Wirecard: Digitales Drama aus Deutschland!

Die Wirecard AG ist bzw. war einer der ganz wenigen globalen Digital-Player aus Deutschland mit rund 6.000 Mitarbeitern an 26 Standorten weltweit und rund 313.000 Kunden. Am Donnerstag letzter Woche sollte – endlich – der mehrfach verschobene, Jahresbericht der Wirecard AG für das Jahr 2019 veröffentlicht werden. Für den Nachmittag war eine Bilanzpressekonferenz angesetzt. Daraus wurde nichts, weil laut den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young (EY) ausreichende Prüfungsnachweise für rund ein Viertel der Konzernbilanzsumme in Höhe von 1,9 Milliarden Euro fehlten, die sich auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken befinden sollten. Unglaublich!

Ich empfehle meinen Lesern beispielsweise Bankkonten bzw. Gelder auf Bankkonten zu streuen und sich nicht auf die Systeme zu verlassen durch eine Verteilung von Kontoguthaben und Wertpapieren auf solide Banken aus der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, Norwegen oder auch Kanada! Deswegen ist unfassbar, dass ein DAX-Konzern – angeblich – 2 Milliarden bei zwei Banken auf den Philippinen parkt, ohne dass hier Kontrollorgane bzw. Kontrollmechanismen funktionieren.

Der Aktienkurs stürzte nach dieser Horrormeldung im Laufe des Donnerstags in der letzten Woche bereits ins bodenlose. Am vergangenen Freitag ist Dr. Markus Braun als Vorstandsvorsitzender der Wirecard AG zurückgetreten. In der Nacht zum Montag wurde eingeräumt, dass die 1,9 Milliarden Euro, die das Unternehmen auf Treuhänderkonten verbucht hatte, sehr wahrscheinlich überhaupt nicht existieren. Am Montagabend hat sich der gebürtige Österreicher Dr. Markus Braun dann den Behörden in München gestellt und wurde festgenommen. Am vergangenen Dienstag hat die zuständige Ermittlungsrichterin den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Vom Aufsteiger des Jahres zum Pennystock

Die Auflagen beinhinhalten laut Staatsanwaltschaft die Zahlung einer Kaution in Höhe von 5 Mio. Euro, außerdem muss sich Markus Braun wöchentlich bei der Polizei melden. Ob Markus Braun der Kopf der Betrüger ist, oder selbst – aufgrund massiver Defizite in seiner Unternehmensführung – zum Opfer wurde, werden die Ermittlungen zeigen müssen. Einige Medien, die jetzt auf einmal schon lange Indizien sahen, sollten auch ihre Berichte aus der jüngsten Vergangenheit nicht vergessen: Das „Handelsblatt“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ kürten Braun 2018 beispielsweise noch zum „Aufsteiger des Jahres“.

Am gestrigen Donnerstag hat Wirecard Insolvenz angemeldet. Der Aktienkurs ist mittlerweile auf dem Weg zum Pennystock. Der Fall Wirecard erschüttert nicht nur den Finanzplatz Deutschland, sondern auch ich bin entsetzt, weil ich das digitale Geschäftskonzept des Unternehmens, seine Produkte und den Markt des global-digitalen, bargeldlosen Zahlungsverkehrs als gigantisch groß bewerte. Wirecard bietet bzw. bot zweifelsohne Payment-Lösungen an, die weltweit geschätzt und genutzt werden bzw. wurden. Ich weiß das auch, weil ich mehrere Wirecard-Kunden persönlich kenne, die mir stets mehr als positiv über die Dienstleistungen und Produkte der Wirecard AG berichtet haben. Ich habe es bislang stets begrüßt und bei negativen Stimmen betont, dass wir stolz sein sollten, auf einen digitalen „Global Player“, Made in Germany. Dieser Stolz ist spätestens seit letzter Woche nun ins diametrale Gegenteil umgeschlagen.

Ernst & Young (EY): Was ist mit den erteilten Testaten für Wirecard aus der Vergangenheit?

An meiner Einschätzung für den Zukunftsmarkt des digitalen Zahlungsverkehrs hat sich selbstverständlich nichts verändert, andere – solide wirtschaftende FinTechs und BigTechs – werden in diesen Markt weiter vordringen. Das Unternehmen der Wirecard AG hat sich hingegen zu einem digitalen Drama aus Deutschland entwickelt. Dass die verantwortlichen Manager und Aufsichtsräte der Wirecard AG es zugelassen haben, dass die gigantische Summe von 1,9 Milliarden Euro bei zwei philippinischen Banken platziert wird, ist aus dem Gesichtspunkt des Risikomanagements – wie bereits angesprochen – schlicht eine Farce.

Dass aber jetzt auf einmal die Gelder gar nicht vorhanden sind, ist unfassbar im Hinblick auf das gesamte System der Kontrollfunktionen des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young (EY), ebenso wie im Hinblick auf die Rolle der BaFin als Aufsichtsbehörde. Die rund 2 Milliarden Euro sind ja nicht jetzt auf einmal verschwunden, sondern die Treuhandkonten – auf Basis von mutmaßlich gefälschten Dokumenten – wurden in der Vergangenheit bzw. im Zuge der letzten Jahresabschlüsse vor dem Jahr 2019 von EY offensichtlich testiert! Ebenso liegt es natürlich auch in der Verantwortung eines Wirtschaftsprüfers, dass die Echtheit von Dokumenten sorgfältig geprüft wird.

Der Fall Wirecard verdeutlicht ein kollektives Versagen!

Was am vergangenen Donnerstag publik wurde ist ein Finanzskandal sondergleichen, ich selbst war geschockt, als ich die ersten Nachrichten und die weiteren Entwicklungen gelesen habe. Für Wirecard-Aktionäre kommt der Schaden einem faktischen bzw. zumindest emotionalen Totalverlust gleich. Diese Entwicklung bedauere ich außerordentlich. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass Gelder in Höhe der gigantischen Summe von 1,9 Milliarden Euro auf Treuhand-Konten bei Banken schlicht nicht existieren, obwohl die Bilanzen seit Jahren von der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) testiert wurden. Ebenso handelt es sich bei der Wirecard AG nicht um einen Nebenwert in einem fragwürdigen Börsensegment, sondern um eine DAX-Aktie, also ein Unternehmen das bislang zu den 30 wichtigsten, börsennotierten Konzernen in Deutschland zählte.

Mit der Wirecard Bank verfügt das Unternehmen darüber hinaus über eine Banklizenz, so dass auch eine Regulierung und Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin erfolgen sollte. Felix Hufeld – der Chef der BaFin – sagte aktuell, dass er entsetzt sei, dass so etwas in einem Land wie Deutschland passieren konnte. Es wäre ein komplettes Desaster. Genauso ist es, in erster Linie für betroffene Anleger und die Aktionärskultur in Deutschland, aber auch für Mitarbeiter, Kunden und Deutschland als Technologie- und Finanzstandort.

Nicht nur die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht muss sich den massiven Versäumnissen stellen, sondern auch die Rating-Agenturen und vor allem die große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. Diese hat die Bilanzen der Wirecard AG jahrelang geprüft und uneingeschränkt testiert. Auch darauf habe ich mich in meiner positiven Einschätzung für die Wirecard AG verlassen. Das war ein Irrtum. Auf die Wirecard-Prüfer von EY wird ebenfalls eine Prozesswelle geschädigter Investoren zurollen.

Selbstkritik und Eigenverantwortung statt Hohn und Spott

Derzeit finde ich es sehr interessant zu lesen, wie viele Kommentatoren, Experten, Analysten und Medien schon immer – bzw. schon lange – wussten, dass Wirecard ein gigantischer Betrug ist, weil das alles vollkommen klar und offensichtlich war. Diese Personenkreise müssen jetzt ja alle Millionäre sein, weil mit diesem Wissen war es ganz einfach vorher Short zu gehen und auf die massiv fallenden Kurse der Wirecard AG zu setzen, oder? Interessanterweise ist das aber überwiegend nicht der Fall! Deswegen ist auch hier Realitätssinn angebracht und gleichzeitig sind die Segemente Selbstkritik bzw. Selbstverantwortung nicht zu vergessen.

Der bekannte Investor Frank Thelen hat beispielsweise wenige Tage vor dem Wirecard-Zusammenbruch in einem TV-Interview den deutschen Digitalkonzern gelobt für seine Produkte und selbst eine große Position Wirecard Aktien gekauft und das Unternehmen somit „empfohlen“. Ist es nun angebracht in Hohn und Spott zu verfallen? Nein, er wird seine Verluste verkraften können und weiter neue Chancen nutzen, genauso wie es jeder Anleger tun kann, der ein ausgewogenes Chancen- und Risikomanagement verfolgt. Auch Totalverluste bzw. ein Scheitern bei einzelnen Anlageentscheidungen gehören an der Börse dazu, das ist keine neue Erkenntnis und schon gar keine Schande!

Fazit: Im Fall der Wirecard AG haben viele (zu viele) auf die Wirtschaftsprüfer, Regulierer, Ratingagenturen, professionelle Anleger wie institutionelle Investoren, Bankanalysten und auf Teile der Medien geschaut. Dazu zähle auch ich und alle sind im Kollektiv drauf reingefallen! Der Fall Wirecard kennt bis auf einige Journalisten wie beispielsweise Dan Mc Crum von der Financial Times – dessen Leistung, Mut und Durchhaltevermögen jetzt nicht hoch genug bewertet werden kann – und den Shortsellern ausschließlich Verlierer. Vom einzelnen Anleger bis hin zum Standort Deutschland. Ebenso dürften jetzt einige Rechtsanwaltskanzleien zu weiteren Gewinnern zählen. Die Digitalisierung wird darüber hinaus weitergehen. Zahlreiche Digital-Unternehmen werden sich den Kuchen, bzw. den Scherbenhaufen den Wirecard hinterlässt nun aufteilen. Ein Unternehmen aus Deutschland mit Dienstleistungen „Made in Germany“ wird dabei nicht mehr dabei sein. Ein Digital-Baustein des DAX ist aktuell mit gestorben. Bei einer breiten Streuung des Wertpapierdepots muss allerdings auch ein faktischer bzw. emotionaler Totalverlust verschmerzbar sein, im Hinblick auf ein ausgewogenes Anlage- und Risikomanagement, frei nach Paracelsus: Ob Medikament oder Gift, den Unterschied macht rein die Dosis, oder in meiner schwäbischen Heimatsprache ausgedrückt: Wer streut, rutscht nicht aus!

Anlegerschutz: So schützen Sie jetzt Ihre Rechte als geschädigter Wirecard-Aktionär

Im Bereich des Bank- und Kapitalmarktrechts habe ich mit der Anwaltssozietät TILP Rechtsanwälte eine Kanzlei, die ich meinen Lesern seit Jahren empfehle. Die TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP) ist eine der führenden und erfahrensten deutschen Kanzleien im Bank-, Kapitalanlage- und Kapitalmarktrecht. TILP hat inzwischen über 200 Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) sowie des Bundesverfassungsgerichts von grundsätzlicher Bedeutung für Anlegerrechte in Deutschland herbeigeführt. Mit Bezug auf den Wirecard-Fall haben die Rechtsanwälte von TILP ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren beantragt.

Sie haben jetzt die Möglichkeit als betroffener Wirecard-Aktionär – kostenfrei –von TILP Rechtsanwälte überprüfen zu lassen, ob Sie einen Anspruch auf Schadensersatz haben. Sie erhalten dabei eine individuelle Beurteilung. Dazu müssen Sie die Wertpapierabrechnungen zu Ihren Transaktionen in Wirecard-Aktien (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) oder Derivaten (z.B. Optionsscheine, Zertifikate, Anleihen auf/von Wirecard) an die Kanzlei übermitteln, und zwar für Transaktionen ab dem 10 Juli 2012 bis einschließlich 18. Juni 2020, falls Sie bis zu diesem Datum noch Käufe getätigt haben.

TILP Rechtsanwälte weitet das Musterverfahren auf zusätzliche Haftungsgegner aus

Wichtig ist dabei: Ein rechtlicher Anspruch auf Ersatz des Kursdifferenzschadens besteht unabhängig davon fort, ob man die Aktien weiterhin hält oder verkauft. Ihre Ansprüche auf Ersatz des Kursdifferenzschadens verlieren Sie daher nicht, falls Sie die Aktien von Wirecard verkaufen, oder bereits verkauft haben. Nach der Sichtung Ihrer eingereichten Unterlagen werden die spezialisierten Rechtsanwälte auf der Grundlage Ihrer übermittelten Daten bzw. Dokumente eine konkrete Handlungsempfehlung für Sie aussprechen sowie Ihnen auch weitere in Betracht kommende Handlungsalternativen aufzeigen.

TILP Rechtsanwälte weitet aktuell das Musterverfahren auf weitere Haftungsgegner aus, allen voran – berechtigterweise – auf die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY). Der Registrierungsservice von TILP Rechtsanwälte ist für Sie kostenfrei und ich empfehle Ihnen, diesen in Anspruch zu nehmen, um über die weiteren juristischen Entwicklungen Möglichkeiten informiert zu bleiben und im Bedarfsfall Ihre Rechte als geschädigter Wirecard-Aktionär durchzusetzen. Für die beschriebene, kostenlose Prüfung müssen Sie sich zunächst lediglich auf der Internetseite www.wirecard-klage.de registrieren. Halten Sie sich stets den altbwährten Juristen-Satz vor Augen: Ihrem Recht will nachgeholfen sein!

Setzen Sie auf Finanzielle Selbstverteidigung

Den Begriff der Resilienz lesen und hören Sie in den letzten Jahren immer häufiger. Darunter versteht man ganz grundlegend eine psychische Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit Krisen zu bewältigen und diese durch einen Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Diese Vorgehensweise lässt sich auch auf alle anderen Bereiche unseres täglichen Lebens übertragen, allen voran auf wirtschaftliche und finanzielle Ereignisse, ebenso wie auf die in Meilenstiefeln immer weiter fortschreitende Digitalisierung, die auch gleichbedeutend ist mit einer Abschaffung gewohnter Dinge, wie beispielsweise unserem Bargeld oder dem Bankensystem wie wir es derzeit noch kennen: Finanzielle Selbstverteidigung!

PS: Fundierte Praxisempfehlungen liefert Ihnen mein Wirtschaftsdienst KAPITALSCHUTZ VERTRAULICH

PPS: Analysen und Beiträge im Hinblick auf den Megatrend der Digitalisierung finden Sie auf unserem Themen-Portal KRYPTO-X.BIZ

PPPS: Die Digitalisierung im Vermögensmanagement finden Sie auf unserem Portal ROBO-X.BIZ

(c) Markus MillerGEOPOLITICAL.BIZ

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