(25.09.26) Geld erfüllt traditionell drei zentrale Funktionen: Es dient als Zahlungsmittel, als Recheneinheit und als Wertaufbewahrungsmittel. Während Euro und US-Dollar im Alltag als Zahlungsmittel und Recheneinheit funktionieren, ist ihre langfristige Wertaufbewahrungsfunktion durch Inflation begrenzt.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, woran wir den Wert unseres Geldes eigentlich messen? Ein Meter bleibt ein Meter, ein Kilogramm bleibt ein Kilogramm. Der Wert eines Euro verändert sich dagegen fortlaufend – abhängig von Geldpolitik, Güterpreisen, Zinsen, Produktivität, Verschuldung und Vertrauen.

Seit dem Ende des Goldstandards besitzt unser Geld keinen festen materiellen Bezugspunkt mehr. Euro, US-Dollar, Schweizer Franken und andere Fiat-Währungen stehen in flexiblen Wechselkursen zueinander. Sie messen sich gegenseitig – obwohl sich jeder dieser Maßstäbe selbst verändert.

Geld ohne festen Maßstab

Der US-Dollar ist zwar die wichtigste internationale Reserve-, Handels- und Finanzierungswährung. Er bildet jedoch nicht die eigentliche Messgröße des Euro. Der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar ist vielmehr ein relativer Preis, der ausdrückt, wie viele Einheiten der einen Währung für eine Einheit der anderen gezahlt werden.

Wenn der Euro gegenüber dem Dollar steigt, kann dies an einem stärkeren Euro, einem schwächeren Dollar oder an beidem liegen. Über die langfristige Kaufkraft beider Währungen sagt der Wechselkurs allein wenig aus. Zwei schmelzende Eiswürfel können schließlich ebenfalls ihre Größe miteinander vergleichen – ohne dadurch stabil zu werden.

Im täglichen Leben erkennen Sie die Veränderung des Geldwertes deshalb besser an seiner Kaufkraft. Entscheidend ist nicht nur, wie viele Euro auf Ihrem Konto stehen, sondern welche Menge an Waren, Dienstleistungen, Energie, Wohnraum oder Arbeitsleistung Sie damit erwerben können.

Jedes Fieberthermometer wird geprüft – unser Geld nicht

In Deutschland regeln heute nicht mehr einfach ein „Eichgesetz“, sondern insbesondere das Mess- und Eichgesetz sowie die Mess- und Eichverordnung, welche Messgeräte im geschäftlichen und amtlichen Verkehr verwendet werden dürfen. Die Vorgaben sollen verlässliche Messergebnisse, fairen Wettbewerb und Verbraucherschutz gewährleisten.

Waagen, Zapfsäulen, Wasser-, Gas-, Wärme- und Stromzähler, Taxameter und zahlreiche medizinische Messgeräte müssen festgelegte Anforderungen erfüllen. Wenn Sie ein Kilogramm Ware bezahlen, sollen Sie darauf vertrauen können, tatsächlich ein Kilogramm zu erhalten.

Unser Geld besitzt hingegen keinen vergleichbaren, unveränderlichen Referenzwert. Diese Aussage ist allerdings als ökonomische Metapher zu verstehen: Währungen sind keine Messgeräte im Sinne des Mess- und Eichrechts und können deshalb nicht amtlich „geeicht“ werden. Dennoch bleibt die entscheidende Frage bestehen: Wie sinnvoll ist eine Recheneinheit, deren Kaufkraft politisch beeinflusst wird und langfristig sinken kann?

Vom Urmeter zur Naturkonstante

Die Suche nach verlässlichen Maßeinheiten hat eine lange Geschichte. Im Jahr 1791 beschloss die französische Nationalversammlung, eine universelle Längeneinheit auf Grundlage der Erdvermessung zu schaffen. Daraus entwickelte sich der Meter.

1889 wurde der internationale Meterprototyp eingeführt: ein Stab aus einer Legierung von 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium. Nationale Kopien dieses Prototyps dienten den Mitgliedstaaten als verbindliche Referenzen.

1960 wurde der Meter nicht durch eine „Atomberechnung“, sondern durch eine Definition auf Basis einer bestimmten Strahlungswellenlänge des Krypton-Isotops 86 ersetzt. Seit 1983 wird der Meter über die Lichtgeschwindigkeit bestimmt: Ein Meter entspricht der Strecke, die Licht im Vakuum während des 299.792.458sten Teils einer Sekunde zurücklegt. Der Maßstab wurde damit von einem physischen Gegenstand auf eine reproduzierbare Naturkonstante übertragen.

Bitcoin als Urmeter des Geldes

Bitcoin eröffnet erstmals die Möglichkeit, eine digitale monetäre Einheit mit transparenten und im Protokoll festgelegten Knappheitsregeln zu verwenden. Jeder kann anhand der öffentlich einsehbaren Blockchain überprüfen, welche Transaktionen stattgefunden haben und wie viele Bitcoin bislang durch das Mining erzeugt wurden.

Die maximale Geldmenge ist nach den gegenwärtigen Konsensregeln auf knapp 21 Millionen Bitcoin begrenzt. Die Ausgabe neuer Einheiten folgt einem vorhersehbaren Zeitplan. Ungefähr alle 210.000 Blöcke halbiert sich die Blocksubvention, bis die Ausgabe neuer Bitcoin voraussichtlich um das Jahr 2140 weitgehend abgeschlossen sein wird.

Diese Obergrenze ist keine Naturkonstante wie die Lichtgeschwindigkeit. Sie ist eine Software- und Konsensregel, die theoretisch geändert werden könnte. Eine Aufweichung der Begrenzung würde jedoch die Zustimmung wesentlicher Teile des Netzwerks erfordern und gerade jene Eigenschaft beschädigen, aus der Bitcoin einen großen Teil seines Wertes bezieht. Ökonomisch erzeugt dies einen starken Anreiz, die Knappheitsregel beizubehalten.

Warum Gold allein nicht ausreicht

Gold besitzt viele Eigenschaften eines langfristigen Wertspeichers: Es ist knapp, haltbar, international handelbar und kann nicht beliebig durch eine Zentralbank geschaffen werden. Seine weltweit vorhandene Menge lässt sich jedoch nur schätzen. Auch zukünftige Fördermengen, neue Lagerstätten, Recyclingquoten und technologische Fortschritte im Bergbau sind nicht exakt vorhersehbar.

Bei Bitcoin sind Bestand und Neuschöpfung wesentlich transparenter. Ein vollständiger Bitcoin-Knoten kann die Einhaltung der Regeln selbstständig überprüfen. Vertrauen in eine Zentralbank, Regierung, Mine, Depotbank oder Statistikbehörde ist dafür grundsätzlich nicht erforderlich.

Gold bleibt dennoch ein bewährter Sachwert und Bitcoin ein vergleichsweise junges, technologisches Geldsystem. Beide können sich im Vermögensschutz ergänzen. Gold bietet jahrtausendelange Akzeptanz und geringe technologische Abhängigkeit; Bitcoin bietet globale Übertragbarkeit, Teilbarkeit, überprüfbare Knappheit und die Möglichkeit zur eigenverantwortlichen Verwahrung.

So nutzen Sie Bitcoin als persönlichen Vergleichsmaßstab

Sie müssen Ihre Rechnungen nicht in Bitcoin bezahlen, um Bitcoin als monetäres Eichmaß zu verwenden. Beginnen Sie damit, die Entwicklung Ihres Vermögens nicht nur in Euro, sondern zusätzlich in Schweizer Franken, Gold und Bitcoin zu beobachten. Dadurch erkennen Sie, ob Ihr Vermögen lediglich nominal wächst oder auch gegenüber knappen Alternativen an Wert gewinnt.

Berechnen Sie beispielsweise einmal jährlich, wie viele Gramm Gold und wie viele Bitcoin beziehungsweise Satoshis Ihrem liquiden Nettovermögen entsprechen. Steigt Ihr Vermögen in Euro, fällt aber gleichzeitig deutlich in Gold- und Bitcoin-Einheiten, ist Ihr realer Vermögensfortschritt möglicherweise geringer, als Ihnen der Euro-Kontostand vermittelt.

Bitcoin eignet sich dabei nicht als alleiniger Maßstab für kurzfristige Kaufkraft. Aufgrund seiner erheblichen Kursschwankungen kann sein Preis innerhalb weniger Monate stark steigen oder fallen. Aussagekräftiger ist eine langfristige Betrachtung über mehrere Jahre und verschiedene Währungs- und Sachwertmaßstäbe hinweg.

Knappheit schützt nicht vor Kursverlusten

Die Begrenzung auf knapp 21 Millionen Einheiten garantiert weder einen steigenden Preis noch den dauerhaften Erfolg von Bitcoin. Knappheit erzeugt nur dann einen Wert, wenn dauerhaft Nachfrage besteht. Technologische Risiken, politische Eingriffe, regulatorische Beschränkungen, Fehler bei der Verwahrung und gesellschaftliche Akzeptanz bleiben wichtige Risikofaktoren.

Auch die Transparenz der Blockchain schützt Sie nicht vor eigenen Fehlern. Wer seine Zugangsdaten verliert, auf Betrüger hereinfällt oder Bitcoin an eine falsche Adresse überträgt, kann regelmäßig keine Bank und keine zentrale Stelle um Rückabwicklung bitten. Eigenverantwortung ist bei Bitcoin keine Werbefloskel, sondern eine praktische Voraussetzung.

Investieren Sie deshalb nicht unvorbereitet. Kaufen Sie schrittweise, vermeiden Sie eine kreditfinanzierte Spekulation und begrenzen Sie den Bitcoin-Anteil auf eine Größenordnung, bei der Sie auch starke zwischenzeitliche Kursverluste finanziell und emotional aushalten können. Für größere Bestände sollten Sie ein nachvollziehbares Verwahrungs-, Sicherungs- und Nachlasskonzept entwickeln.

Mein Fazit: Bitcoin als Kapitalschutz-Investment

Bitcoin ist kein amtlich geeichtes Geld und keine wissenschaftliche Maßeinheit. Er besitzt jedoch Eigenschaften, die ihn zu einem neuartigen monetären Referenzwert machen: transparente Knappheit, vorhersehbare Ausgabe, globale Handelbarkeit, hohe Teilbarkeit und eine von einzelnen Staaten unabhängige Überprüfbarkeit.

Damit hat Bitcoin das Potenzial, zu einer Art „Urmeter des Geldes“ zu werden. Nicht weil alle Preise künftig zwingend in Bitcoin ausgewiesen werden, sondern weil sich Fiat-Währungen erstmals an einem digitalen Gut messen lassen, dessen Geldmenge nicht laufend an politische Bedürfnisse angepasst werden kann.

Für mich liegt darin ein stärkeres langfristiges Argument als in kurzfristigen Kursprognosen, Bitcoin-ETFs oder einzelnen technischen Neuerungen. Richtig dosiert und sicher verwahrt ist Bitcoin deshalb kein Ersatz für jede andere Vermögensanlage – aber ein sinnvoller Baustein für monetäre Unabhängigkeit und Kapitalschutz.

Mein Fazit: Bitcoin ist ein Kapitalschutz-Investment!

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com