(26.09.26) Das Goldvermögen der deutschen Privathaushalte hat nach der Reisebank-Goldstudie 2026 einen Rekordwert erreicht: Barren, Münzen, Schmuck und goldbezogene Wertpapiere summieren sich auf mehr als 1,4 Billionen Euro. Gegenüber der Erhebung von 2024 hat sich der geschätzte Wert mehr als verdoppelt. Hinter dieser Zahl steckt allerdings vor allem ein stark gestiegener Goldpreis. Sie bedeutet nicht, dass die Deutschen ihre Goldmenge verdoppelt hätten.

Insgesamt schätzt die Studie den physischen Goldbestand der Privathaushalte auf 9.173 Tonnen. Davon entfallen 5.464 Tonnen auf Barren und Münzen und 3.709 Tonnen auf Schmuck. Schon die privaten Bestände an Barren und Münzen übersteigen damit die Goldreserven der Deutschen Bundesbank deutlich. Für Anleger ist diese Trennung wichtig: Schmuck kann einen Materialwert besitzen, ist wegen Verarbeitungskosten und Handelsspannen aber etwas anderes als ein Anlagebarren.

Für ihre Bewertung legte die Studie einen Goldpreis von 4.457,35 Euro je Feinunze zugrunde. Eine Feinunze entspricht rund 31,1 Gramm. Steigt der Preis, wächst der in Euro ausgedrückte Wert vorhandener Bestände auch ohne einen einzigen zusätzlichen Kauf. So erhöhte sich der geschätzte Goldanteil am gesamten Vermögen der Privathaushalte von 2,8 Prozent im Jahr 2024 auf 6,1 Prozent im Jahr 2026. Diese Prozentzahl beschreibt den Wertanteil am Vermögen, nicht den Anteil der Menschen, die Gold besitzen.

Barren und Münzen bilden das Fundament

Den Wert von Barren und Münzen beziffert die Studie auf rund 783 Milliarden Euro, den von Goldschmuck auf etwa 532 Milliarden Euro. Weitere 124 Milliarden Euro entfallen auf goldbezogene Wertpapiere. Wer über das Anlagevermögen in Gold spricht, sollte deshalb Schmuck und Wertpapiere nicht unbesehen mit physischem Anlagegold gleichsetzen: Die Produkte unterscheiden sich bei Besitz, Zugriff, Kosten und Risiken.

Gold ist zugleich in vielen Haushalten verbreitet. Laut der Befragung besitzen 55 Prozent der Bundesbürger Gold in irgendeiner Form, also beispielsweise als Schmuck, Barren, Münzen oder über Wertpapiere. Zu den wichtigsten genannten Kaufmotiven gehören die langfristige Wertaufbewahrung und der Schutz vor Inflation. Diese Motive sind nachvollziehbar: Gold lässt sich nicht beliebig vermehren und ist keiner einzelnen Währung zugeordnet.

Ein verlässlicher Schutz vor jedem kurzfristigen Kaufkraftverlust ist es dennoch nicht. Der Goldpreis kann erheblich schwanken, und für einen Anleger im Euroraum zählt der Preis in Euro. Wer Gold als Reserve hält, sollte daher einen längeren Zeitraum im Blick haben und Geld für absehbare Ausgaben nicht allein vom nächsten Goldverkauf abhängig machen.

Junge Menschen halten überraschend hohe Anteile

Besonders auffällig sind die Angaben zum Goldanteil am Vermögen jüngerer Befragter. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt er der Studie zufolge durchschnittlich bei rund 21 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen bei 19 Prozent. Für die 45- bis 54-Jährigen nennt die Studie zwölf Prozent und für Menschen ab 65 Jahren neun Prozent.

Diese Werte sollten nicht als Empfehlung für die eigene Goldquote verstanden werden. Gerade bei jungen Menschen kann ein kleineres Gesamtvermögen dazu führen, dass bereits ein überschaubarer Goldbestand prozentual stark ins Gewicht fällt. Außerdem zeigen Durchschnittswerte nicht, wie unterschiedlich die einzelnen Haushalte aufgestellt sind. Für Ihre persönliche Aufteilung zählen unter anderem Liquiditätsbedarf, übrige Anlagen und Ihre Bereitschaft, Preisschwankungen auszuhalten.

In den vergangenen zwölf Monaten kauften laut Studie rund 15 Prozent der Befragten Gold; in der vorherigen Erhebung waren es 17 Prozent. Die investierten Beträge fielen zugleich höher aus. Auch hier lohnt die Unterscheidung: Ein höherer Eurobetrag bedeutet bei einem höheren Goldpreis nicht automatisch, dass entsprechend mehr Gramm erworben wurden.

Besitz ist nur ein Teil der Vorsorge

Die meisten Goldbesitzer hielten an ihren Beständen fest: 87 Prozent verkauften in den vergangenen zwölf Monaten kein Gold. Zugleich äußerten sich 92 Prozent der Goldkäufer zufrieden mit ihrer Entscheidung. Das zeigt eine starke Bindung an das Edelmetall, sagt für sich genommen aber nichts über die künftige Preisentwicklung aus.

Beim Kauf von physischem Gold sollten Sie auf den Abstand zwischen Kauf- und Rückkaufpreis achten. Besonders bei kleinen Stückelungen kann dieser Abstand hoch sein. Vergleichen Sie deshalb nicht nur den beworbenen Verkaufspreis eines Händlers, sondern auch, welchen Betrag Sie bei einem späteren Verkauf voraussichtlich erhalten würden.

Ebenso wichtig ist die Verwahrung. Ein heimischer Tresor bietet schnellen Zugriff, wirft aber Fragen zu Diebstahlschutz und Versicherung auf. Ein Bankschließfach oder eine externe Lagerung kann andere Vorteile und Kosten haben. Prüfen Sie, wem das Gold rechtlich zugeordnet ist, welche Schäden versichert sind und wie Erben im Ernstfall vom Bestand erfahren und darauf zugreifen können.

Die Steuerregel wird oft missverstanden

Die Studie zeigt deutliche Wissenslücken bei der Besteuerung. Für in Deutschland steuerpflichtige Privatpersonen gilt beim Verkauf von privat gehaltenem physischem Gold grundsätzlich: Liegen zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als zwölf Monate, fällt ein Veräußerungsgewinn in der Regel nicht unter die Besteuerung privater Veräußerungsgeschäfte. Bei einem Verkauf innerhalb eines Jahres kann der Gewinn steuerpflichtig sein; dabei ist auch die gesetzliche Freigrenze für den gesamten Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften des Kalenderjahres zu beachten.

Diese Regel sollten Sie nicht automatisch auf jedes goldbezogene Wertpapier übertragen. Dessen steuerliche Behandlung hängt von seiner rechtlichen Ausgestaltung ab. Auch für jemanden mit steuerlichem Wohnsitz außerhalb Deutschlands ist die deutsche Einjahresregel keine pauschale Auskunft zur Besteuerung am eigenen Wohnsitz.

In der Praxis hilft eine einfache Dokumentation: Bewahren Sie zu jedem Kauf Rechnung, Datum, Menge, Stückelung und Kaufpreis auf. Halten Sie Verkäufe ebenso fest. Bei mehreren Käufen zu unterschiedlichen Zeitpunkten lässt sich sonst später nur schwer nachvollziehen, für welche Stücke die Haltedauer bereits abgelaufen ist.

Mein Fazit: Gold ist eine Reserve, kein Gesamtplan

Die Reisebank-Goldstudie unterstreicht, wie fest Gold in der Vermögensplanung vieler Deutscher verankert ist. Der Rekordwert von mehr als 1,4 Billionen Euro zeigt vor allem, wie stark der Preis vorhandener Bestände gestiegen ist. Für den eigenen Vermögensschutz ist die entscheidende Frage deshalb nicht, ob Sie dem Rekordwert hinterherkaufen sollten, sondern welche Aufgabe Gold in Ihrem Vermögen erfüllen soll.

Als langfristige Reserve kann physisches Gold sinnvoll sein. Es zahlt jedoch weder Zinsen noch Dividenden, sein Preis schwankt und sichere Verwahrung kostet Geld. Prüfen Sie Ihre Goldquote im Zusammenhang mit Liquidität, Wertpapieren, Immobilien und anderen Vermögenswerten. So wird aus dem Besitz von Gold eine bewusste Entscheidung statt einer Reaktion auf den nächsten Höchststand.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com