Afrika: Zukunftsmarkt und Risikoherd!

In den breiten Medien lesen Sie Tag für Tag Berichte zu positiven Entwicklungen, aber auch zu Konflikten. Im Mittelpunkt stehen dabei auf Länderebene überwiegend die Spannungen zwischen den USA und China, der Brexit, die Differenzen Europas mit Russland oder die Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten. Das von Ian Bremmer gegründete Analysehaus Eurasia Group mit Sitz in New York hat bereits Ende des letzten Jahres seinen renommierten Global Risk Report 2019 veröffentlicht.

Dieser zeichnete ein sehr düsteres Bild. Das grundlegende Fazit war: Der Erosionsprozess der geopolitischen Ordnung wie wir diese seit Jahrzehnten kennen, ist aktuell auf der ganzen Welt in vollem Gange. Unter den 10 größten Risikoherden befindet sich dabei ein Land, dem wir aktuell viel zu wenig Beachtung schenken. Ich spreche von Nigeria. Das afrikanische Land wird in den kommenden Jahrzehnten zum bevölkerungsreichsten Staat nach China und Indien heranwachsen wie die nachfolgende Statista-Grafik eindrucksvoll verdeutlicht.

Die USA werden hinter Nigeria zurückfallen

1950 lebten in beiden deutschen Staaten zusammengenommen rund 70 Millionen Menschen – genug für Platz sechs im Ranking der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, wie die obige Grafik zeigt. 70 Jahre später sind aus den damaligen Top 10 immer noch sechs Länder vertreten. An der Spitze steht China, für das die Vereinten Nationen im Jahr 2020 von über 1,4 Milliarden Einwohnern ausgehen. 80 Jahre in die Zukunft gesprungen sind aus der Spitzengruppe von 1950 nur noch vier Länder übrig.

Dabei fallen zwei Entwicklungen ins Auge, für deren Einordnung es wichtig ist zu wissen, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2100 voraussichtlich fast überall rückläufig sein wird. Zum einen ist die chinesische Bevölkerung um fast 400 Millionen geschrumpft, zum anderen sind fünf afrikanische Länder vertreten. Letzteres liegt daran, dass die Vorhersagen der Vereinten Nationen davon ausgehen, dass die Bevölkerung des afrikanischen Kontinents zu diesem Zeitpunkt als einzige noch wächst.

Die Entwicklung Afrikas birgt große Chancen aber auch Risiken!

Chancen: Afrika bleibt ein stabiles Investmentziel mit einer jungen und zunehmend urbanen Bevölkerung, einem Reichtum an natürlichen Ressourcen und Rohstoffen sowie der Fähigkeit, technologische Sprünge in den Bereichen Telekommunikation und Finanzen zu machen. Der zunehmende Wettbewerb um Investitionen auf dem gesamten Kontinent hilft, Reformen voranzutreiben

Insbesondere in Zeiten eines Handelskrieges, der die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen und die globale Nachfrage nach Öl und Gas weiter verringern könnte, schwächt die Abhängigkeit von Rohstoffexporten eine Wirtschaft. Aus diesem Grund konkurrieren Regierungen darum, Investmentkapital und Unternehmen anzuziehen, um ihre Fertigungs- und Servicesektoren zu erweitern, und Waren und Dienstleistungen für die vielen Millionen Afrikaner zu liefern, die in die Städte des Kontinents ziehen.

Risiken: Zahlreiche Staaten in Afrika sind nach wie vor instabil in Bezug auf ihre Wirtschaftsleistung, die Rechtssicherheit und die politischen Rahmenbedingungen. Sollte es zu inneren Unruhen, Bürgerkriegen, Hungersnöten – beispielsweise durch die Auswirkungen des Klimawandels – oder sonstigen Konflikten kommen, sind massive Migrationsbewegungen in Richtung Europa zu erwarten. Eine derartige Flucht und Völkerwanderung würde wiederum Europa vor gigantische Herausforderungen stellen. Nigeria ist für mich dabei rein augrund seiner Bevölkerungszahl eine tickende Zeitbombe.

Afrika als Investmentmarkt: Der Risiko-Ertrags Index 2019

Bei allen Risiken heute der primäre, positive Blick auf die Chancen des bevölkerungsreichen Zukunftsmarktes Afrika. Die vierte Ausgabe des Africa Risk-Reward Index (Risiko-Ertrags-Index) der spezialisierten globalen Risikoberatung Control Risks und der unabhängigen Beratungsagentur Oxford Economics wurde vor kurzem veröffentlicht. Der Bericht liefert ein umfassendes und aktuelles Bild der hochdynamischen Rahmenbedingungen für Geschäftsinvestitionen in Afrika.

Daraus ableiten lassen sich somit auch Handlungsalternativen für private Investments in Afrika. Der Index verfolgt die Entwicklung der Investmentlandschaft in großen afrikanischen Märkten. Die diesjährige Ausgabe hebt mehrere wichtige und interessante Trends hervor, die sich auf Investmentstrategien für den gesamten Kontinent auswirken.

Forschungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass Wahlen in afrikanischen Märkten Spannungen schüren und Investmentbedenken hervorrufen können. Wahlen können jedoch auch zur Stabilisierung der politischen Landschaft Afrikas beitragen. Es ist entscheidend zu ermitteln, wie sie Ungewissheit beenden, für Legitimität sorgen und bestehende oder neue afrikanische Führungspersönlichkeiten mit den Mandaten ausstatten können, die erforderlich sind, um Reformen voranzubringen.

Das höchste Ertragspotential liegt in Ostafrika

Seit jeher dominieren die großen afrikanischen Ökonomien das Investment in den Kontinent, doch neue, interkontinentale Handelsräume verlagern nun die Machtbalance. Der Index analysiert die potenziellen Auswirkungen der Einführung der Panafrikanischen Freihandelszone (AfCFTA) und führt einige Bedenken bezüglich ihrer Implementierung an. Der Report beleuchtet außerdem den erheblichen Fortschritt, den zwischenstaatliche Organisationen wie die erstarkende East African Community (EAC) erzielt haben.

Die aktuelle Ausgabe des Index zeigt einen leichten Anstieg der Ertragsbewertungen für einige der größten Ökonomien auf dem Kontinent, einschließlich Nigeria, Angola und Ägypten. Allerdings konzentriert sich das höchste Ertragspotenzial weiterhin in Ostafrika. Hier erhöhen Service- und Infrastrukturentwicklungen die Nachfrage und verbessern so die Geschäftsumgebungen. Der Bericht geht auch auf gängige Fehlinterpretationen der externen Einflüsse ein, die sich auf afrikanische Wirtschaften auswirken.

Afrika wird zunehmend zu einem Spielball der Geopolitik

Afrika ist nicht länger ein chancengleiches Spielfeld für US-amerikanische und chinesische Akteure, wie es häufig angenommen wird. So beläuft sich das aktuelle Handelsvolumen zwischen den USA und dem afrikanischen Kontinent auf 39 Mrd. USD, während das Volumen des China-Afrika-Handels mehr als 200 Mrd. USD beträgt, und sich das Volumen des EU-Afrika-Handels mittlerweile sogar auf 300 Mrd. USD beläuft.

Das Standardnarrativ der US-China-Rivalität in Afrika ist nun endgültig veraltet. Das chinesische Engagement in Afrika unterläuft einen fundamentalen Wandel. Die USA versuchen aufzuholen und eine Reihe anderer Länder streben danach, ihren Einfluss auszuweiten. Geopolitische Ziele werden unterstützt durch eine Flut von Entwicklungsfinanzierung, was einerseits Chancen birgt, und andererseits für Konkurrenz zwischen den Akteuren des Privatsektors sorgt. Die nachfolgende Grafik zeigt die Chancen-Risikoverteilung (Risk-Reward Index) ausgesuchter Länder Afrikas.

Afrika: Die Risiko-Ertrags-Verteilung 2019

Afrikas Vorteile: Junge Bevölkerung und hoher Reichtum an natürlichen Ressourcen

In Afrika ist Diversifizierung zunehmend mit Erfolg gleichzusetzen, und Wirtschaften können sich nicht länger einfach darauf verlassen, die meisten mineralischen Rohstoffe zu besitzen. Für weniger erfahrene Investoren in Afrika bietet der Risk-Reward Index eine vergleichende Momentaufnahme von Marktchancen und -risiken auf dem gesamten Kontinent – und liefert kritische Informationen für Markteinstiegsstrategien. Für erfahrene Investoren bietet er einen langfristigen Ausblick auf zentrale Trends, die die Investmentlandschaft in großen afrikanischen Wirtschaften prägen. Weiterführende Informationen…

(c) Markus MillerGEOPOLITICAL.BIZ

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