Gold und die 7 Bargeld-Hamster!

(03.08.20) Vor den aktuellen Systemrisiken der explodierenden Staatsschulden betone ich stets die Wichtigkeit von realen Werten, die nicht mit Krediten hinterlegt sind, oder auf Zahlungsversprechen basieren, wie zum Beispiel Gold.

Das gilt auch angesichts der offensichtlich nie endenden Geldschwemme der Notenbanken. Die Bilanzsummen der vier großen Zentralbanken EZB, Fed, Bank of England und Bank of Japan sind jetzt auf insgesamt 20 Billionen US-Dollar angeschwollen. Damit haben sie sich gegenüber der Finanzkrise im Jahr 2008 verfünffacht! Das wird in der Zukunft massive Konsequenzen für die Stabilität der jeweiligen Währungen haben. Die Kaufkraft wird erodieren.

Gold ist mehr Unfallversicherung als Kapitalanlage

Bei den aktuellen, stark gestiegenen Goldpreisen bekomme ich sehr häufig die Frage gestellt, ob Gold denn nicht bereits zu teuer ist und ob es nicht riskant ist, jetzt noch Gold zu kaufen. Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern es gilt zu differenzieren, wie hoch der Goldanteil eines Anlegers bereits ist.

Wer – noch – kein Gold hat, oder einen Anteil der deutlich unter 5% an seinem Gesamtvermögen liegt, sollte Gold immer kaufen. Sie kennen vermutlich den Spruch mit dem Glas bzw. der Frage, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Das ist nicht wichtig, entscheidend ist, wem das Glas gehört. Gleiches gilt für Gold: Es ist nicht wichtig, wie hoch der Goldpreis steht, sondern dass Sie Gold besitzen! Als eine Art Unfallversicherung vor den gigantisch angestiegenen Systemrisiken.

Vermögensanlage: Goldpreis auf historischem Hoch

Der Goldpreis hat 2020 ein historisches Hoch erreicht. Im Jahresdurchschnitt kostete eine Unze Feingold  (31,1 Gramm) etwas mehr als 1.680 US-Dollar – der bislang höchste Schlusskurs wurde am 27. Juli mit rund 1.958 US-Dollar erreicht. Ursache für den Preisanstieg ist die Corona-Pandemie. Aber auch die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China gelten laut als Grund für die Stärke des Edelmetalls. Gold gilt unter AnlegerInnen traditionell als Krisenwährung:

Es ist selten und es lässt sich nicht beliebig vermehren – wie etwa Geld. Deswegen dient es Anlegern als Schutz vor möglicher Inflation. Da die Zeichen weder bei Corona noch in der Weltpolitik auf Entspannung stehen, dürfte der Goldpreis vorerst hoch bleiben. Marktbeobachter halten derzeit einen Anstieg auf über 2.000 US-Dollar für möglich.

Fazit: Das System als Risiko: Gold als Chance!

Ich teile diese Einschätzung in Bezug auf das weitere, große Kurspotential bei Gold bzw. auch dem kleinen Bruder Silber. Wichtig ist allerdings nicht nur dass Sie Gold kaufen, sondern auch wie Sie es kaufen und wo und in welchen Strukturen Sie es verwahren.

Selbstständige und Freiberufler hamstern in Deutschland am meisten Bargeld

Nun vom Gold zum Geld bzw. zu einem Blick in die Welt des Bargelds. Am 20. Juni 1948 trat in den Westzonen die Währungsreform in Kraft. Damit wurde die Deutsche Mark alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die DM war als Grundlage für eine funktionsfähige Marktwirtschaft gedacht. Und tatsächlich wird die D-Mark bis heute als Symbol für den wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik wahrgenommen. Ein Symbol an dem viele bis heute hängen und das manch einer gerne zurück hätte. Und das obwohl der Euro – mit isoliertem und undifferenziertem Blick auf die rein offiziellen Inflationsdaten – stabiler ist.

In den 70er Jahren stieg die Inflation teilweise auf über fünf Prozent. Dagegen waren es im Euro-Raum seit der Bargeld-Einführung durchschnittlich laut Statistischem Bundesamt nur 1,4 Prozent. Als weiteren Hinweis für die anhaltenden Zuneigung zur Deutschen Mark darf durchaus gewertet werden, dass bis heute Münzen und Scheine im Wert von über zwölf Milliarden D-Mark im Umlauf sind.

Die 7 Bargeld-Hamster auf einen Blick

Allen Digitalisierungs-Trends zum Trotz gilt nach wie vor für viele Bürger: „Nur Bares ist Wahres“. Selbstständige und Freiberufler horten bzw. hamstern in Deutschland am meisten Bargeld . Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung der Deutschen Bundesbank. Demnach bewahrten Personen mit diesem beruflichen Status im Jahr 2018 durchschnittlich 2.129 Euro zu Hause oder in einem (Bank-)Schließfach auf. Erst an zweiter Stelle stehen die Rentner. Diese horten im Schnitt 1.930 Euro Bargeld, wie die nachfolgende Statista-Grafik zeigt. Auszubildende und Beamte bewahren im Vergleich dazu nur wenig Geld zuhause auf.

Fazit: Strukturieren und diversifizieren statt hamstern!

Ein Notvorrat an Bargeld und Bargold beruhigt, keine Frage. Für mich steht allerdings außer Frage, dass das Bargeld-Zeitalter zu Ende geht aus zwei wesentlichen Gründen: Technologische Digitalisierung und staatliche Regulierung des Geldes. Darüber hinaus werden führer oder später gravierende Strukturreformen in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Änderungen in unserem Geldsystem führen.

Je später dies geschieht, desto höher ist die Gefahr, dass diese Strukturreformen mit einer Währungsreform auf dem Rücken der Völker Europas einhergehen werden. In Europa gibt es vieles, das uns trennt. Von unterschiedlichen Sprachen und Mentalitäten der Bürger bis hin zu Steuern, Wirtschafts- und Vermögensverhältnissen.

Gold ist für mich daher kein Krisenmetall für die Zeit in einer Krise, sondern ein Transformationsmedium und Wertspeicher für die Zeit nach einer großen Krise, als Versicherung gegen einen System-Unfall. Dennoch spricht auch nichts dagegen, einen überschaubaren Bestand an Bargeld (Euro und ausgesuchte Fremdwährungen) sowie Bargold (Edelmetalle als Barren bzw. Münzen) im Eigenbesitz bzw. im unmittelbaren Direktzugriff selbst zu verwahren. Als Orientierung im Hinblick auf die Größenordnung: Die Lebenshaltungskosten für 3 bis 6 Monate.

Darüber hinaus rate ich dazu, strategische Investments in Edelmetalle außerhalb der Systeme der Europäischen Union zu verwahren und zu strukturieren. Allen voran im kleinen, feinen und soliden Fürstentum Liechtenstein. Die Strategie eines Eichhörnches (Diversifikation) macht somit für mich mehr Sinn als das Horten (Klumpenrisiken) eines Hamsters.

Markus Miller  | Gründer GEOPOLITICAL.BIZ

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