EU und Euro: 5 Systemdefekte!

(20.02.20) Die Europäische Union bzw. die „Vereinigten Staaten von Europa“ sind in wichtigen Bereichen so diametral unterschiedlich in ihren Strukturen, dass eher von einem Europa der Gegensätze zu sprechen ist, obwohl mit dem Euro eine Einheitswährung besteht. Und genau hier liegt der grundlegende Geburtsfehler und Systemdefekt der EU und des Euro. Nachfolgend fünf Beispiele für die strukturellen bzw. systemischen Defekte von Euro und EU:

1. Massive Diskrepanzen in der Lebensarbeitszeit der Europäer

Wer 2018 in Deutschland ins arbeitsfähige Alter von 15 Jahren kam, muss ab diesem Zeitpunkt im Schnitt noch 38,7 Jahre arbeiten, bevor er oder sie in Rente gehen kann. Damit ist Deutschland im europäischen Vergleich nicht Spitzenreiter, liegt aber über dem Schnitt der 28 EU-Mitgliedstaaten von 36,2 Jahren Lebensarbeitszeit – 3,3 Jahre länger als noch im Jahr 2002.

Am längsten müssen die Isländerinnen und Isländer arbeiten: 46,3 Jahre Arbeitsleben hat ein heute 15-Jähriger oder eine 15-Jährige dort vor sich, bevor er oder sie die Rente genießen kann. Das kürzeste Arbeitsleben haben Italienerinnen und Italiener mit im Schnitt 31,6 Jahren.

2. Mindestlohn: Luxemburg 12,38 Euro – Bulgarien 1,87 Euro

In 22 von 28 (nach Austritt Großbritanniens aus der EU 27) EU-Staaten gibt es derzeit einen Mindestlohn. Hinzu kommen sieben Anrainerstaaten der Union. In Deutschland liegt der Mindeststundenlohn seit Anfang diesen Jahres bei 9,35 Euro. Laut WSI-Mindestlohnbericht der Hans-Böckler-Stiftung könnte 2020 das Jahr des Mindestlohns werden:

Die Europäische Kommission hat erstmals die Initiative ergriffen für eine europäische Mindestlohnpolitik. Auch hierzulande laufen schon Diskussionen, den Mindestlohn auf 12 Euro anzuheben. Wie die nachfolgende Grafik von Statista zeigt, liegt Deutschland bei der Höhe aktuell auf Rang sieben. Am höchsten ist die Summe in Luxemburg mit 12,38 Euro, gefolgt von Frankreich mit 10,15 Euro. Am geringsten ist der Mindestlohn in Bulgarien mit nur 1,87 Euro pro Stunde.

3. Migration: Irrationale Verteilung von Flüchtlingen

EU-weit leben in Schweden pro 1.000 Einwohner gerechnet die meisten Flüchtlinge und Asylbewerber (28,1). Das zeigen die letzten Daten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Es folgen die Länder Zypern, Malta, Österreich, Deutschland und Griechenland mit Werten zwischen 10 bis 24,9. In allen anderen Ländern liegt die Zahl unter 10.

Die Zahl der in Deutschland neu registrierten Flüchtlinge nimmt seit dem hohen Flüchtlingsaufkommen im Jahr 2015 wieder ab und lag zuletzt unter dem Niveau von 2014. Die Zahl der weltweiten Flüchtlinge, Binnenflüchtlinge und Asylbewerber hat im Jahr 2018 jedoch mit über 70 Millionen ein neues Allzeithoch erreicht.

4. Armes Griechenland? Der Top-Leistungsempfänger ist Luxemburg!

Die Diskussion um die gerechte Verteilung der Beiträge der Mitgliedsstaaten an die Europäischen Union (EU) war einer der Hauptgründe dafür, dass Großbritannien den Brexit wählte. Doch welche Länder zahlen tatsächlich am meisten in den EU-Haushalt ein und welche profitieren vor allem davon?

In absoluten Zahlen ist bzw. war Großbritannien der zweitgrößte EU-Geldgeber hinter Deutschland, wie Daten der Europäischen Kommission 2018 zeigen. Betrachtet man jedoch die Beiträge pro Kopf, dann ergibt sich eine andere Reihenfolge: Wie die Statista-Grafik zeigt, liegen hier die Niederlande vorne, mit Beiträgen von durchschnittlich 284 Euro pro Kopf in 2018. Deutschland steht auf dem dritten und Österreich auf dem fünften Platz. Großbritannien taucht in den Top-5 gar nicht auf.

Und wer sind nun die größten Profiteure? Am meisten Geld pro Kopf aus dem EU-Haushalt floss 2018 nicht etwa in das arme Griechenland, sondern in das reiche Luxemburg. Kein Wunder, denn dort befinden sich die Institutionen der EU – das Geld kam vor allem der Verwaltung zu Gute, wie Visual Capitalist berichtete. Ebenfalls in den Top-5 der Leistungsempfänger stehen die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Ungarn.

5. Euro-Profiteur Deutschland – Euro-Verlierer Italien

Viel wurde er diskutiert, oft wurde er kritisiert: Der Euro ist am 1. Januar diesen Jahres 21 Jahre alt geworden. Welche Länder von der Euro-Einführung profitiert haben, zeigt die Studie des Centrums für Europäische Politik. Demnach ist Deutschland der große Gewinner des Euros.

Im Zeitraum von 1999 bis 2017 konnte die Bundesrepublik dank der Euro-Einführung rund 1,9 Billionen Euro mehr erwirtschaften, als es unter der D-Mark gewesen wäre. Dies entspricht auf den Gesamtzeitraum gerechnet rund 23.000 Euro je Einwohner, wie die nachfolgende Statista-Infografik zeigt. Auch die Niederlande konnten vom Euro profitieren (21.000 Euro je Einwohner).

Andere EU-Länder mussten durch den Euro hingegen Wohlstandseinbußen hinnehmen: Vor allem Italien ist ein Verlierer des Euros, mit Einbußen von rund 74.000 Euro je Einwohner, so das Ergebnis der Studie.

Fazit: Paradox oder wie sich der Kreislauf der EU-Konstruktion und EU-Systemdefekte wieder schließt:

Über den ESM, die Target-2 Modelle und die EU-Bankenunion haften deutsche Steuerzahler und Bürger letztendlich für die Fehlentwicklungen und Schulden Italiens!

Markus Miller  | Gründer GEOPOLITICAL.BIZ

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