Die 4 besten Rentensysteme der Welt!

In Deutschland wurde die Rentenversicherung 1889 durch Bismarck eingeführt. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag damals bei 40 Jahren. 1968 wurde das Umlageverfahren eingeführt, auf Basis des Wirtschaftswunders und der Babyboomer. Dieses System passt heute längst nicht mehr und birgt für viele Bürger große finanzielle Risiken bzw. Versorgungslücken im Alter. 

Das gesetzliche Rentensystem in Deutschland basiert auf einem Umlageverfahren. Das bedeutet, dass die Zahlungen der Beitragszahler direkt als Auszahlungen an die derzeitigen Rentner geleistet werden. Die Beitragszahler erhalten parallel zu Ihren Einzahlungen sogenannte Entgeltpunkte als zentrale Werteinheit in der gesetzlichen Rentenversicherung gutgeschrieben. Diese Systematik ist geläufig unter dem Begriff des Generationenvertrages, der die Basis für die reguläre Altersrente ist.

Die Beitragszahler werden weniger – Die Rentenbezieher werden älter

Diese Regelaltersrente können fast alle Bürger beantragen, die gearbeitet haben, oder Kinder erzogen haben. Dafür genügen fünf Jahre Mindestversicherungszeit (Wartezeit) als Voraussetzung für den Leistungserhalt. Es muss allerdings ein bestimmtes Alter erreicht sein. Diese Altersgrenze steigt seit 2012 stufenweise von 65 Jahre auf 67 Jahre an. Ein entscheidender Grund hierfür ist die längere Lebenserwartung. Weil die Bürger immer älter werden, erhalten sie immer länger Rentenzahlungen. Mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters versucht der Gesetzgeber sicherzustellen, dass die Beiträge für die jüngere Generation bezahlbar bleiben.

Der Generationenvertrag gerät zunehmend in Schieflage, weil Deutschland überaltert. Immer mehr Rentnern, die immer älter werden mit steigenden Rentenbezugszeiten, stehen ebenso zunehmend weniger junge Menschen als Beitragszahler in das gesetzliche Rentensystem gegenüber. Die Lücke zwischen eingenommenen Rentenbeiträgen und den Rentenausgaben ist über die letzten Jahre bereits stetig größer geworden. 1992 lag der Anteil der Rentenausgaben, der durch Beiträge gedeckt ist, bei 92,2 Prozent. 2017 lag er lediglich noch bei rund 84 Prozent.

Über Deutschland schwebt das Damoklesschwert der Demografie

Der demografische Wandel ist in Deutschland in vollem Gang. Wie stark die deutsche Bevölkerung altert, zeigt die Statista-Grafik auf Basis der Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes. Die Alterspyramide in Deutschland entwickelt danach bis 2060 immer stärker eine Urnenform – unten schmal und nach oben breiter werdend. Diese Form kommt zustande, weil einerseits die Geburtenzahlen abnehmen und andererseits die Lebenserwartung zunimmt. Gut zu erkennen ist, das demnächst die so genannte Babyboom-Generation in Rente gehen wird. Als Babyboomber werden die geburtenstarken Jahrgänge der Zeit von 1955 bis 1965 bezeichnet.

Das Wirtschaftswunder sorgte damals für steigende Geburtenraten. Das staatliche Rentensystem wird daher in den kommenden Jahren großen finanziellen Belastungen ausgesetzt. Für die Prognose wurde eine moderate Entwicklung bei der Entwicklung der Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und der Bevölkerungswanderung (Zu- und Wegzug) angenommen. Auf der oben verlinkten Seite des Statistischen Bundesamtes können Sie bei diesen drei Annahmen variieren und sich dafür jeweils weitere Alterspyramiden anzeigen lassen.

Erhöhte Gefahr der Altersarmut durch biometrische Risiken wie Unfall oder Krankheit

Die Wissenschaft der Biometrie beschreibt das Feld der Vermessung des menschlichen Körpers und seiner Merkmale. Risiken, die Auswirkungen auf die Lebenserwartung oder den Lebensablauf eines Menschen haben, werden als biometrische Risiken definiert.

Die wichtigsten biometrischen Risiken sind:

+ (vorzeitiger) Tod

+ Langlebigkeit

+ Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, Invalidität

+ Schwere Erkrankungen (Dread Disease)

+ Pflegebdürftigkeit

Wichtig: Die Rente ist sicher – die Kaufkraft nicht!

Ich werde häufiger gefragt, warum denn die Langlebigkeit ein Risiko sein soll. Ganz einfach, weil die Langlebigkeit beispielsweise in Armut und/oder Krankheit erfolgen kann, da die Rentensysteme – wie bereits beschrieben – nicht darauf ausgelegt sind. Die Ersparnisse oder die Höhe bzw. die Kaufkraft der Rentenzahlung stehen für viele Bürger zunehmend nicht mehr im Einklang. Wichtig ist dabei für alle Bürger, dass – frei nach Norbert Blüm – die absolute Rentenzahlung zwar sicher sein mag, das Kaufkraftniveau der Rente aber zunehmend erodiert. Ebenso steigt das Armutsrisiko nicht nur im Falle fehlender Beitragszahlungen durch Arbeitslosigkeit oder niedrigem Lohn, sondern beispielsweise auch im Hinblick auf einen Unfall oder den Eintritt einer Krankheit bzw. Behinderung. Das verdeutlichen unterschiedliche Analysen.

Wer in seinen Aktivitäten beispielsweise eingeschränkt ist, etwa in Folge eines Unfalls, ist stärker von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht als Menschen, die unter diesen Einschränkungen nicht leiden. Das zeigt die nachfolgende Statista-Grafik auf Basis von jüngsten Eurostat-Zahlen. Besonders stark ist das Armuts- und Ausgrenzungsrisiko demnach in Bulgarien und Irland. Deutschland liegt im EU-Vergleich auf Rang 11. Frankreich und die Slowakei bilden die Schlusslichter im Ländervergleich. Hier ist das Armutsrisiko für Menschen mit Aktivitätseinschränkungen relativ gering.

Studie: 37 Rentensysteme im globalen Vergleich

Vor diesen Rahmenbedingungen lohnt sich der Blick auf ausgesuchte Rentensysteme in der Welt. Im Vergleich von 37 Altersvorsorgesystemen weltweit belegt Deutschland in der Gesamtbewertung Rang 13 (66.1 Punkte). Im Index erreichen die Niederlande und Dänemark A-Noten (81.0 und 80.3 Punkte) und sind damit am besten auf die Herausforderungen der älter werdenden Bevölkerung vorbereitet. Dies sind die Ergebnisse des Melbourne Mercer Global Pension Index (MMGPI), der in diesem Jahr zum elften Mal erschienen ist und fast zwei Drittel der Weltbevölkerung abdeckt.

Die Studie verdeutlicht das breite Spektrum und die Vielfalt der weltweiten Rentensysteme und zeigt, dass selbst die besten Systeme der Welt Mängel aufweisen. In diesem Jahr wurden die Philippinen, Thailand und die Türkei neu in den Index aufgenommen.

Teilnahmequote an der betrieblichen Altersvorsorge sollte erhöht werden

In der Gesamtbewertung liegt Deutschland bei 66.1 Punkten (2018: 66.8 Punkte). Beim Sub-Index Angemessenheit erreicht Deutschland 78.3 Punkte (2018: 79.9 Punkte), beim Faktor Integrität 76.4 Punkte (2018: 76.6 Punkte). Beim Sub-Index Nachhaltigkeit liegt Deutschland mit 44.9 Punkten unter dem Durchschnitt. Dieser Sub-Index untersucht anhand mehrerer Indikatoren, ob das gegenwärtige Rentensystem in Zukunft aufrechterhalten werden kann.

Die diesjährige Studie zeigt, dass das Altersvorsorgesystem in Deutschland bei den Faktoren Angemessenheit und Integrität stabil ist. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit muss es allerdings verbessert werden. Unser Rentensystem muss auf Basis der Mercer-Studie nachhaltig gestärkt werden und dazu gehört neben einer soliden Finanzierung auch, dass die flächendeckende Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung – gerade im Niedriglohnsektor – forciert wird.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz ist bisher weitgehend wirkungslos geblieben. Das Ziel des Gesetzes ist es, die Teilnahmequoten an der betrieblichen Altersvorsorge zu erhöhen. Hier sind insbesondere die Tarifparteien gefordert, die Voraussetzungen zur Einführung von Sozialpartnermodellen zu schaffen. Daneben sind aber auch die Unternehmen aufgefordert, die betriebliche Altersvorsorge als einen zentralen Benefit attraktiver zu machen.

Mitarbeitergruppen in den Organisationen sind heutzutage nicht mehr homogen. Daher sind flexible und individualisierbare Lösungen wichtig. Diese müssen zielgruppengerecht gestaltet sein und die Informationen zur Altersvorsorge eines Arbeitnehmers verständlich, in Echtzeit, über digitale Portale und auf gängigen Devices zugänglich machen. Dann wird auch der Wert dieses Benefits deutlich.

Weitere Empfehlungen, die sich aus den Studienergebnissen für Deutschland ergeben:

+ Ergänzung des umlagefinanzierten Systems durch kapitalgedeckte Modelle

+ Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner

+ Weitere Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer

+ Verbesserung der Kommunikation an die Leistungsempfänger    

+ Erhöhung der Teilnahmequoten in der betrieblichen Altersversorgung

Mit steigendem Pensionsvermögen wächst die Bereitschaft zur Schuldenaufnahme

Der MMGPI ist die erste internationale Studie, die den sogenannten „Vermögenseffekt“ dokumentiert. Dr. David Knox, Autor der Studie und Senior Partner bei Mercer in Australien, erklärt, dass sich Verbraucher mit steigendem Pensionsvermögen finanziell sicherer fühlen und daher bereits vor der Pensionierung Kredite aufnehmen, um ihren derzeitigen und zukünftigen Lebensstandard zu verbessern.

Jedes Rentensystem weist eine Reihe von Besonderheiten auf. Der MMGPI macht jedoch deutlich, dass es Herausforderungen gibt, die alle Regionen betreffen. Die Systeme auf der ganzen Welt sind mit einer steigenden Lebenserwartung und einem zunehmenden Druck auf die öffentlichen Mittel zur Unterstützung der Gesundheit und des Wohlergehens älterer Menschen konfrontiert. Daher ist es unerlässlich, dass politische Entscheidungsträger die Stärken und Schwächen der Rentensysteme analysieren, um langfristige Sicherheit für die Rentner der Zukunft zu erzielen.

Der Melbourne Mercer Global Pension Index nach Zahlen

Die Niederlande erreichten den höchsten Indexwert (81.0) und lagen bei 10 der letzten 11 MMGPI-Studien stets auf Platz eins oder zwei. Thailand weist den niedrigsten Indexwert (39.4) auf. Beim Sub-Index Angemessenheit liegt Irland mit 81.5 Punkten auf Platz 1, Dänemark erreicht mit 82.0 Punkten beim Index Nachhaltigkeit den höchsten Wert und Finnland führt mit 92.3 Punkten bei Integrität. Auf dem jeweils letzten Platz liegen Thailand bei der Angemessenheit (35.8), Italien bei Nachhaltigkeit (19.0) und die Philippinen bei Integrität (34.7).

Nachhaltigkeit ist nach wie vor eine Schwäche vieler Rentensysteme

Der Subindex für Nachhaltigkeit zeigt auch in diesem Jahr die Schwäche der Systeme auf. Insbesondere das Nachhaltigkeitsproblem vieler südamerikanischer und asiatischer Systeme wurde mit einem durchschnittlichen Nachhaltigkeitsgrad von D bestätigt. Obwohl Chile einen starken Wert von 71.7 erreicht, erzielten Brasilien und Argentinien nur 27.7 bzw. 31.9 Punkte. Ähnlich verhält es sich in Asien. Hier liegt Singapur bei 59.7 Punkten, Japan hingegen nur bei 32.2. Dieses Problem ist jedoch nicht nur auf Schwellenländer beschränkt. Viele europäische Volkswirtschaften stehen unter ähnlichem Druck. Obwohl Dänemark mit 82.0 die höchste Punktzahl für den Nachhaltigkeits-Subindex erzielt, liegen Italien und Österreich nur bei 19.0 bzw. 22.9 Punkten.

Während einige Faktoren, die zum Nachhaltigkeitswert beitragen, schwer zu ändern sind, können andere beeinflusst werden, um die langfristige Wirksamkeit eines Rentensystems zu stärken. Hierzu zählt die Förderung eines höheren Sparniveaus für die Zukunft, die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters und die Befähigung der Menschen, etwas länger zu arbeiten.

Obwohl bei einigen Systemen immer noch Benefits-Systeme von Bedeutung sind, die auf leistungsorientierten Anlagestrategien basieren, spielen beitragsorientierte Pläne eine immer wichtigere Rolle für die Altersvorsorge. Die Maximierung der risikobereinigten Anlagerenditen für beitragsorientierte Pensionspläne durch die Diversifizierung der gehaltenen Vermögenswerte ist entscheidend.

Es ist wichtig, dass die staatliche Rente bzw. das Rentenalter im Einklang stehen mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung – dies ist ein Schritt, den einige Regierungen bereits unternommen haben. Denn nur so können die Kosten für öffentlich finanzierte Rentenleistungen gesenkt werden.

Analyse: Die 4 besten Rentensysteme der Welt

Fazit: Gesamtsieger Niederlande – Top: Irland, Dänemark und Finnland!

Der Gesamtsieger des Rentensystem-Tests kommt somit aus den Niederlanden. In Bezug auf die Angemessenheit ist Irland führend, bei der Nachhaltigkeit liegt Dänemark vorne. Im Hinblick auf die Integrität ist Finnland spitze. Weiterführende Informationen…

(c) Markus MillerGEOPOLITICAL.BIZ

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