht als feststehende Ursache dieses Angriffs erscheinen. Die allgemeine Gefahr ist dennoch real: Betrüger können Menschen unter einem Vorwand dazu bringen, einen schädlichen Befehl auf ihrem Computer auszuführen. Wenn eine unerwartete Nachricht Sie auffordert, eine Konsole zu öffnen oder einen „Sicherheitsbefehl“ einzufügen, brechen Sie den Vorgang ab und fragen Sie Ihre IT-Abteilung oder den echten Anbieter über einen bekannten Kontaktweg.
Schützen Sie Ihre digitale Identität
Beginnen Sie bei Ihren wichtigsten Zugängen: E-Mail-Postfach, Bank, Mobilfunkkonto und Passwortmanager. Verwenden Sie für jeden Dienst ein eigenes Passwort. Ein Passwortmanager kann solche Passwörter erstellen und speichern. Ein mehrfach verwendetes Passwort sollten Sie ändern, besonders wenn es auch Ihr E-Mail-Konto schützt. Über dieses Konto lassen sich häufig die Passwörter anderer Dienste zurücksetzen.
Aktivieren Sie zusätzlich die Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo immer sie angeboten wird. Dann genügt ein gestohlenes Passwort allein meist nicht zur Anmeldung; es wird ein weiterer Nachweis benötigt, etwa über eine Authenticator-App oder einen Sicherheitsschlüssel. Geben Sie diesen zweiten Faktor niemals an jemanden weiter, der Sie unerwartet kontaktiert. Eine Aufforderung dazu ist ein starkes Warnzeichen.
Kontrollieren Sie Bank- und Kreditkartenumsätze, wichtige Online-Konten sowie Hinweise auf neue Anmeldungen. Wenn Sie einen unberechtigten Zugriff vermuten, ändern Sie das betroffene Passwort über die selbst aufgerufene Originalseite und melden Sie sich bei der Bank oder dem Anbieter. Haben Sie bereits Geld überwiesen oder Identitätsmissbrauch festgestellt, sichern Sie Nachrichten und Belege und erstatten Sie Anzeige. Für konkret Betroffene nennt Berlin auf seiner Informationsseite Anlaufstellen und Kontaktmöglichkeiten.
Mein Fazit: Argusaugen auf im Datenverkehr!
Der Berliner Angriff zeigt, wie lange ein Datendiebstahl nachwirken kann. Betroffene müssen nicht bei jeder Nachricht mit einem Betrugsversuch rechnen. Sie sollten aber besonders aufmerksam sein, wenn jemand mit passenden persönlichen Angaben Vertrauen aufbauen und anschließend einen Link, einen Code, Geld oder weitere Daten von ihnen verlangen will.
Digitale Sicherheit ist keine einmalige Maßnahme. Einzigartige Passwörter, ein zweiter Anmeldefaktor und die Prüfung ungewöhnlicher Kontaktaufnahmen senken das Risiko auch dann, wenn Ihre Daten bei einer Behörde oder einem Unternehmen abfließen, auf dessen Sicherheit Sie selbst keinen Einfluss haben. Eine seriöse Stelle wird Sie nicht auffordern, unter Zeitdruck einen unbekannten „Sicherheitsbefehl“ auszuführen oder einen Anmeldecode am Telefon durchzugeben.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com




