(24.08.26) Die sogenannte EU-Kapitalmarktunion klingt zunächst nach einem vernünftigen Projekt: Kapital soll innerhalb Europas leichter über Grenzen hinweg fließen, Unternehmen sollen einfacher an Finanzierung kommen und Anleger sollen mehr Investitionsmöglichkeiten erhalten. Doch inzwischen ist aus der ursprünglichen Kapitalmarktunion ein wesentlich umfassenderes Projekt geworden.

Seit März 2025 spricht die Europäische Kommission von der „Savings and Investments Union“ – kurz SIU, also einer Spar- und Investitionsunion. Sie verbindet die bisherige Kapitalmarktunion enger mit der Bankenunion, der privaten Altersvorsorge, der Finanzmarktaufsicht und der Frage, wie die enormen Ersparnisse europäischer Bürger stärker für Investitionen mobilisiert werden können.

Genau an diesem Punkt sollten Sie als Anleger aufmerksam werden. Denn es geht längst nicht mehr nur darum, technische Hindernisse beim grenzüberschreitenden Wertpapierhandel abzubauen. Es geht zunehmend um die grundsätzliche Frage, wohin das private Kapital europäischer Bürger fließen soll und welchen politischen und regulatorischen Rahmen Brüssel dafür schafft.

Aus der Kapitalmarktunion wird die Spar- und Investitionsunion

Die ursprüngliche Kapitalmarktunion wurde bereits 2015 gestartet. Ihr Ziel war und ist ein möglichst einheitlicher europäischer Kapitalmarkt. Unternehmen sollen weniger abhängig von klassischen Bankkrediten werden und sich stärker über Aktien, Anleihen, Fonds, Verbriefungen oder Risikokapital finanzieren können.

Mit der 2025 vorgestellten Savings and Investments Union geht die EU jedoch einen entscheidenden Schritt weiter. Die Europäische Kommission nennt vier zentrale Bereiche: mehr Kapitalmarktteilnahme privater Sparer, bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen, eine stärkere Integration der europäischen Finanzmärkte und eine effizientere beziehungsweise stärker harmonisierte Finanzmarktaufsicht.

Der politische Hintergrund ist offensichtlich: Europa benötigt enorme Investitionssummen. Die EU-Kommission verweist unter anderem auf den Draghi-Bericht, nach dessen Berechnungen bis 2030 jährlich zusätzliche Investitionen von rund 750 bis 800 Milliarden Euro notwendig seien. Hinzu kommen steigende Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit.

10 Billionen Euro Ersparnisse geraten ins Blickfeld

Besonders interessant ist eine Zahl aus den eigenen Unterlagen der Europäischen Kommission: Rund 10 Billionen Euro an Ersparnissen europäischer Privathaushalte liegen auf Bankkonten und Einlagen. Aus Sicht Brüssels arbeitet ein erheblicher Teil dieses Geldes nicht produktiv genug.

Die Kommission verweist sogar auf Berechnungen der Europäischen Zentralbank, wonach theoretisch bis zu 8 Billionen Euro stärker in marktbasierte Anlagen verschoben werden könnten, wenn sich die Vermögensstruktur europäischer Haushalte stärker derjenigen amerikanischer Haushalte annähern würde. Als mögliche Größenordnung nennt die Kommission einen Kapitalstrom von rund 350 Milliarden Euro pro Jahr.

Damit verändert sich auch die politische Perspektive auf Ihr Vermögen. Ersparnisse werden nicht mehr ausschließlich als privates Sicherheitskapital betrachtet. Sie werden zunehmend als mögliche Finanzierungsquelle für europäische Wachstums-, Infrastruktur-, Digitalisierungs-, Klima- und Verteidigungsprojekte angesehen.

Privates Vermögen für Europas Investitionsagenda

Natürlich bedeutet das nicht, dass die Europäische Union auf Ihr Sparkonto zugreifen kann oder Sparguthaben zwangsweise in Aktien oder Fonds umgeschichtet werden. Eine derartige Behauptung wäre falsch.

Sehr wohl versucht die Politik jedoch, Anreize zu setzen, damit Bürger freiwillig einen größeren Anteil ihres Geldes am Kapitalmarkt investieren. Dazu gehören vereinfachte Spar- und Investitionskonten, Maßnahmen zur Finanzbildung und Reformen der privaten sowie betrieblichen Altersvorsorge. Im September 2025 legte die Kommission beispielsweise ein Konzept für sogenannte Savings and Investment Accounts vor.

Aus Sicht eines langfristigen Vermögensaufbaus muss eine höhere Aktienquote keineswegs negativ sein. Im Gegenteil: Produktivkapital kann langfristig deutlich höhere Renditen erzielen als unverzinste Bankeinlagen. Problematisch wird die Entwicklung jedoch dann, wenn aus sinnvoller Kapitalmarktteilnahme zunehmend politisch gewünschte Kapitalallokation wird.

Wer bestimmt künftig, wohin Kapital fließt?

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Aktien besser oder schlechter als Sparbücher sind. Die entscheidende Frage lautet: Wer entscheidet über die Rahmenbedingungen und Anreize, nach denen Ihr Kapital investiert wird?

Die EU macht keinen Hehl daraus, dass privates Kapital stärker zur Finanzierung strategischer europäischer Ziele beitragen soll. Genannt werden ausdrücklich Bereiche wie Innovation, Digitalisierung, Energiewende, Infrastruktur und inzwischen verstärkt Verteidigung und Sicherheit.

Aus politischer Sicht ist das nachvollziehbar. Aus Sicht eines privaten Anlegers sollte jedoch immer das eigene Rendite-Risiko-Verhältnis im Mittelpunkt stehen. Ihr Vermögen ist schließlich kein staatlicher Investitionsfonds und auch kein Instrument europäischer Industriepolitik.

Die Finanzmarktaufsicht soll stärker zentralisiert werden

Ein weiterer Punkt ist mindestens ebenso bedeutend. Im Rahmen der Savings and Investments Union soll die Aufsicht über bestimmte Teile der Finanzmärkte stärker harmonisiert und teilweise auf die europäische Ebene verlagert werden.

Die Kommission erklärte bereits 2025 ausdrücklich, man wolle prüfen, in welchen Bereichen Aufsichtskompetenzen von nationalen Behörden stärker auf die EU-Ebene übertragen werden können. Im Dezember 2025 folgte ein umfangreiches Paket zur weiteren Integration und Harmonisierung der Marktaufsicht.

Damit wächst langfristig der Einfluss europäischer Institutionen auf Börsen, Marktinfrastrukturen, Assetmanager und weitere Finanzdienstleister. Befürworter sehen darin eine Voraussetzung für einen tatsächlich einheitlichen Kapitalmarkt. Kritiker können dagegen zu Recht fragen, ob ein immer stärker zentralisiertes Aufsichtssystem ausreichend Rücksicht auf unterschiedliche nationale Finanzmarktstrukturen nimmt.

Deutschland gibt weitere Gestaltungsmöglichkeiten ab

Gerade Deutschland verfügt über besondere Strukturen bei Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Versicherungen und betrieblicher Altersvorsorge. Je stärker europäische Regeln vereinheitlicht werden, desto geringer wird zwangsläufig der nationale Gestaltungsspielraum.

Das bedeutet nicht automatisch, dass europäische Regeln schlechter sind. Einheitliche Standards können Kosten senken, grenzüberschreitende Anlagen erleichtern und den Wettbewerb erhöhen. Gleichzeitig entsteht jedoch ein klassisches Zentralisierungsproblem: Entscheidungen, die für einen großen europäischen Durchschnittsmarkt sinnvoll erscheinen, müssen nicht zwangsläufig optimal für jedes einzelne Land sein.

Für Anleger bedeutet das: Regulatorische Diversifikation gewinnt ebenso an Bedeutung wie klassische Anlageklassen-Diversifikation. Wer sein gesamtes Vermögen ausschließlich innerhalb eines einzigen Rechts-, Währungs- und Regulierungssystems hält, trägt ein Konzentrationsrisiko, das in klassischen Anlageberatungen häufig unterschätzt wird.

Keine automatische Haftungsunion – aber stärkere Verflechtung

Einen Punkt möchte ich ausdrücklich korrigieren, weil bei der Kapitalmarktunion häufig überzogen argumentiert wird: Es gibt keinen Mechanismus, durch den deutsche Steuerzahler automatisch für Verluste italienischer, spanischer oder französischer Anleger beziehungsweise Unternehmen haften würden.

Die Harmonisierung des Insolvenzrechts oder der Finanzmarktaufsicht bedeutet ebenfalls nicht automatisch eine Vergemeinschaftung privater Verluste. Eine solche Darstellung wäre zu pauschal.

Was jedoch zutrifft: Je stärker Banken, Kapitalmärkte, Fonds, Versicherer und Finanzmarktinfrastrukturen grenzüberschreitend miteinander verflochten werden, desto stärker können sich Finanzprobleme über nationale Grenzen hinweg ausbreiten. Integration schafft Effizienz – sie schafft aber gleichzeitig neue gegenseitige Abhängigkeiten.

Verbriefungen feiern ein Comeback

Ein gutes Beispiel dafür ist der Markt für Verbriefungen. Die EU-Kommission hat 2025 Vorschläge vorgelegt, mit denen der europäische Verbriefungsmarkt wiederbelebt werden soll. Dabei werden beispielsweise Hypotheken-, Unternehmens- oder Mittelstandskredite gebündelt und anschließend als handelbare Wertpapiere an Investoren verkauft.

Verbriefungen sind keineswegs grundsätzlich schlecht. Richtig strukturiert können sie Banken entlasten und zusätzliche Finanzierung ermöglichen. Die Finanzkrise von 2008 hat jedoch eindrucksvoll gezeigt, was passieren kann, wenn Risiken über komplexe Strukturen verteilt werden und am Ende niemand mehr genau weiß, wo sie tatsächlich liegen.

Deshalb sollten Anleger genau beobachten, wie stark regulatorische Anforderungen an solche Produkte im Zuge der europäischen Wachstumsagenda gelockert werden. Mehr Kapitalmarktfinanzierung darf nicht bedeuten, dass Risiken lediglich aus Bankbilanzen in Fonds, Versicherungen oder private Depots weitergereicht werden.

Auch Versicherungen sollen mehr Kapital bereitstellen

Im Oktober 2025 folgte ein weiterer Schritt. Die EU-Kommission änderte Vorgaben im Umfeld von Solvency II mit dem erklärten Ziel, Investitionen von Versicherungen und Banken in europäische Unternehmen und strategische Projekte zu erleichtern.

Auch hier gilt: Investitionen von Versicherungen in Aktien und Infrastruktur können volkswirtschaftlich sinnvoll sein. Gleichzeitig verwalten Versicherer enorme Vermögenswerte, die letztlich der Absicherung ihrer Kunden und Versicherungsverträge dienen.

Wer regulatorische Kapitalanforderungen verändert, um zusätzliche Investitionen zu ermöglichen, verändert daher zwangsläufig auch Risikoprofile. Anleger und Versicherungsnehmer sollten genau beobachten, ob langfristig weiterhin die Sicherheit der Kunden oder zunehmend industriepolitische Finanzierungsziele im Vordergrund stehen.

Die Altersvorsorge wird zum wichtigen Baustein

Besonders aufmerksam sollten Sie beim Thema Altersvorsorge werden. Die Savings and Investments Union sieht ausdrücklich vor, kapitalgedeckte Vorsorge stärker auszubauen.

Dazu gehören Reformen des europäischen privaten Altersvorsorgeprodukts PEPP ebenso wie Änderungen bei betrieblichen Altersversorgungssystemen. Die Kommission will darüber hinaus Instrumente wie automatische Teilnahmeverfahren, Pension Tracking Systems und Vorsorge-Dashboards fördern.

Kapitalgedeckte Altersvorsorge halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Angesichts der demografischen Entwicklung kann Europa langfristig kaum ausschließlich auf umlagefinanzierte Rentensysteme setzen. Entscheidend bleibt jedoch, dass Anleger möglichst frei entscheiden können, wie, wo und in welchen Regionen ihr Vorsorgevermögen investiert wird.

Europa statt Weltportfolio wäre der falsche Weg

Genau hier liegt aus meiner Sicht eines der größten Risiken. Wenn europäische Spar- und Vorsorgeprodukte politisch so ausgestaltet werden, dass Kapital bevorzugt innerhalb Europas investiert werden soll, kann daraus ein sogenannter Home Bias entstehen.

Für einen Anleger ist jedoch nicht entscheidend, wo ein Unternehmen seinen Sitz hat, sondern welche Rendite, Qualität, Bewertung und Risiken eine Investition bietet. Ein global diversifiziertes Portfolio sollte deshalb nicht zugunsten politisch gewünschter europäischer Investitionen aufgegeben werden.

Die USA dominieren beispielsweise viele Bereiche der Technologie- und Kapitalmärkte. Auch die Schweiz, Singapur und andere internationale Finanzzentren bieten attraktive Investitionsmöglichkeiten. Ein Anleger sollte sich deshalb möglichst viele Optionen offenhalten.

Was die Kapitalmarktunion nicht bedeutet

Ebenso wichtig ist, einige Mythen aus der Diskussion herauszunehmen. Die Kapitalmarktunion bedeutet derzeit weder eine EU-Vermögenssteuer noch eine automatische gemeinsame Haftung für Wertpapierverluste.

Es gibt ebenso keinen belastbaren Hinweis darauf, dass Goldbesitz oder Bitcoin aufgrund der Savings and Investments Union verboten oder eingeschränkt werden sollen. Bitcoin und andere Kryptowerte unterliegen mit MiCA zwar einem umfangreichen europäischen Regulierungsrahmen, dieser ist jedoch ein eigenständiges Regelwerk.

Auch die Behauptung, die Kapitalmarktunion würde internationale Diversifikation grundsätzlich verhindern, wäre falsch. Ein integrierter europäischer Kapitalmarkt kann grenzüberschreitende Diversifikation innerhalb Europas sogar erleichtern.

Das eigentliche Risiko ist die regulatorische Konzentration

Meine Kritik setzt daher an einer anderen Stelle an. Die europäische Finanzarchitektur wird immer stärker vereinheitlicht: Bankenregulierung, Wertpapieraufsicht, Versicherungsregulierung, Kryptoregulierung und zukünftig möglicherweise weitere Teile der Kapitalmarktaufsicht werden zunehmend europäisch geprägt.

Für Bürger entsteht dadurch ein regulatorisches Konzentrationsrisiko. Ein deutscher Anleger, der ausschließlich deutsche Banken, deutsche Broker, Euro-Guthaben, EU-Fonds und EU-Versicherungen nutzt, mag auf den ersten Blick breit diversifiziert erscheinen – regulatorisch befindet sich jedoch fast sein gesamtes Vermögen innerhalb desselben Systems.

Genau deshalb gehört für mich zum modernen Vermögensschutz neben der Diversifikation über Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Immobilien und digitale Vermögenswerte auch die Diversifikation über Währungen, Rechtsräume und Finanzplätze.

Gold und Bitcoin bleiben wichtige Diversifikationsbausteine

Physisches Gold besitzt beispielsweise keinen Emittenten und keine Gegenpartei. Es ist unabhängig von der Bonität einer Bank, eines Unternehmens oder eines Staates. Gerade deshalb bleibt Gold für mich ein wichtiger strategischer Vermögensschutzbaustein.

Bitcoin besitzt wiederum andere Eigenschaften. Bitcoin ist hochvolatil und eignet sich nicht als Ersatz für liquide Reserven. Gleichzeitig stellt ein selbstverwahrter Bitcoin-Bestand eine Vermögensform dar, die technisch außerhalb des klassischen Bankensystems gehalten werden kann.

Beide Anlageformen sind keine Garantie gegen politische oder regulatorische Eingriffe. Sie können aber dazu beitragen, ein Vermögen weniger abhängig von einzelnen Banken, Staaten, Währungen oder Finanzmarktstrukturen zu machen.

Mein Fazit: Europas Milliardenhunger trifft auf Ihre Ersparnisse

Die EU-Kapitalmarktunion beziehungsweise die heutige Savings and Investments Union ist kein Enteignungsprogramm. Eine derartige Darstellung wäre unseriös. Das Projekt verfolgt durchaus nachvollziehbare Ziele: stärkere Kapitalmärkte, bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und höhere langfristige Renditechancen für europäische Sparer.

Gleichzeitig sollte man sich jedoch klarmachen, welche Größenordnungen im Hintergrund stehen. Rund 10 Billionen Euro europäische Bankeinlagen treffen auf einen zusätzlichen Investitionsbedarf von geschätzten 750 bis 800 Milliarden Euro pro Jahr. Die politische Versuchung ist entsprechend groß, einen größeren Teil privaten Kapitals für europäische strategische Projekte zu mobilisieren.

Deshalb sollten Sie die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Die zentrale Frage lautet nicht, ob Sie investieren sollten. Die zentrale Frage lautet vielmehr: Entscheiden weiterhin Sie selbst, wo Ihr Kapital die besten Chancen bietet – oder bestimmen politische Anreize zunehmend die Richtung?

Liechtenstein bleibt meine Kapitalschutz-Oase Nr. 1

Wer regulatorisch und geografisch diversifizieren möchte, sollte auch Finanzplätze außerhalb der Europäischen Union betrachten. Einer meiner bevorzugten Standorte bleibt dabei das Fürstentum Liechtenstein.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Liechtenstein ist kein Mitglied der Europäischen Union, gehört jedoch zum Europäischen Wirtschaftsraum. Zahlreiche EU-Finanzmarktregeln werden deshalb über das EWR-Abkommen auch in Liechtenstein übernommen. Das Fürstentum ist somit kein regulatorischer Fluchtpunkt aus sämtlichen europäischen Finanzmarktregeln.

Der entscheidende Vorteil Liechtensteins liegt für mich vielmehr in seinen außergewöhnlich soliden staatlichen Rahmenbedingungen, seiner politischen Stabilität, seiner starken Finanzbranche und seiner engen Verbindung zur Schweiz beziehungsweise zum Schweizer Franken.

AAA, stabile Staatsfinanzen und praktisch keine Staatsschulden

Die aktuellsten Zahlen sind bemerkenswert: S&P Global Ratings bestätigte Liechtenstein am 25. Mai 2026 erneut die Bestnote AAA mit stabilem Ausblick. Die Ratingagentur hebt unter anderem die starken öffentlichen Finanzen und die hohe Widerstandsfähigkeit des Landes hervor.

Noch bemerkenswerter ist die Finanzlage des Staates. Der Internationale Währungsfonds beschreibt Liechtenstein 2026 als Land mit praktisch keiner Staatsverschuldung und erheblichen fiskalischen Reserven. In Zeiten, in denen viele große westliche Volkswirtschaften unter ständig steigenden Schulden- und Zinslasten leiden, ist das ein bemerkenswerter Kontrast.

Liechtenstein ist für mich deshalb nicht interessant, weil dort keinerlei europäische Regulierung gelten würde. Das wäre schlicht falsch. Interessant ist das Fürstentum, weil hier finanzielle Solidität, politische Stabilität, ein etablierter Finanzplatz und ein anderer staatlicher Rahmen zusammenkommen.

Vermögensschutz bedeutet, Alternativen zu besitzen

Sie müssen deshalb keineswegs Ihr gesamtes Vermögen aus Deutschland oder der Europäischen Union verlagern. Eine solche Radikallösung halte ich in den meisten Fällen weder für notwendig noch für sinnvoll.

Aber Sie sollten Alternativen besitzen. Ein zusätzliches Bank- oder Wertpapierdepot in einem stabilen Rechtsraum, unterschiedliche Währungen, physisches Gold und gegebenenfalls ein angemessener Anteil digitaler Vermögenswerte können die Abhängigkeit von einem einzigen System reduzieren.

Denn echter Vermögensschutz bedeutet für mich nicht, vorherzusagen, welches politische oder wirtschaftliche Szenario eintreten wird. Vermögensschutz bedeutet, so aufgestellt zu sein, dass Ihr Vermögen nicht von einem einzigen Szenario, einem einzigen Staat, einer einzigen Währung oder einem einzigen Finanzsystem abhängig ist.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com