Die Realität versinkt in Schulden!

(11.12.19) Die Staatsverschuldung hat in den meisten Ländern mittlerweile eine Größenordnung erreicht, die auf konventionellen Wegen der Ökonomie nicht mehr gelöst werden kann: Die Steuereinnahmen auf Einkommen von Privatpersonen und Unternehmen werden niemals dafür ausreichen, die Staatsschulden wieder auf ein erträgliches Maß zu führen. Im Gegenteil steigen die Staatsschulden weiter dynamisch an. Aber auch die Unternehmensschulden und die Schulden der Privaten Haushalte.

Breits jetzt beläuft sich die Staatsverschuldung der USA auf mehr als 20 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Die Verbindlichkeiten der Bundesrepublik haben derzeit ein Gesamtvolumen von umgerechnet rund 2,1 Billionen US-Dollar. Während die deutschen Schulden auf den ersten und naiven Blick eher rückläufig sind, verschuldet sich Donald Trumps Amerika immer mehr.

Laut einer aktuellen Schätzung des Internationalen Währungsfonds wird sich die US-Schuldenlast im laufenden Jahr um 1,3 Billionen US-Dollar erhöhen. Bis 2024 wird Washington demnach mit fast 30 Billionen US-Dollar in der Kreide stehen. Mein favorisiertes Land, das ich Ihnen als Investitions- und Vermögensverwaltungsstandort ans Herz lege, ist hingegen faktisch frei von Staatsschulden und somit eine Schuldenfreiheitsoase!

Schwellen- und Entwicklungsländer: Die Staatsverschuldung ist explodiert

Die Staatsverschuldung der Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer ist in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls deutlich angestiegen. Wie die nachfolgende Statista-Grafik auf Basis von Daten des Internationalen Währungsfonds zeigt, verharrt der Schuldenberg der Industrieländer in Relation zum BIP seit 2011 über der 100-Prozent-Marke. Im vergangenen Jahr lag er bei 102 Prozent – das sind 31 Prozent mehr als im Jahr 2008.

Die Schwellen- und Entwicklungsländer kommen auf rund 51 Prozent. Das sind knapp 50 Prozent mehr als noch im Jahr 2008. Ein solider Staatshaushalt ist in wirtschaftlich schwachen Zeiten umso wichtiger, denn hohe Schulden schränken den Handlungsspielraum von Regierungen ein. Daher richten viele Finanzexperten den Blick derzeit auf die Staatsschulden der Länder. Zu den größten Schuldnern weltweit gehören Japan, die USA und Italien. Unter den G7-Ländern hat nur Deutschland in den vergangenen zehn Jahren Schulden abgebaut.

Hinweis zu Deutschland: Schulden reduziert – Haftungsrisiken erhöht!

Deutschland hat zwar Schulden abgebaut, dafür aber die Haftungs- und Umverteilungsrisiken für andere, schwache EU-Länder massiv ausgeweitet! Nach dem Blick auf die Staatschulden nun nachfolgend der Focus auf die Unternehmen und Privaten Haushalte.

Steigendes Insolvenzrisiko: 310.258 deutsche Unternehmen sind finanzschwach!

Über 310.000 Unternehmen in Deutschland werden mit finanziellen Problemen in das Jahr 2020 starten. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Informationsdienstleisters Crifbürgel zum Insolvenzrisiko von Firmen in Deutschland. Die Anzahl der finanzschwachen Unternehmen steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent. Demnach haben derzeit 310.258 Unternehmen bzw. 8,7 Prozent der Firmen in Deutschland ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

Die Grundverfassung der guten deutschen Wirtschaft beginnt zu bröckeln

Die Grundverfassung der Wirtschaft in Deutschland ist weiterhin gut. Angetrieben durch die Binnenkonjunktur und den privaten Konsum haben sich die Unternehmen in den letzten Jahren einen Puffer gegen Krisen aufgebaut. Diese Widerstandsfähigkeit beginnt jedoch zu bröckeln. Die Unternehmen stehen weiter unter dem Einfluss von Unsicherheiten und Risiken durch außenwirtschaftliche Faktoren, wie die offenen politischen Entscheidungen in den USA und in Großbritannien.

Hinzu kommt die steigende Anzahl an Großinsolvenzen im Jahr 2019. In vielen Fällen sorgen so Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz ziehen. In knapp jedem fünften Betrieb ist das die Ursache für die eigene Insolvenz. Zudem halten die derzeitigen Niedrigzinsen Unternehmen am Markt, die unter normalen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig wären. Über diesen Unternehmen schwebt das Damoklesschwert einer möglichen Zinswende.

Die zuletzt positiven Insolvenzstatistiken sind lediglich ein Blick in den Rückspiegel

Da in den Insolvenzstatistiken vor allem die Vergangenheit abgebildet wird, sie gewissermaßen ein Blick in den Rückspiegel sind, nehmen die genannten Risiken und Faktoren erst mit einer zeitlichen Verzögerung Einfluss auf das Insolvenzgesehen. Für das Jahr 2020 gehen die Experten von Crifbürgel daher von steigenden Firmeninsolvenzen aus. Für 2019 zeichnen sich einmal mehr, nämlich das zehnte Mal in Folge, eine sinkende Anzahl von Firmeninsolvenzen ab. Auf Jahressicht rechnet Crifbürgel mit 19.300 Firmenpleiten.

Beim Blick auf die regionale Verteilung der Firmen mit hohem Zahlungsausfall- bzw. Insolvenzrisiko zeigen sich jedoch große Unterschiede. In absoluten Zahlen stehen Nordrhein-Westfalen (67.144), Bayern (39.876), Baden-Württemberg (31.391) und Niedersachsen (26.898) an der Spitze der Statistik der Bundesländer mit den meisten finanzschwachen Unternehmen. In Bremen (2.490) und im Saarland (2.996) gibt es absolut vergleichsweise wenig Firmen mit einem erhöhten Zahlungsausfallrisiko. Bezogen auf die Firmendichte geht die höchste Insolvenzgefahr derzeit von Unternehmen in Sachsen-Anhalt aus.

In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind über 12 Prozent der Unternehmen in finanzieller Schieflage

Aktuell sind 12,2 Prozent der Unternehmen in Sachsen-Anhalt in einer finanziellen Schieflage und somit von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit betroffen. Aber auch in Sachsen (12,1 Prozent) Berlin (10,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (10 Prozent) ist mehr als jedes zehnte Unternehmen von einer Insolvenz bedroht. Prozentual betrachtet geht ein geringeres Risiko von Unternehmen in Bayern aus. Hier gelten nur 6,4 Prozent der Unternehmen als bonitätsschwach.

Auch in Baden-Württemberg (6,9 Prozent), Hessen (7,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (7,8 Prozent) ist die Quote insolvenzgefährdeter Unternehmen geringer als im Bundesdurchschnitt (8,7 Prozent). In neun Bundesländern ist die Zahl finanzschwacher Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen. Die größten Zuwächse an finanzschwachen Unternehmen gab es in Hessen (plus 6,5 Prozent), Sachsen (6,0 Prozent), Hamburg und Sachsen-Anhalt (je 4,6 Prozent). In Brandenburg hingegen gibt es acht Prozent weniger insolvenzgefährdete Unternehmen als noch vor einem Jahr.

Branchen mit dem höchsten Insolvenzrisiko: Logistik und Gastgewerbe

Je nach Branchenzugehörigkeit der untersuchten Unternehmen zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der finanziellen Schwäche. Am stärksten von möglichen Zahlungsausfällen betroffen sind Unternehmen aus der Logistik (Insolvenzrisiko liegt bei 13,5 Prozent) und aus dem Gastgewerbe (11,3 Prozent).

13,8 Prozent der Unternehmergesellschaften (haftungsbeschränkt) droht eine Insolvenz. Damit nimmt die UG den schlechtesten Wert aller Rechtsformen ein. Aber auch bei den Gewerbebetrieben (9,1 Prozent) und der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (8,8 Prozent) liegt der Anteil insolvenzgefährdeter Unternehmen über dem Durchschnitt. Ein geringes Insolvenzrisiko bergen Aktiengesellschaften. Nur 3,5 Prozent aller AGs gelten als finanzschwach und sind von einer Pleite bedroht.

Schuldneratlas 2019: 6,9 Millionen Bürger sind überschuldet!

Nun zu den Privaten Haushalten. Creditreform ist Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen, Marketingdaten und Lösungen zum Forderungsmanagement. Aktuell hat das Unternehmen den neuen Schuldneratlas 2019 veröffentlicht. Die Zahl überschuldeter Privatpersonen in Deutschland ist erstmals seit 2013 leicht zurückgegangen. Auch die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen in Deutschland, sinkt geringfügig.

Ein Grund dafür ist das Wachsen der Bevölkerung durch Zuwanderung. Zum Stichtag 1. Oktober 2019 betrug die Überschuldungsquote bundesweit exakt 10 Prozent. Damit sind weiterhin über 6,9 Millionen Bürger überschuldet und weisen „nachhaltige Zahlungsstörungen“ auf. Das sind rund 10.000 Personen weniger als im vergangenen Jahr (minus 0,1 Prozent)

„Harte“ vs. „weiche“ Überschuldung

Die Daten zur Überschuldungsintensität bestätigen den Grundtrend des Vorjahrs: Die Überschuldungsfälle mit juristisch relevanten Sachverhalten reduzierten sich deutlich um rund 125.000 Fälle (minus 3 Prozent). Fälle mit geringer Überschuldungsintensität stiegen hingegen um ca. 115.000 Fälle (plus 4,1 Prozent). Deutschlandweit bleiben rund vier Millionen Menschen in einer harten und damit tieferen Überschuldungsspirale gefangen. Von 2006 bis 2019 stieg die Zahl der Überschuldungsfälle insgesamt um 611.000 (plus 18 Prozent).

Osten verbessert sich, Westen stagniert

In den alten Bundesländern sind derzeit rund 5,8 Millionen Bürger überschuldet, in den neuen Bundesländern gut 1,1 Millionen. Zwar liegt die Überschuldungsquote im Osten mit rund 10,3 Prozent zum achten Mal in Folge über dem Vergleichswert im Westen (9,9 Prozent), trotzdem hat sich die Lage im Osten der Republik über die Jahre kontinuierlich verbessert. Abwanderungsbewegungen, ein Rückgang der Einwohnerzahl verhindert dort ein sichtbares Absinken der Überschuldungsquote.

Die Zahl der absoluten Überschuldungsfälle ging im Osten aktuell zurück (minus 11.000), im Westen stieg sie um 1.000 Fälle an. Auch ist der Rückgang der harten Überschuldung im Westen (minus 2,9 Prozent; 2018: minus 1,9 Prozent) schwächer ausgeprägt als im Osten (minus 3,3 Prozent; 2018: minus 2,9 Prozent). Der Anstieg der weichen Überschuldung dagegen liegt im Westen (plus 4,4 Prozent; 2018; plus 4,1 Prozent) höher als im Osten (plus 2,7 Prozent; 2018: plus 2,9 Prozent).

Ländertrend ohne Veränderung: Solides Süddeutschland

Die leicht positive, aber uneinheitliche Entwicklung spiegelt sich auch im Vergleich der Überschuldungszahlen nach Bundesländern: Zehn Bundesländer verzeichnen einen Rückgang der Überschuldungsquote. Bayern (7,31 Prozent) und Baden-Württemberg (8,23 Prozent) führen weiterhin das Ranking der Bundesländer mit der geringsten Überschuldung an. Thüringen (9,21 Prozent) folgt auf Rang drei vor Sachsen (9,81 Prozent). Die Schlusslichter bilden wie in den Vorjahren Bremen (14,02 Prozent), Sachsen-Anhalt (12,71 Prozent) und Berlin (12,31 Prozent).

Alarmsignal: Die Altersarmut explodiert!

7,65 Prozent der Frauen über 18 Jahre gelten als überschuldet und nachhaltig zahlungsgestört, bei den Männern sind es aktuell rund 12,5 Prozent. Die Überschuldungsfälle nahmen bei den Frauen in 2019 weiter zu (2,7 Millionen; plus 6.000 Fälle), bei den Männern nahmen sie weiter ab (4,2 Millionen; minus 16.000 Fälle). Der Faktor „Altersüberschuldung“ gewinnt weiter an Bedeutung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der verschuldeten Rentner über 70 Jahre mit zusätzlichen 118.000 Fällen auf insgesamt 381.000 Menschen um fast die Hälfte angestiegen (plus 45 Prozent).

Die Überschuldungsquote (2,95 Prozent) bleibt allerdings weiterhin deutlich unter den Vergleichswerten anderer Altersgruppen. Im Langzeitvergleich 2013 / 2019 wird die überdurchschnittliche Zunahme mit einem Anstieg von 243 Prozent deutlich. Ganz anders ist die Entwicklung von Überschuldungszahl und -quote bei den Jüngeren: Hier waren 12,13 Prozent (minus 1,34 Punkte) oder 1,42 Millionen junge Menschen in Deutschland unter 30 Jahre überschuldet (minus 167.000 Fälle).

Der Konjunkturboom kommt bei vielen Menschen nicht an

Vertiefende Sonderauswertungen belegen, dass die Zunahme von Überschuldungszahlen und -quoten in den vergangenen 15 Jahren mit der Entwicklung der Armutsgefährdung, aber auch mit der Entwicklung der Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland korrespondiert. Sie zeigen allerdings auch, dass Überschuldung in nicht von Armut betroffenen Schichten und Milieus anzutreffen ist.

Der langjährige Konjunkturboom in Deutschland hat offensichtlich nicht dazu beigetragen, dass die Armutsgefährdungs- und Überschuldungsquoten zurückgegangen sind. Angesichts eingetrübter konjunktureller Rahmenbedingungen ist wohl nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen. Weiterführende Informationen…

Markus Miller  | Gründer GEOPOLITICAL.BIZ

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