Operation Inflation!

In zahlreichen Ländern steigen die Verbraucherpreise deutlich an. Die Notenbanken halten hierfür die geldpolitischen Zügel in der Hand, um im Sinne der Stabilität des Geldwertes entsprechend gegenzusteuern. Beispielsweise durch eine Drosselung der Geldflut mittels Erhöhung der Leitzinsen. Damit würde die Kreditnachfrage gedämpft und die Geldschöpfung gebremst. Die aktuellen, von der US-Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Prognosen der internationalen Notenbankzinsen zeigen jedoch, dass die Zentralbanken differierende Strategien verfolgen, im Hinblick auf ihre Zinspolitik.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihren Kurs der niedrigen Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Ende des kommenden Jahres beibehalten. Damit lassen sich die Notenbanker von der derzeit hohen Inflation nicht beeindrucken. Das eigentliche Ziel, die Inflationsrate bei einer Marke von rund 2% stabil zu halten wird nach meiner Einschätzung massiv gefährdet. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde vertritt die Sichtweise, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu einer Angebotsverknappung in bestimmten Sektoren geführt haben. Sobald diese Effekte abklingen, würde die Inflation auch wieder sinken.

Für unsere Volkswirtschaften und die Bürger ist diese Strategie mit großen Gefahren verbunden. Tritt dieser durch Lagarde erwartete Automatismus nämlich nicht ein, wird das Gespenst der Inflation – und somit der Kaufkraftverlust des Euro – zu einer großen und langfristigen Belastung mit gravierenden Folgen. Nicht nur für unser Geld, sondern im Hinblick auf die Art und Weise wie wir Leben, unsere Bürgerrechte und unsere persönliche Freiheit.

Die EZB-Negativzinspolitik hat mittlerweile auch dazu geführt, dass zahlreiche Lebens- und Rentenversicherungen sowie Pensionskassen die damit verbundenen Herausforderungen nicht mehr bewältigen können. Rund 40 Prozent der deutschen Lebensversicherer erzielen keine ausreichenden Renditen mehr, um die Garantieversprechen an ihre Kunden zu decken!

Die Geldwertstabilität gerät weiter unter Druck

In Deutschland ist die Inflation zuletzt über die Marke von vier Prozent geklettert. So stark haben die Verbraucherpreise zuletzt Anfang der 90er zugelegt. Schuld daran sind eine ganze Reihe von Gründen wie die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung aus dem Jahr 2020 oder der durch die Pandemie beeinträchtigte Welthandel. Am gravierendsten wirken sich indes laut Medienberichten die explodierenden Gaspreise aus.

All diese Faktoren machen sich auch in den anderen EU-Staaten bemerkbar. Eurostat beziffert den Durchschnittswert im September über alle Mitgliedsstaaten hinweg auf 3,6 Prozent. Besonders betroffen sind die osteuropäischen Staaten, allen voran das Baltikum. Auch in den USA wird die Inflationsrate vor allem von den Energiepreisen befeuert. Auf die steigenden Inflationsraten müssten die internationalen Notenbanken eigentlich mit Zinserhöhungen reagieren, um die Geldwertstabilität zu schützen. Aber tun die „Geldschützer“ das auch?

Zentralbanken mit orientierungsloser Zinspolitik!

Als Geldpolitik bezeichnet man die wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die eine Zentralbank ergreift, um ihre Ziele zu erreichen. Eine restriktive Geldpolitik kann darauf abzielen, eine Geldentwertung zu bekämpfen, indem die jeweilige Zentralbank die Höhe des sich im Umlauf befindlichen Geldes verringert und die Zinsen erhöht. Eine expansive Geldpolitik hingegen vergrößert die Geldmenge oder das Geldangebot der Zentralbank und geht mit sinkenden Zinsen einher. Die obige Statista-Grafik veranschaulicht auf Basis der Bloomberg-Daten sehr gut die internationale Zentralbankwelt der Uneinigkeit und Orientierungslosigkeit.

Stabil bleiben soll das Zinsniveau der Bloomberg-Prognose zufolge beispielsweise in Australien, Indien, Japan und in der Schweiz. Auch die US-Notenbank Federal Reserve wird demnach den Federal Funds Rate auf dem aktuellen Niveau halten. Die Federal Funds Rate ist der Zinssatz, zu dem die amerikanischen Finanzinstitute wie etwa Banken und Sparkassen Geld untereinander leihen, um ihre Salden im Rahmen der Mindestreserveverpflichtungen bei der Zentralbank auszugleichen. Anderen Medienberichten zufolge möchte die Federal Reserve allerdings ihre Wertpapierkäufe von 120 Milliarden Dollar je Monat in Kürze reduzieren.

Andere Zentralbanken hingegen könnten die Ära des sehr preiswerten Geldes angesichts der steigenden Inflationsraten schneller beenden. Dazu zählt etwa Großbritannien. Die Bloomberg Experten rechnen mit einer Anhebung des Bankzinses (Bank Rate) von jetzt 0,1 Prozent auf 0,25 Prozent Ende 2022. Der Bankzins bestimmt den Zinssatz, den die Bank of England an Geschäftsbanken zahlt, die Geld bei der Zentralbank halten. Er beeinflusst die Kreditzinsen, die die Banken von ihren Kunden verlangen.

Die Türkei (Erdoganien) als Musterbeispiel für die Abhängigkeit einer Notenbank

In Argentinien, der Türkei und China kommt es der Prognose zufolge zu einer Senkung der Zinsen. Chinas Wirtschaft hat nicht mit einer hohen Inflation zu kämpfen, ist der Prognose zufolge aber mit einer Reihe von Abwärtsrisiken konfrontiert, wie etwa Stromknappheit, Virusausbrüche und einem schwachen Konsum. Die People’s Bank of China wird laut Bloomberg daher ihre Geldpolitik vermutlich lockern und die Wirtschaft stützen, indem sie mehr Liquidität in das Bankensystem pumpt und den Mindestreservesatz voraussichtlich im Oktober oder November 2022 um 50 Basispunkte senkt. Eine kurzfristigere Zinssenkung sei unwahrscheinlich, da dieser Schritt nur die finanziellen Ungleichgewichte schüren würden, die die Behörden gerne eindämmen wollen.

Die Geldpolitik des türkischen Präsidenten Erdogan wird von den Bloomberg-Experten kritisiert und als „unorthodox“ bezeichnet. In der Türkei sind die Verbraucherpreise um bis zu 19 Prozent gestiegen, trotzdem hatte die Zentralbank der Türkei den Leitzins kürzlich deutlich gesenkt und wird dies laut Bloomberg-Prognose bis Ende 2022 wieder tun. Erdogan ist offenkundig der Meinung, hohe Leitzinsen würden die Inflation eher anheizen und das Wirtschaftswachstum bremsen. Er möchte über niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln.

Fazit 1: Die internationale Notenbankpolitik ist geprägt von Uneinigkeit und Orientierungslosigkeit

Fakt ist: Die mehrheitlich hochverschuldeten Staaten dieser Welt sind auf steigende Zinsen nicht vorbereitet, ohne dass die Gefahr eines Systemkollapses droht.

Allein das eigentlich noch relativ solide Deutschland steht derzeit mit rund 1,9 Billionen Euro in der Kreide. Für eine Gesamtübersicht über die Staatsschulden müssen zu dieser expliziten Schuldenlast jedoch auch noch die impliziten bzw. verdeckten Schulden in Form von Pensionszusagen an Bundes- und Landesbeamte hinzugerechnet werden. Rein dadurch verdoppeln sich die Staatschulden auf insgesamt rund 4 Billionen Euro. Der vielfach bemühte Begriff der Schuldenbremse ist längst ein Mythos, bzw. eine politische Farce.

Fazit 2: Der letzte Euro-Stabilitätsanker fällt

Die großen Volkswirtschaften der europäischen Südstaaten Frankreich, Italien und Spanien sind aufgrund ihrer exorbitant hohen Staatsverschuldung mittlerweile so abhängig von niedrigen Zinsen wie ein Fisch vom Wasser. Bei steigenden Zinsen würden zahlreichen EU-Staaten mittlerweile Staatspleiten drohen. Die daraus resultierenden Folgen für die Kapitalmärkte, die Wirtschaft und die Gesellschaft wären ein Desaster, das zu unkontrollierbaren Dominoeffekten führen dürfte.

Zahlreiche Notenbankvertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) würden als Lösungsansatz gegen diese latenten Risiken am liebsten eine Schuldenunion aufbauen, um die Umverteilung innerhalb EU-Europas weiter zu forcieren. Als Mahner für Stabilität und Sicherheit machte sich bisher der deutsche Bundesbankpräsident einen Namen im Direktorium der EZB und weit darüber hinaus. Leider wird dieser wichtige Stabilitätsanker nicht mehr lange halten. Dr. Jens Weidmann war zuletzt weitestgehend isoliert in seiner auf Haushaltsdisziplin basierenden Sichtweise und hat nun konsequenterweise seinen Rücktritt verkündet.

Fazit 3: Die Zukunft der EU-Staaten heißt Schuldenexpansion statt Haushaltsdisziplin

Ganz offensichtlich ist der Rücktritt von Dr. Weidmann ein Vorgriff auf das, was in den nächsten Monaten unter der neuen Bundesregierung zu erwarten ist: die weitere Aufweichung der Stabilitätskriterien des Euro, neue Schulden und steigende Inflationsgefahren.

Die Zeche für die expansive Notenbankpolitik der letzten Jahre zahlen heute bereits die Bürger aus den – noch – relativ soliden Staaten Mitteleuropas. Vor allem Deutschlands Steuerzahler werden zunehmend durch Negativzinsen, steigende Kontoführungsgebühren, weitere Kosten, Abgaben und Steuern bei gleichzeitig hohen Inflationsraten belastet. Dadurch findet letztlich eine schleichende Enteignung statt. Zwischenzeitlich hat die Realverzinsung, also die Differenz zwischen den Leitzinsen und der Inflation, einen negativen Wert von rund minus 5% erreicht.

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