(12.09.26) Eine Weltreise, das eigene Zuhause, eine Familie oder ein finanziell sorgenfreier Ruhestand: Die Lebensträume der Menschen sind so unterschiedlich wie ihre Lebenswege. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass ihre Verwirklichung meist nicht nur Mut, Zeit und Ausdauer, sondern auch finanzielle Handlungsspielräume erfordert.
Gesundheit lässt sich nicht kaufen. Finanzielle Sorgen können die Lebensqualität jedoch erheblich beeinträchtigen. Wer rechtzeitig Rücklagen bildet, Risiken absichert und Vermögen aufbaut, verschafft sich mehr Freiheit bei wichtigen Lebensentscheidungen.
Gesundheit, Reisen und finanzielle Unabhängigkeit
Eine im Januar 2024 veröffentlichte repräsentative Studie von Swiss Life Select untersuchte die Lebensträume und Vorsorgewünsche der Menschen in Deutschland. An der Spitze standen körperliche und psychische Gesundheit mit 44 Prozent, gefolgt von der Möglichkeit zu reisen mit 36 Prozent sowie finanzieller Selbstbestimmung und Unabhängigkeit mit 34 Prozent.
Der Traum vom Eigenheim erreichte 24 Prozent und lag damit praktisch gleichauf mit dem Wunsch nach einer dauerhaften Partnerschaft, den 23 Prozent nannten. Gegenüber der Vergleichserhebung aus dem Jahr 2022 verlor vor allem der Wunsch nach einer Lebenspartnerin oder einem Lebenspartner an Bedeutung: Damals hatte er noch bei 28 Prozent gelegen.
Die Ergebnisse zeigen: Klassische Ziele wie Partnerschaft und Wohneigentum bleiben wichtig. Gleichzeitig gewinnen Gesundheit, persönliche Freiheit und die Möglichkeit, das eigene Leben unabhängig gestalten zu können, an Gewicht.
Der Traum vom Eigenheim bleibt lebendig
Trotz zeitweise stark gestiegener Baukosten, Immobilienpreise und Finanzierungszinsen bleibt Wohneigentum für viele Menschen ein wichtiges Lebensziel. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei jüngeren Erwachsenen: 58 Prozent der 18- bis 34-jährigen Studienteilnehmer nannten den Immobilienerwerb als möglichen Anlass, professionelle Finanzberatung in Anspruch zu nehmen. Über alle Altersgruppen hinweg waren es lediglich 19 Prozent.
Ein Eigenheim kann Sicherheit, Lebensqualität und im Alter eine geringere Abhängigkeit von steigenden Mieten bieten. Es ist jedoch nicht automatisch eine gute Kapitalanlage. Kaufpreis, Eigenkapital, Finanzierungskosten, laufende Belastungen, Instandhaltungsrücklagen, Steuern und die langfristige persönliche Lebensplanung müssen zusammenpassen.
Wer für den Immobilienerwerb seine gesamten Rücklagen einsetzt und sich bis an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit verschuldet, gewinnt möglicherweise Wohneigentum, verliert aber finanzielle Flexibilität. Ein Eigenheim sollte deshalb Teil einer Gesamtstrategie sein – und nicht das gesamte Vermögen binden.
Lebensphasen ändern sich – Finanzpläne häufig nicht
Berufseinstieg, Selbstständigkeit, Heirat, Familiengründung, Immobilienkauf, Erbschaft, längere Arbeitsunfähigkeit oder Ruhestand verändern die finanzielle Situation grundlegend. Dennoch passen viele Menschen ihre Finanzplanung nur selten an neue Lebensumstände an.
Nach der Swiss-Life-Select-Studie überprüften lediglich zwölf Prozent der Befragten ihre Finanzen in einem Abstand von etwa ein bis drei Jahren und passten sie an ihre aktuelle Lebenssituation an. Diese geringe Quote ist problematisch. Versicherungen, Vollmachten, Sparraten, Anlagestrategien und die persönliche Risikotragfähigkeit sollten regelmäßig überprüft werden – und zusätzlich bei jedem bedeutenden Einschnitt im Leben.
Als Anlässe für eine Finanzberatung nannten die Befragten unter anderem den Eintritt in den Ruhestand mit 16 Prozent, eine Erbschaft oder die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit mit jeweils 15 Prozent, einen längerfristigen Arbeitsausfall mit zwölf Prozent sowie wirtschaftliche Veränderungen wie eine steigende Inflation mit zehn Prozent.
Frauen fokussieren die Altersvorsorge, Männer Investments
Wenn sich Menschen beraten lassen, steht die Altersvorsorge an erster Stelle. 38 Prozent wollten dieses Thema besprechen. Bei Frauen lag der Anteil mit 42 Prozent deutlich höher als bei Männern mit 34 Prozent.
Weitere wichtige Beratungsthemen waren selbst genutztes Wohneigentum mit 33 Prozent, Immobilien als Kapitalanlage mit 32 Prozent, die Ermittlung allgemeiner Sparpotenziale mit 27 Prozent, die Optimierung bestehender Sparpläne mit 26 Prozent, Versicherungen mit 25 Prozent und die finanzielle Vorsorge für Kinder mit 22 Prozent.
Auch bei Sachwerten zeigten sich Unterschiede: Für Immobilien als Kapitalanlage interessierten sich 35 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen. Über Sammlerstücke oder Kunstwerke als mögliche Vermögenswerte wollten 22 Prozent der Männer, aber nur elf Prozent der Frauen sprechen.
Solche Unterschiede beschreiben Durchschnittswerte und sagen nichts über den einzelnen Menschen aus. Entscheidend sind nicht Geschlecht oder Alter, sondern Einkommen, Vermögen, Lebensziele, Anlagehorizont und Risikobereitschaft.
Finanzberatung braucht Transparenz
Professioneller Rat kann sinnvoll sein – insbesondere bei komplexen Finanzierungen, Versicherungsfragen, steuerlichen Sachverhalten oder der Altersvorsorge. Anleger sollten jedoch genau unterscheiden, ob sie eine unabhängige, honorierte Beratung oder eine provisionsbasierte Vermittlung erhalten.
Vor einer Entscheidung sollten Interessenten deshalb klären:
- Wie wird der Berater vergütet?
- Welche Abschluss-, Verwaltungs- und laufenden Produktkosten entstehen?
- Welche Interessenkonflikte bestehen?
- Welche Alternativen wurden geprüft?
- Wie flexibel ist das Produkt?
- Welche Folgen hätte eine vorzeitige Kündigung?
- Passt die Empfehlung tatsächlich zur gesamten Vermögenssituation?
Eine Beratung ist nicht allein deshalb gut, weil sie professionell präsentiert wird. Entscheidend sind Nachvollziehbarkeit, Kostentransparenz und die Qualität der empfohlenen Lösung.
Kinder brauchen Zeit statt Girokonto
Besonders wertvoll ist ein langer Anlagehorizont bei der Vorsorge für Kinder. In der Studie vertraten 23 Prozent der Befragten die Auffassung, Eltern sollten für ihre minderjährigen Kinder vorsorgen. Dennoch legte jeder fünfte befragte Elternteil das Geld lediglich auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto zurück. Weitere 13 Prozent setzten auf Bargeld, während 17 Prozent selbst genutztes Wohneigentum als späteres Erbe für ihre Kinder betrachteten.
Girokonto, Tagesgeld und Bargeld eignen sich als Liquiditätsreserve. Für einen Anlagezeitraum von zehn, 15 oder 20 Jahren sind sie als alleinige Strategie jedoch problematisch. Inflation vermindert langfristig die Kaufkraft. Bereits bei einer durchschnittlichen Geldentwertung von zwei Prozent verliert ein unverzinster Betrag innerhalb von 20 Jahren rund ein Drittel seiner realen Kaufkraft.
Wer langfristig für Kinder vorsorgt, sollte deshalb Liquidität, Sicherheit und Renditechancen sinnvoll kombinieren. Breit gestreute und kostengünstige Wertpapieranlagen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Entscheidend sind Diversifikation, niedrige Kosten, ein langer Anlagehorizont und die Bereitschaft, zwischenzeitliche Kursschwankungen auszuhalten.
Die gesetzliche Rente allein schafft selten Freiheit
Viele Menschen gehen zu Recht davon aus, dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreichen wird, um den bisherigen Lebensstandard vollständig zu erhalten. In der Swiss-Life-Select-Studie nannten die Befragten als zusätzliche Einkommensquellen für den Ruhestand vor allem die betriebliche Altersvorsorge mit 23 Prozent, eine private Zusatzrente mit 19 Prozent, Lebensversicherungen mit 16 Prozent sowie Vermögenserträge aus Zinsen oder Dividenden mit elf Prozent.
Gleichzeitig gab ein Viertel an, bislang über keine zusätzliche Einkommensquelle neben der gesetzlichen Rente zu verfügen. Gerade diese Abhängigkeit birgt ein erhebliches Risiko: Politische Reformen, demografische Veränderungen, Inflation und steigende Sozialabgaben können die reale Versorgung im Alter belasten.
Das jüngere Swiss-Life-Selbstbestimmungsbarometer 2025 unterstreicht die wachsende Unsicherheit. Nur noch 54 Prozent der Menschen in Deutschland fühlten sich grundsätzlich selbstbestimmt; im Vorjahr waren es 57 Prozent. Unter jungen Menschen war das Interesse an Finanz- und Vorsorgewissen besonders groß. Gleichzeitig vertraute nur knapp jeder Sechste darauf, bei finanziellen Engpässen ausreichende staatliche Hilfe zu erhalten.
Vom Lebenstraum zum Finanzplan
Ein Lebenstraum bleibt unverbindlich, solange er weder einen Zeitrahmen noch ein finanzielles Fundament besitzt. Wer seine Ziele verwirklichen will, sollte sie deshalb in konkrete Größen übersetzen:
- Was soll erreicht werden?
- Wann soll das Ziel verwirklicht sein?
- Welches Kapital wird dafür benötigt?
- Welche monatliche Sparrate ist realistisch?
- Welche Risiken könnten den Plan gefährden?
- Welche Rücklagen müssen jederzeit verfügbar bleiben?
- Welche Anlagen passen zum Zeithorizont?
Nicht jeder Traum lässt sich exakt berechnen. Doch ein unvollkommener Finanzplan ist meist wertvoller als gar keiner. Entscheidend ist, früh zu beginnen, regelmäßig nachzujustieren und sich nicht von kurzfristigen Moden oder vermeintlich sicheren Renditeversprechen ablenken zu lassen.
Kapitalschutz heißt selbstbestimmt handeln
Finanzielle Selbstbestimmung bedeutet nicht, vollständig auf staatliche Systeme zu verzichten. Sie bedeutet, die eigene Zukunft nicht ausschließlich von ihnen abhängig zu machen.
Bauen Sie liquide Rücklagen auf, sichern Sie existenzielle Risiken ab und verteilen Sie Ihr Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen, Anbieter, Rechtsräume und Verwahrstellen. Achten Sie auf Kosten, Steuern, Kaufkraft und jederzeitige Verfügbarkeit. Überprüfen Sie Ihre Strategie, sobald sich Ihre familiäre, berufliche oder finanzielle Situation verändert.
Lebensträume verwirklichen sich selten von allein. Wer frühzeitig vorsorgt und selbstbestimmt handelt, vergrößert jedoch die Chance, aus Wünschen konkrete Wirklichkeit werden zu lassen.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com




