Deutschland verliert die Deutschen!

(10.07.20) Die Verlagerung von Vermögenswerten in solide ausländische Staaten, Rechtsräume und Rechtsstrukturen ist für mich eine wichtige, langjährig bewährte Basis-Strategie für private Kapitalanleger. Die gezielte Diversifikation der Investments – beispielsweise durch die Nutzung von Auslandskonten und Wertpapierdepots in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein – führt zu einer Reduzierung der Klumpenrisiken und damit zu einem höheren Kapitalschutz. Die Risiken reichen dabei von der Politik über die Rechtsprechung bis hin zur Steuergesetzgebung und den demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Eine Auswanderung bzw. Sitzverlagerung war und ist dabei eine der wirkungsvollsten Kapitalschutz-Strategien.

Wer reich ist, kann sich in der Regel frei aussuchen, wo er leben möchte. Eine Studie der Marktforschungsgruppe New World Wealth verdeutlichte vor einiger Zeit die beliebtesten Länder bei HNWIs, also Personen, die mehr als eine Million US-Dollar besitzen. Das Ergebnis: 2018 zog es die meisten Millionäre nach Australien (rund 12.000) und in die USA (rund 10.000). Rund 4.000 HNWIs wanderten nach Kanada ein und rund 3.000 in die Schweiz. Auf Platz fünf stehen die Vereinigten Arabischen Emirate, gefolgt von der Karibik. In der EU lockten – durchaus auf den ersten Blick sehr überraschend – Portugal, Griechenland und Spanien 2018 die meisten Millionäre an. Jetzt gibt es – ebenso hochinteressante wie bedenkliche – aktuelle Zahlen, mit Blick auf die Aus- und Einwanderungszahlen in Deutschland.

Deutsche Staatsbürger: Der Wanderungssaldo ist seit Jahren negativ

270.294 Deutsche sind 2019 ins Ausland gezogen – das sind rund 58.000 mehr als in der umgekehrten Richtung. Der Wanderungsverlust deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger hat praktisch schon Tradition, wie der Blick auf die nachfolgende Statista-Grafik zeigt. Eine positive Wanderungsbilanz verzeichnete das Statistische Bundesamt zuletzt im Jahr 2004. Beliebteste Ziele deutscher Auswanderer sind die Schweiz (16.000), Österreich (12.000) und die Vereinigten Staaten (10.000). Insgesamt sind vergangenes Jahr rund 1.559.000 Personen aus dem Ausland zugezogen und 1.232.000 ins Ausland weggezogen.

Coronavirus: Das perfekte Alibi für Steuern und Sonderabgaben!

Die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie führen mittlerweile verstärkt zu Diskussionen im Hinblick auf die Finanzierung der Lasten. SPD-Parteichefin Saskia Esken und weitere führende Vertreter von SPD, Linken und Grünen haben bereits Steuererhöhungen für „Reiche“ gefordert. Heute noch abstrakte Begriffe wie Corona-Vermögensteuer, Corona-Sonderabgabe oder Reichen-Soli werden aus meiner Sicht schon sehr bald in entsprechende Maßnahmen übergehen.

Ich bewerte bereits die pauschalen, viel zu undifferenzierten Diskussion als fatal. Es könnte zu weiter steigenden Zahlen von Auswanderungen und Wohn- und Firmensitzverlagerungen der Leistungsstarken unserer Gesellschaft führen. Was wiederum die Stabilität der Systeme Deutschlands und somit Europas gefährdet. So oder so bin ich davon überzeugt, dass die Auswanderungszahlen aus Deutschland bzw. EU-Europa – nicht nur bei Millionären und Multimillionären – auf hohem Niveau bleiben, bzw. weiter ansteigen werden.

Auswandern und Ausflaggen: Schützen Sie Ihre Vermögen und Ihre persönliche Freiheit!

Im Jahr 1964 hat ein gewisser Harry D. Schultz ein Buch geschrieben mit dem Titel „How to Keep Your Money and Your Freedom“. Genau dieselbe Kernaussage verfolgt auch der Untertitel meines Wirtschaftsbriefes „Kapitalschutz vertraulich“: „So schützen Sie wirkungsvoll Ihr Vermögen und Ihre persönliche Freiheit“. Harry D. Schultz hat einst die sogenannte Flaggentheorie begründet auf der auch mehrere Kapitalschutz-Strategien von mir grundlegend basieren.

Der Begriff Auswandern ist jedem bekannt. Aus rechtlicher und steuerlicher Sicht geht es dabei um eine Wohnsitzverlagerung in einen neuen Rechtsraum mit attraktiveren Rahmenbedingungen. Das Wort Ausflaggen ist hingegen bei weitem nicht so geläufig, es sei denn, Sie haben einen maritimen Bezug, beispielsweise als Bootsbesitzer. In der Schifffahrt versteht man unter einer Ausflaggung den Wechsel der Nationalflagge, ohne dass sich die Eigentumsverhältnisse am Schiff verändern.

Die wirkungsvollste Möglichkeit, sich vor negativen Entwicklungen in seinem Land oder seiner Region zu schützen, ist die Verlagerung des Wohnsitzes oder auch des Firmensitzes ins Ausland. Genauso sinnvoll kann es sein, als Vorstufe einer Auswanderung eine gesellschaftsrechtliche Struktur im Ausland zu schaffen, beispielsweise durch eine Firmengründung. Derartige Schritte müssen aber zwingend – rechtlich und steuerlich – professionell begleitet werden. Hierfür habe ich jetzt eine weitere Top-Empfehlung aus meinem Experten-Netzwerk für Sie.

Im obigen Kontext ist es mir vor allem sehr wichtig, dass es einen diametralen Unterschied gibt zwischen einer legalen Steuergestaltung und einer Steuerhinterziehung bzw. einem Steuerbetrug. Teilweise gibt es hier auch hochinteressante Entwicklungen. Was vor einigen Jahren noch legal war, kann relativ schnell durch eine Gesetzesänderung illegal sein.

Von der Steuergestaltung zum Steuerbetrug: Double Irish with a Dutch Sandwich!

Fie internationale Steuerhinterziehung ist nach wie vor ein sehr großes Problem. Zwar ist die hinterzogene Steuersumme in der EU seit 2009 schätzungsweise um 12 bis 16 Prozent gesunken, hoch ist sie aber noch immer: Laut einer Untersuchung der University of London im Auftrag der sozialdemokratischen S&D-Fraktion im EU-Parlament sind den EU-Staaten allein im Jahr 2015 schätzungsweise 824 Milliarden Euro an Steuergeldern entgangen.

Damit liegt die Summe weit höher als die, die der öffentlichen Hand durch die legale Steuervermeidung von Konzernen entgeht (50 bis 190 Milliarden Euro), so Steuerexperte Richard Murphy, der die damalige Studie durchführte. Bei den Daten handelt es sich um eine grobe Schätzung – die Summe könne EU-weit zwischen 750 und 900 Milliarden Euro liegen, so Murphy. 824 Milliarden sei die bestmögliche Schätzung. Der größte Anteil davon wird in Italien hinterzogen, gefolgt von Deutschland und Frankreich.

Körperschaftsteuer: Deutschland verliert rund 26 Prozent durch Gewinnverschiebungen

Deutschland verliert etwa 26 Prozent des erzielbaren Körperschaftsteueraufkommens durch Gewinnverschiebungen multinationaler Unternehmen. Forscher der Universitäten Berkeley und Kopenhagen haben herausgefunden, dass 2017 weltweit etwa 700 Milliarden US-Dollar an multinationalen Gewinnen in Steueroasen verschoben wurden. Die nachfolgende Statista-Grafik zeigt den geschätzten Anteil des gewonnenen oder verlorenen Körperschaftsteueraufkommens ausgewählter europäischer Länder für 2017.

Die großen Volkswirtschaften Europas sind besonders betroffen: Briten und Franzosen müssen ähnlich hohe Verluste wie Deutschland hinnehmen. Des einen Leid, ist des anderen Freud: 80 bis 90 Prozent des Körperschaftsteueraufkommens der Mittelmeer-Inselstaaten Malta und Zypern entsteht durch die Gewinnverschiebungen der Unternehmen.

Malta und Zypern sind die großen Profiteure des „Steuerwettbewerbs“

Der Großteil der in Summe etwa 20 Milliarden US-Dollar aus Deutschland bleibt innerhalb der EU. Rund sechs Milliarden Dollar fließen Richtung Luxemburg, weitere fünf in die Niederlande und auch in Irland erhält knapp drei Milliarden US-Dollar an möglichen Körperschaftsteuereinnahmen.

Verantwortlich für diesen Aderlass sind multinationale Konzerne wie Google und Apple, die sich beispielsweise Jahre lang das sogenannte „Double Irish with a Dutch Sandwich“ zunutze gemacht. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem über mehrere Tochterfirmen in Irland und den Niederlanden Profite am Fiskus vorbei geschleust werden. Die Regierung Irlands unterbindet diese Methode seit 2020.

Der Blick auf Südeuropa: Armut und verlorene Jugend werden zu massiven Migrationsbewegungen führen

Innerhalb Europas wird es in Zukunft zahlreiche „Wanderbewegungen“ geben. Auf Basis von Eurostat-Zahlen, die im Jahr 2017 veröffentlicht wurden, sind fast 120 Millionen Menschen in Europa von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Zwar weist die Behörde zurecht darauf hin, dass der Anteil der Betroffenen an der Gesamtbevölkerung sinkt, aber absolut gesehen ist die Zahl der Menschen in prekären Verhältnisse gewachsen. So hat etwa Südeuropa ein beträchtliches Armutsproblem.

In Italien, Spanien und Griechenland waren 2016 rund 5,2 Millionen Menschen mehr von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht als im Jahr 2008. Anders sieht das in vielen osteuropäischen Staaten aus. Hier hat sich die Situation im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert, wie das Beispiel Polen zeigt. Aber auch in Deutschland ist die Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen in diesem Zeitraum um 310.000 zurückgegangen.

Fazit 1: Die Corona-Folgen werden Südeuropa noch ärmer machen

Die gravierenden Folgen der Coronavirus-Krise sind derzeit noch nicht seriös zu prognostizieren. Was heute allerdings schon vorausgesagt werden kann ist, dass sich die Armutsprobleme, in den von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Südstaaten Europas – wie Italien und Spanien – weiter verschärfen.

Die Jugendarbeitslosenquoten in Südeuropa sind mehr als besorgniserregend

Die Corona-Krise führt zu einer weltweiten Rezession und könnte auch die Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union wieder verstärken. Vor allem in den südlichen Mittelmeerländern war die Jugendarbeitslosenquote bereits vor der Krise hoch. In Spanien lag die Arbeitslosenquote bei 15- bis 24-Jährigen laut Eurostat im März 2020 bei 33,1 Prozent, in Griechenland bei 32,4 Prozent und in Italien bei 28 Prozent.

Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt die niedrigste Jugendarbeitslosenquote unter den EU-Ländern (5,6 Prozent), wie die nachfolgende Statista-Grafik zeigt. Doch auch hier könnten sich die Bedingungen verschlechtern, vor allem für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in diesem Jahr ihren Schul- oder Studienabschluss machen. Durch die Corona-Krise herrscht in vielen Firmen Einstellungsstopp.

Fazit 2: Südeuropas Jugend wird verstärkt auswandern müssen

Die Jugendarbeitslosigkeit bzw. die damit verbundene Perspektivlosigkeit der jungen Generationen sind volkswirtschaftliche, wie auch gesellschaftliche Geißeln. Diese dramatischen Rahmenbedingungen und Entwicklungen werden dazu führen, dass junge Menschen aus Südeuropa gezwungenermaßen auswandern müssen, um ihr Glück im Ausland zu suchen.  

Fazit 3: Auch Sie als Bürger und Kapitalanleger sollten zumindest für Teile Ihres Kapitals Ihr Glück im Ausland, fern der EU suchen!

Markus Miller  | Gründer GEOPOLITICAL.BIZ

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