(13.11.24) Die weltweite Staatsverschuldung wird in diesem Jahr voraussichtlich erstmals die Marke von 100 Billionen US-Dollar überschreiten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Schuldenquote gemessen an der globalen Wirtschaftsleistung Ende 2024 bei etwa 93 % liegen wird. Bis 2030 könnte sie sich dann auf 100 % zubewegen, was bedeutet, dass die Staatsschulden die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der Welt erreichen würden.

Bereits während der Pandemie erreichte die Verschuldung mit 99 % einen temporären Höchststand. Zum Vergleich: Vor der Pandemie, im Jahr 2019, lag die Schuldenquote bei noch 90 %. Doch selbst diese alarmierenden Zahlen könnten zu optimistisch sein. Der IWF selbst räumte ein, dass frühere Prognosen sowohl von ihm als auch von der Weltbank die Verschuldung oft unterschätzt haben.

Geopolitische Spannungen, militärische Konflikte, Handelskriege und Extremwetterereignisse durch den Klimawandel verursachen weltweit spürbare Schäden. Doch auch die rasant steigenden Staatsschulden und die damit verbundenen Zinslasten tragen erheblich zu den globalen Herausforderungen bei. Der IWF warnt vor neuen Rekorden, da die Schuldenschleusen weiterhin offen stehen. Unabhängig vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen wird die Staatsverschuldung der weltweit größten Volkswirtschaft weiter stark ansteigen.

Steigende Staatsverschuldung: Risiken für den Euro und private Vermögen

Auch China plant, seine Konjunkturhilfen durch die Ausgabe spezieller Staatsanleihen zu finanzieren, was die Staatsschulden weiter nach oben treiben wird. Neben den beiden größten Schuldnern, den USA und China, gehören auch Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Italien und Südafrika zu den Problemländern. Besonders die Verschuldungsexzesse in Frankreich und Italien stellen eine Gefahr für die Stabilität des Euros dar, da Deutschland als Teil der EU-Haftungsgemeinschaft direkt betroffen ist.

Deutschland ist, isoliert betrachtet, ohne die europäischen Haftungsrisiken durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), weit von einem Staatsbankrott entfernt, der einem Bankrott des Volkes gleichkäme. Selbst wenn der Staat seine 2,6 Billionen Euro Staatsschulden von den Vermögensinhabern zwangsweise holen würde (Buchung: Volk an Staat), blieben immer noch etwa 14 Billionen Euro privates Volksvermögen übrig.

Das Hauptproblem besteht darin, dass Vermögen und Kapital in Deutschland, wie auch in anderen Ländern, sehr ungleich verteilt sind. Dadurch steigt das Risiko künftiger Umverteilungen für Kapitalinhaber erheblich. Europa wird seine strukturelle Schuldenkrise nicht durch Wirtschaftswachstum überwinden können, sondern durch Umverteilungen. Die dabei angewendete Methode ist die „finanzielle Repression“.

Dieser Begriff und seine Folgen werden in den Medien immer noch zu wenig thematisiert. Finanzielle Repression beschreibt staatliche Maßnahmen, um Schulden abzubauen, etwa durch negative Realzinsen, steigende Steuern oder Kapitalverkehrskontrollen. Diese Maßnahmen entziehen Sparern und Anlegern Kaufkraft, indem ihr Vermögen durch Inflation entwertet wird. Ziel der finanziellen Repression ist es, die Staatsschulden zu reduzieren und deren Refinanzierung zu erleichtern.

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