(08.09.26) Was bedeutet Freiheit in einer Zeit, die von geopolitischen Konflikten, wirtschaftlicher Unsicherheit und steigenden Lebenshaltungskosten geprägt ist? Der inzwischen fünfte Financial Freedom Report der Lebensversicherung von 1871 a. G. München, kurz LV 1871, liefert darauf eine bemerkenswerte Antwort: Für immer mehr Menschen gehört finanzielle Unabhängigkeit untrennbar zur persönlichen Freiheit.

Gemeinsam mit dem Meinungs- und Marktforschungsinstitut Civey und der Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Julia Pitters untersuchte die LV 1871 im August 2025 die Einstellungen von 2.500 volljährigen Menschen in Deutschland. Selbstbestimmtes Handeln steht mit 81,4 Prozent weiterhin an der Spitze des Freiheitsverständnisses, dicht gefolgt von der freien Meinungsäußerung mit 80,9 Prozent.

Direkt danach folgt bereits die finanzielle Unabhängigkeit: 67,8 Prozent zählen sie zu den drei wichtigsten Dimensionen von Freiheit. Im Vorjahr waren es lediglich 59,6 Prozent. Finanzielle Freiheit ist damit so bedeutend wie in keiner der bisherigen Erhebungen und rangiert inzwischen sogar knapp vor freien Wahlen, die von 67,7 Prozent genannt werden.

Finanzielle Unabhängigkeit wird zum Schutzraum

Der deutliche Anstieg ist kein Ausdruck grenzenlosen Wohlstands. Im Gegenteil: Finanzielle Unabhängigkeit wird zunehmend als Schutz vor wirtschaftlichen Krisen, steigenden Preisen und unsicheren Arbeitsmarktbedingungen verstanden. Der Traum vom schnellen Reichtum tritt in den Hintergrund. Wichtiger wird die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen selbst entscheiden zu können.

Für 64,5 Prozent der Befragten bedeutet finanzielle Freiheit vor allem, in allen Lebenslagen unabhängig zu sein. Lediglich 9,7 Prozent verbinden damit den Wunsch, nicht mehr arbeiten zu müssen. Weitere 9 Prozent möchten sich durch finanzielle Freiheit persönliche Träume erfüllen. Damit befindet sich die Bevölkerung weniger im „Träumermodus“ als vielmehr in einer defensiven Krisenhaltung.

Der Financial Freedom Index ist gegenüber dem Vorjahr zwar von 41,6 auf 43,8 Prozent gestiegen. Er liegt damit aber weiterhin lediglich im Bereich der sogenannten finanziellen „Normalität“. Nach der Systematik des Reports bedeutet dies: Es herrscht noch kein finanzielles Chaos, von dauerhafter Kontrolle oder echter finanzieller Freiheit sind viele Menschen jedoch weit entfernt. Der Index bildet dabei ein subjektives Stimmungsbild ab und ist kein objektiver Maßstab für Einkommen oder Vermögen.

Unzufriedenheit trotz wachsendem Freiheitsbedürfnis

Die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation ist auf den niedrigsten Stand der vergangenen vier Jahre gefallen. Insgesamt 40 Prozent sind unzufrieden, weitere 15 Prozent sogar sehr unzufrieden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung bewertet die eigene finanzielle Lage somit negativ.

Auch emotional überwiegt die Unsicherheit: 52,5 Prozent verbinden mit den persönlichen Finanzen negative Gefühle. Nur 29,4 Prozent betrachten ihre finanzielle Situation positiv. Finanzielle Sorgen sind damit längst kein Randphänomen mehr, sondern für einen erheblichen Teil der Bevölkerung zu einer dauerhaften psychischen Belastung geworden.

Besonders stark betroffen sind die 18- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe fühlen sich 65,1 Prozent beim Gedanken an ihre Finanzen beunruhigt oder haben Zukunftsängste. Gleichzeitig sind 56 Prozent der jungen Erwachsenen mit ihrer finanziellen Situation unzufrieden. Bei den über 65-Jährigen zeigt sich ein anderes Bild: Von ihnen bewerten 62,9 Prozent ihre finanzielle Lage positiv.

Die Generation Z definiert Freiheit neu

Auch das Verständnis von finanzieller Freiheit wandelt sich. Für 48,8 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bedeutet sie, in allen Lebenslagen finanziell unabhängig zu sein. Auffällig ist jedoch, dass 20,7 Prozent nicht mehr von einem festen Gehalt und damit von einem einzelnen Arbeitgeber abhängig sein möchten.

Darin spiegelt sich ein Wertewandel im Arbeitsleben wider. Ortsunabhängigkeit, flexible Arbeitszeiten, Selbstständigkeit und mehrere Einkommensquellen gewinnen an Bedeutung. Die klassische Vorstellung, jahrzehntelang für denselben Arbeitgeber tätig zu sein und anschließend von der gesetzlichen Rente zu leben, verliert gerade bei jungen Menschen an Überzeugungskraft.

Dieser Wunsch nach Unabhängigkeit trifft allerdings auf eine hohe finanzielle Unsicherheit. Wer sich nicht dauerhaft an einen Arbeitgeber binden möchte, benötigt umso mehr Rücklagen, Finanzwissen, Einkommensalternativen und eine eigenständige Altersvorsorge. Freiheit von festen Strukturen funktioniert nur, wenn sie durch eine belastbare finanzielle Struktur abgesichert wird.

Krankheit ist ein unterschätztes Vermögensrisiko

Die größte Bedrohung für die finanzielle Unabhängigkeit ist nach Ansicht der Befragten eine schwere Erkrankung. Diesen Risikofaktor nennen 53,2 Prozent. Eine mögliche Berufsunfähigkeit folgt mit 37,4 Prozent. Dennoch glauben 45,2 Prozent, dass sie während ihres Erwerbslebens voraussichtlich nicht berufsunfähig werden. Nur 37,1 Prozent halten eine Berufsunfähigkeit für wahrscheinlich.

Diese Einschätzung steht in einem problematischen Verhältnis zur tatsächlichen finanziellen Widerstandsfähigkeit. Fast 44 Prozent würden bei einem längerfristigen Einkommensausfall zunächst auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. Doch 52,4 Prozent könnten ohne laufendes Einkommen maximal sechs Monate überbrücken. Knapp ein Fünftel weiß überhaupt nicht, wie lange die vorhandenen Reserven reichen würden.

Gleichzeitig rechnen 53,6 Prozent im Ernstfall mit staatlicher Unterstützung. Dieses Vertrauen kann trügerisch sein, denn staatliche Leistungen sichern häufig nur eine Grundversorgung und nicht den gewohnten Lebensstandard. Besonders gefährlich ist ein Einkommensausfall für Menschen, deren Vermögensaufbau noch am Anfang steht und deren laufende Verpflichtungen hoch sind.

Ohne Finanzplan bleibt Freiheit eine Illusion

Eine ergänzende Civey-Umfrage der LV 1871 vom Januar 2026 zeigt das eigentliche Problem: Nur 25,1 Prozent der Menschen in Deutschland haben einen privaten Finanzplan für das Jahr 2026 erstellt. Im Vorjahr waren es noch 26,3 Prozent. Obwohl finanzielle Unabhängigkeit wichtiger wird, beschäftigt sich nur etwa jeder Vierte konkret und systematisch mit der eigenen finanziellen Zukunft.

Auch die Absicherung der Arbeitskraft wird häufig vernachlässigt. Nur 37,4 Prozent der Erwerbstätigen beziehen das Risiko einer Berufsunfähigkeit aktiv in ihre Finanzplanung ein. Dabei ist das eigene Arbeitseinkommen für die meisten Menschen der größte Vermögenswert – noch vor dem Wertpapierdepot oder einer Immobilie.

Ein tragfähiger Finanzplan sollte deshalb nicht ausschließlich aus Spar- und Anlageprodukten bestehen. Er benötigt mehrere Ebenen: eine ausreichende Liquiditätsreserve, die Absicherung existenzieller Risiken, den Abbau teurer Schulden, einen langfristigen Vermögensaufbau und eine breit gestreute Kapitalschutz-Strategie.

Mein Fazit: Freiheit braucht ein finanzielles Fundament

Der Financial Freedom Report 2025 verdeutlicht einen grundlegenden Wertewandel: Finanzielle Unabhängigkeit wird für immer mehr Menschen zu einem elementaren Bestandteil persönlicher Freiheit. Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation – insbesondere bei der jungen Generation.

Der Wunsch nach Freiheit allein genügt jedoch nicht. Wer keine Reserven besitzt, seine Arbeitskraft nicht absichert und keinen langfristigen Finanzplan verfolgt, bleibt abhängig: vom Arbeitgeber, von Banken, von staatlichen Leistungen und von politischen Entscheidungen.

Finanzielle Freiheit beginnt deshalb nicht mit einem bestimmten Millionenbetrag. Sie beginnt mit Finanzwissen, klaren Zielen und einem belastbaren Plan. Konkrete Strategien für Vermögensaufbau, Risikostreuung und intelligenten Kapitalschutz finden Sie regelmäßig in meinem Wirtschaftsmagazin „Kapitalschutz vertraulich“. Denn nur wer sein finanzielles Fundament selbst stärkt, kann seine persönliche Freiheit dauerhaft bewahren.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com