(22.08.26) Viele Anleger kennen den Begriff des Schwarzen Schwans. Gemeint ist ein höchst unwahrscheinliches, vollkommen unerwartetes Ereignis mit enormen Folgen. Als Musterbeispiel werden meist die Terroranschläge vom 11. September 2001 genannt. Auch die Corona-Pandemie wird häufig so eingeordnet, wobei man darüber streiten kann. Denn nicht jedes dramatische Ereignis ist automatisch ein Schwarzer Schwan.

 

Echte Schwarze Schwäne sind selten. Viele Krisen werden in der öffentlichen Debatte vorschnell so bezeichnet, obwohl es sich bei genauer Betrachtung eher um „graue Nashörner“ handelt. Damit werden erkennbare Gefahren bezeichnet, die lange verdrängt wurden. Geprägt wurde dieser Begriff von der US-Autorin und Risikoexpertin Michele Wucker (The Gray Rhino). Sie beschreibt damit große, wahrscheinliche und folgenschwere Risiken, die für alle sichtbar sind und dennoch ignoriert werden.

Gerade für Anleger ist diese Unterscheidung von großer Bedeutung. Wer die falschen Begriffe verwendet, unterschätzt oft auch die tatsächlichen Risiken. Denn auf ein graues Nashorn kann man sich zumindest teilweise vorbereiten – auf einen echten Schwarzen Schwan hingegen kaum. Wenn etwa der Angriff auf den Iran dazu führt, dass die Straße von Hormus blockiert wird und dadurch die Ölpreise stark steigen, neue Inflation entsteht und Lieferketten gestört werden, dann ist das kein völlig überraschendes Ereignis. Es ist ein graues Nashorn. Denn ein solcher Zusammenhang ist seit Jahren bekannt. Die Gefahr ist sichtbar. Ungewiss ist nur der genaue Zeitpunkt der Eskalation.

 

Die eigentliche Gefahr ist sichtbar

 

Genau das ist das Problem unserer Zeit: Die Welt ist mittlerweile voller grauer Nashörner. Kommende Staats- oder Bankpleiten, der Kollaps umlagefinanzierter Renten-, Gesundheits- und Sozialsysteme, Währungszusammenbrüche, Umverteilungen, Enteignungen oder innere Unruhen wären keine vollkommen unerwarteten Schockereignisse. Es wären Entwicklungen, die sich seit Langem abzeichnen und vor denen viele Experten seit Jahren warnen. Auch vielen Bürgern ist längst bewusst, dass die globalen Schuldenorgien auf Dauer nicht tragfähig sind und früher oder später zu schweren Verwerfungen führen können.

 

Für uns Anleger liegt darin eine wichtige Erkenntnis. Die größte Gefahr sind oft nicht die völlig unvorhersehbaren Ereignisse, sondern die offensichtlichen Risiken, die zu lange ignoriert werden. Wer Warnsignale übergeht, wer auf politische Beruhigungsformeln vertraut und wer Vermögen nicht breit genug aufstellt, macht sich verwundbar.

 

Deshalb sollten Sie nicht nur auf Rendite achten, sondern vor allem auf Stabilität und Krisenfestigkeit. Wie abhängig sind Sie von Banken, einzelnen Währungen oder politischen Entscheidungen? Wie robust ist Ihr Vermögen bei Inflation, Lieferkettenstörungen oder Vertrauensverlust in Staaten und Finanzsysteme? Genau diese Kapitalschutz-Fragen gewinnen jetzt weiter an Bedeutung.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com