(23.06.25) Klassische Lebens- und Rentenversicherungen gehören weiterhin zu den beliebtesten Finanz- und Altersvorsorgeprodukten in Deutschland. Die Kapitalanlage dieser Policen basiert überwiegend auf Anleihen und damit auf Zahlungsversprechen, die auf Schulden beruhen. Viele Lebensversicherer schleppen seit der Zinswende erhebliche „stille Lasten“ in ihren Bilanzen mit sich.

Der Grund: In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Gesellschaften in großem Umfang niedrig verzinste Anleihen erworben, deren Marktwerte nach den deutlichen Zinssteigerungen der letzten Jahre stark gefallen sind. Die Folge: Die laufenden Erträge reichen vielerorts nicht aus, um die zugesagten Leistungen langfristig solide abzudecken.

Sechs Versicherer mit besonders hohen stillen Lasten

Eine aktuelle Analyse von Metzler Ratings hat die Bilanzen des Jahres 2024 der 28 größten deutschen Lebensversicherer untersucht. Am unteren Ende der Bewertung rangieren Generali Deutschland, Zurich, Gothaer, Cosmos, LVM und LPV (vormals PB Leben). Diese sechs Versicherer können ihre stillen Lasten selbst unter Einrechnung der Zinszusatzreserve nicht kompensieren. Ihre Quote an Sicherheitsmitteln liegt im negativen Bereich – ein klares Warnsignal.

Versicherer mit solch hohen Belastungen stehen vor einem Dilemma: Um die Erträge zu verbessern, müssten sie die Wertverluste realisieren, die alten Niedrigzinsanleihen verkaufen und in höher verzinste Papiere umschichten. Dies würde jedoch kurzfristig die ohnehin schon niedrige Rendite der Policen weiter verschlechtern. Alternativ müssten die Unternehmen massiv neues Geschäft generieren, um frische Beiträge in besser verzinste Anlagen zu investieren. Zwar liegt das Neugeschäft immer noch bei rund 4,5 Millionen Policen pro Jahr – ein alarmierend hoher Wert angesichts der Gesamtsituation –, doch reicht dies bei weitem nicht aus, um die strukturellen Lücken zu schließen.

Was bedeutet das für Sie als Versicherungsnehmer?

Wenn Sie unzufrieden mit der Entwicklung Ihrer Lebensversicherung sind, stellt sich die Frage, wie Sie Ihr investiertes Kapital schützen können. Ein einfacher Verkauf oder eine Kündigung mag naheliegend erscheinen, führt jedoch in vielen Fällen zu erheblichen finanziellen Einbußen.

Beide Optionen sind zwar schnell erledigt, doch sollten Sie wissen: Mit Kündigung oder Verkauf verzichten Sie endgültig auf eine Vielzahl möglicher Ansprüche gegenüber Ihrem Versicherer. Genau diese Ansprüche können jedoch dafür sorgen, dass Sie deutlich mehr erhalten als den reinen Rückkaufswert. Eine sorgfältig geprüfte Rückforderung eröffnet hier großes Potenzial.

Meine Empfehlung: Achtung bei Kapitallebensversicherungen – Handeln statt abwarten

Neue Verträge für Kapitallebensversicherungen sollten Sie grundsätzlich nicht mehr abschließen. Das System ist in seiner heutigen Struktur nicht tragfähig – auch nicht in wirtschaftlich guten Zeiten. Wenn Sie bei einer der besonders belasteten Gesellschaften einen laufenden Vertrag besitzen, sollten Sie eine Abwicklung oder eine rechtliche Prüfung Ihres Vertrags ernsthaft in Betracht ziehen. Fundierte Einschätzungen und konkrete Handlungsempfehlungen dazu finden Sie in meinem Wirtschaftsmagazin Kapitalschutz vertraulich.

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