Markus Miller: Selbstverantwortung statt Staat!

(26.01.20) Zum Buch „Finanzielle Selbstverteidigung“ wurde aktuell – u.a. im INSIDER MAGAZIN für Finanzdienstleister – das nachfolgende  Interview mit Markus Miller veröffentlicht – Nach Ihrem Buch „Die Welt vor dem Geldinfarkt“ folgt nun Ihre Veröffentlichung „Finanzielle Selbstverteidigung“: Ratgeber im Bereich Vermögensaufbau / Altersvorsorge gibt es bereits einige im Markt: Was zeichnet Ihr Buch aus/was sind die Alleinstellungsmerkmale? Welche mehrwertbehafteten Informationen erhält der Leser durch Ihr Buch?

 

Markus Miller: Das absolute Alleinstellungsmerkmal von „Finanzieller Selbstverteidigung“ ist der hohe Praxisbezug auf Basis bewährter Experten-Strategien. Neben den ökonomischen Fragen unserer Zeit, mit denen ich mich seit vielen Jahrzehnten befasse, habe ich mich in den letzten Jahren zunehmend mit dem Begriff der Resilienz auseinandergesetzt, den auch Sie vermutlich in den letzten Jahren immer häufiger lesen. Darunter versteht man ganz grundlegend eine psychische Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit Krisen zu bewältigen und diese durch einen Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Diese Vorgehensweise lässt sich auch auf alle anderen Bereiche unseres täglichen Lebens übertragen, auf wirtschaftliche und finanzielle Ereignisse, ebenso wie auf die immer weiter fortschreitende Digitalisierung, die auch gleichbedeutend ist mit einer Abschaffung gewohnter Dinge. Beispielsweise das Bargeld, oder das Bankensystem wie wir es derzeit noch kennen. Eine eigenverantwortliche und selbstbestimmte finanzielle Selbstverteidigung wird für jeden Bürger immer wichtiger, weil sich die Welt, wie wir sie kennen, massiv verändert und verlässliche staatliche Systeme aus der Vergangenheit schlicht erodieren in ihren Leistungen und Schutzfunktionen. Deswegen gilt im Hinblick auf die Finanzielle Selbstverteidigung eines jeden Menschen: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott oder besser gesagt Selbstbestimmung und Eigenverantwortung statt Staat! Genau dafür bietet mein neues Buch 90 Praxisstrategien in den unterschiedlichsten Bereichen. Von Aktien über Immobilien und Edelmetallen bis hin zu Kryptowährungen.

Unser Geld wir immer weniger Wert/verliert an Kaufkraft: Dennoch liegt das meiste Geld der Deutschen immer noch – schlicht gesagt – auf den Sparbüchern. Warum „verteidigen“ etliche Deutsche „ihre Finanzen“ an dieser Stelle schlecht, indem Sie keine Anlagealternativen aufsuchen und stattdessen den Kaufkraftverlust des Ersparten in Kauf nehmen?

Markus Miller: Ja so ist es! Leider sind bei Deutschlands Bürgern mehrheitlich immer noch zwei Entwicklungen oder besser gesagt Einstellungen zu finden. Viele Anleger setzen nach wie vor auf das renditelose Risiko (Kaufkraftverlust, Bankenschieflage) eines Sparbuches bei einer Bank und verweigern sich neuen, mehrwertigen Technologien wie dem Mobile Payment als elektronischem Bargeld aber auch gezielten Investments in die Realwirtschaft über Aktien. 55,2 Prozent der Bundesbürger setzten nach wie vor auf das scheinbar gute alte Sparbuch.  Die Deutschen sind beim Thema Geldanlage somit zu vorsichtig und konservativ, oder besser gesagt – nach meiner Auffassung – zu unbedarft oder ungebildet, im Hinblick auf die massiven Risiken eines scheinbar so sicheren Sparbuches. Ebenso ist die „German Angst“ vor Aktien unbegründet. Aktien bieten einen eingebauten Inflationsschutz, attraktive Dividendenausschüttungen und/oder Chancen auf Wertsteigerungen. Im Hinblick auf die langfristige Vermögensanlage – allen voran die Altersvorsorge – belegen empirische Untersuchungen, dass der Vermögenszuwachs über Aktien-Investments jede klassische Rentenversicherung oder Anlage in Staatsanleihen und Zinsprodukten bei Banken deutlich schlagen.

Deutsche Anleger zählen nicht als aktienaffin – im Gegenteil: Was muss passieren, damit dieser Personenkreis umdenkt? So bleibt vermeintlich doch nur die Variante, bei der Geldanlage auf ein höheres Risiko zu setzen, um von den Vorteilen der Kapitalmärkte zu profitieren? Welche grundsätzliche Anlagetaktik empfehlen Sie an dieser Stelle dem durchschnittlichen Sparer?

Markus Miller: Die wichtigsten Grundlagen, die geschaffen werden müssen, sind eine breite Aufklärung und Finanzbildung der Bevölkerung. Die Banken und die gesamte Finanzdienstleistungsindustrie befinden sich derzeit im größten Veränderungsprozess ihrer Geschichte. Die digitale Transformation im Finanzbereich bedeutet dabei für etablierte Banken ebenso wie für neue Finanzdienstleistungsunternehmen in diesem Segment in erster Linie: Kunden müssen praktikable Lösungen mit klarem Mehrwert angeboten werden, die zu ihrem Leben passen. Für Sie als Verbraucher ist es wichtig, sich dieser neuen Digitalwelt zu öffnen, frühzeitig Erfahrungen zu sammeln und Möglichkeiten zu Ihrem Vorteil zu nutzen. Dafür animiere ich meine Leser mit praktikablen, geldwerten Lösungen und Empfehlungen. Beispielsweise durch ausgesuchte Empfehlungen über Aktien-ETFs aus den Zukunftsbereichen Digitalisierung, Alternde Bevölkerung, Cybersecurity, Biotechnologie oder Automatisierung und Robotik. Ich empfehle Sparern – im Hinblick auf die praktische Umsetzung – auf kostengünstige und effiziente ETF-Investitionspläne zu setzen. Derartige Strategien versprechen gute Renditen und ermöglichen Anlegern ein systematisches und diszipliniertes Investieren durch die weitestgehende Befreiung von der Frage um den optimalen Kauf- oder Verkaufszeitpunkt.

Andreas Utermann von Allianz Global Investors glaubt daran, dass die Niedrigzinsphase noch 30 Jahre andauern könnte. Sehen Sie dies auch so? Wird sich die aktuelle Zinsentwicklung der klassischen Geldanlagen die nächste Zeit erstmal nicht verändern? Welche substantiellen Fakten unterstreichen Ihre Einschätzung?

Markus Miller: Als Grund für die nachhaltig niedrigen Zinsen sieht Andreas Utermann die Rohstoffe, bei denen es seit der letzten Finanzkrise im Jahr 2008 keine Phase mit längerfristig hohen Preisen mehr gab. Dadurch hätten sich die „Auf und Abs“ der Wirtschaft abgeschwächt, Inflation und Zinsen bleiben niedrig. Zudem hätten es die Notenbanken geschafft, die Inflation zu kontrollieren, weil sie unabhängiger von der Politik sind als früher. Utermann nennt – das demographisch überalterte und finanziell hochverschuldete – Japan als Vorbild. Für mich ist es wirklich erschreckend lesen zu müssen, dass der Chef eines so wichtigen deutschen Vermögensverwalters ein Land lobt, in dem mehr Windeln für Erwachsene verkauft werden als für Babys, und das mit einer Staatsverschuldung von 260% des Bruttoinlandsprodukts am ökonomischen Abgrund steht! Mein Fazit ist: Die hochverschuldeten Staaten sind auf steigende Zinsen nicht mehr eingestellt, ohne dass ein Systemkollaps droht. Wir werden Nullzinsen oder Negativzinsen bis zum totalen Kaufkraftverlust oder der nächsten Währungsreform sehen!

Deutsche schätzen prinzipiell die Immobilie bzw. das Betongold: Auf der anderen Seite steigen die Immobilienpreise ebenso wie die durchschnittlichen Darlehenshöhen. Zudem bleibt das Immobilienangebot knapp: Inwieweit sehen Sie an dieser Stelle die Gefahrenquelle einer Immobilienblase?

Markus Miller: Der UBS Global Real Estate Bubble Index 2019 des Chief Investment Office von UBS Global Wealth Management deutet auf das Risiko einer Blasenbildung oder eine erhebliche Überbewertung auf den Immobilienmärkten vieler Metropolen hin. Das größte Blasenrisiko verzeichnet München, gefolgt von Toronto, Hongkong und Amsterdam. Auch Frankfurt, Vancouver und Paris befinden sich in der Blasenzone. Große Ungleichgewichte bestehen in Zürich, London, San Francisco, Tokio sowie Stockholm. Die Immobilienmärkte in Los Angeles, Sydney, Genf und New York sind hoch bewertet. Dagegen sind Immobilien in Singapur, Boston und Mailand fair bewertet, in Chicago sogar unterbewertet. Die zunehmende ökonomische Unsicherheit wiegt den positiven Effekt fallender Zinssätze auf die Nachfrage nach Immobilien mittlerweile mehr als auf. Der weltweite Rückgang der Zinsen wird den Immobilienmärkten keinen neuen Impuls geben. Denn in vielen Städten sind Hypothekarzinsen nicht der Flaschenhals bei Eigenheimkäufen. Vielmehr fehlen den meisten Haushalten schlicht die nötigen Eigenmittel, um die Finanzierungskriterien der Banken zu erfüllen. Staatliche Eingriffe können darüber hinaus massive Korrekturen auslösen. Immobilien sind für mich ein Basisbaustein für einen Anleger, aber mit Sicherheit kein Allheilmittel in der Negativzinsphase als eine Art „Sparbuch-Alternative“.  

 

Markus Miller  | Gründer GEOPOLITICAL.BIZ

Schreibe einen Kommentar