Schweizer Privatbanken: Das Sterben geht weiter!

(13.09.19) Wer reich ist, kann sich in der Regel frei aussuchen, wo er leben möchte. Eine Studie der Marktforschungsgruppe New World Wealth zeigt die beliebtesten Länder bei HNWIs, also Personen, die mehr als eine Million US-Dollar besitzen. Die Schweiz liegt in dieser Statistik auf Rang Nr. 4.

Das Ergebnis: Im vergangenen Jahr 2018 zog es die meisten Millionäre nach Australien (rund 12.000) und in die USA (rund 10.000). Rund 4.000 HNWIs wanderten nach Kanada ein und rund 3.000 in die Schweiz. Auf Platz fünf stehen die Vereinigten Arabischen Emirate, gefolgt von der Karibik, wie die nachfolgende Statista-Grafik zeigt. In der EU lockten Portugal, Griechenland und Spanien 2018 die meisten Millionäre an.

Wohnsitze der Ultra- und Superreichen: London Nr. 1. – Zürich Nr. 9

London hat weltweit die meisten superreichen bzw. ultrareichen (UHNWI) Einwohner – das geht aus einer Studie der Immobilienagentur Knight Frank hervor. In der englischen Hauptstadt lebten demnach im vergangenen Jahr rund 5.000 Ultrareiche. Rang 2 und 3 der Städte mit den meisten ultrareichen Einwohnern belegen Singapur und Tokio, wie die Statista-Infografik zeigt. Doch auch eine Schweizer Metropole ist bei Multimillionären beliebt: 1.507 Ultrareiche wohnten 2018 in Zürich (Rang 9). Als superreich bzw. ultrareich gilt, wer über ein Nettovermögen von mehr als 30 Millionen Dollar verfügt.

Schweizer Privatbanken: Die klassische Bankenbranche erodiert!

Der Standort Schweiz und auch Schweizer Kantonalbanken oder innovative Discountbroker, Direktbanken und FinTech-Banken haben nichts an ihrer Attraktivität für Investoren und Privatanleger verloren. Im Gegenteil: Die Schweiz ist ein attraktiver Finanzplatz für innovative Banken, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister.

Ganz anders stellt sich hingegen die Situation dar, mit Blick auf die einst so ertragsstarken Privatbanken in der Schweiz. Deren USP (Alleinstellungsmerkmal bzw. Hauptverkaufsargument) lag in der Vergangenheit häufig ausschließlich auf dem Schweizer Bankgeheimnis (Stichwort Steueroase bzw. Schwarzgeld). In steuerlichen Angelegenheiten ist das Bankgeheimnis in der Schweiz faktisch nicht mehr existent. Schweizer Privatbanken sind übermäßig von den Finanzmärkten abhängig. Das schwierige Marktumfeld des Jahres 2018 hat die Schwäche der Institute offengelegt: Die meisten Privatbanken haben ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle nicht ausreichend verbessert oder ihre Strategie nicht optimal angepasst, um ihren Erfolg nachhaltig zu sichern. Wie die diesjährige Privatbankenstudie von KPMG und der Universität St. Gallen (HSG) zeigt, konnten die meisten Schweizer Privatbanken ihre verwalteten Vermögen bei weitem nicht ausreichend steigern. Zudem sind sie zu wenig in Wachstumsmärkten präsent, was die Gewinnung von Neukunden erschwert.

Als Folge ist der globale Marktanteil der Schweizer Privatbanken rückläufig. In ihrer jährlichen Studie untersuchten KPMG Schweiz und die Universität St. Gallen (HSG) insgesamt 87 in der Schweiz tätige Privatbanken und bewerteten die Leistung dieser Privatbanken sowie die wichtigsten Branchentrends. Unter dem Strich war 2018 ein sehr enttäuschendes Jahr für Privatbanken in der Schweiz

Sinkender Marktanteil aufgrund stagnierender Nettoneugelder

Während der Wohlstand weltweit zunimmt, stagnieren die Nettoneugelder der Schweizer Privatbanken. Nur wenige Privatbanken konnten über die vergangenen Jahre konstant mehr als 5 Prozent an Nettoneugeldern generieren. Der Median des Nettoneugeldwachstums betrug 2018 nur 0,2 Prozent. Nachdem die tiefen Nettoneugelder über Jahre mit Altlasten, Steuertransparenz (AIA) sowie strengen Regulierungs- und Compliance-Vorschriften begründet wurden, blicken die Privatbanken nun der Realität ins Auge. Zu viele Strategien haben nicht das erwartete Geschäfts- und Profitabilitätswachstum generiert und die Privatbanken sind zu selten in Wachstumsmärkten präsent, was die Gewinnung von genügend Neukunden weiter limitiert. Als Folge ist der globale Marktanteil der Schweizer Privatbanken rückläufig.

Über die letzten Jahre hat sich eine Gruppe von Privatbanken in Schweizer Besitz mit jeweils mehr als CHF 100 Milliarden an verwaltetem Vermögen herausgebildet. Dies hat sich als Erfolgsmodell erwiesen. Die Institute verfügen in der Regel über ein internationales Niederlassungsnetz, das sich auch auf die Wachstumsmärkte erstreckt. Durch die genannte Mindestgröße für nachhaltigen Erfolg verfügen sie über größere Ressourcen für Investitionen und die Geschäftsentwicklung, profitieren von ihrer Marke als Schweizer Vermögensverwalter und erzielen darüber hinaus Größenvorteile. In einer Branche, in der eine teure Onshore-Präsenz für die Expansion in den globalen Wachstumsmärkten notwendig ist, verleiht dies den Banken einen wichtigen Wettbewerbsvorteil

Nettoneugeldentwicklung der Schweizer Privatbanken

(Bildquelle: KPMG)

Bedenkliche Kennzahlen: Erträge sinken – Kosten steigen!

Nur ein Drittel der Privatbanken konnte 2018 ihre Cost-Income-Ratio verbessern. Die mediane Cost-Income-Ratio stieg um 1,9 Prozentpunkte auf ein neues Allzeithoch von 83,6 Prozent. Diese Verschlechterung wurde primär von kleinen und leistungsschwachen Banken getrieben. Während große Banken 2018 ihre Cost-Income-Ratio um 2,8 Prozentpunkte auf 79,1 Prozent verbessern konnten (2017: 81,9 Prozent), operierten kleine Banken mit einer medianen Cost-Income-Ratio von 86,3 Prozent (2017: 82,4 Prozent). Die operative Gewinnmarge erodierte 2018 nach einer Erholung im Vorjahr. Nur 39 Prozent der Schweizer Privatbanken konnten 2018 ihre operative Gewinnmarge steigern, obwohl die Zinserhöhungen in den USA und der über zehn Monate andauernde globale Marktwachstum zu steigenden Nettozinserträgen und Nettokommissionserträgen geführt hatten.

Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis (Cost-Income-Ratio) Schweizer Privatbanken

(Bildquelle: KPMG)

Rückläufige Eigenkapitalrenditen bei Schweizer Privatbanken

Die Eigenkapitalrendite setzte 2018 ihren Negativtrend fort und war bei über der Hälfte aller Privatbanken rückläufig. Die mediane Eigenkapitalrendite der untersuchten Privatbanken war mit nur 4,1 Prozent annähernd konstant gegenüber den Vorjahren und lag damit weiterhin unter dem angestrebten Niveau von rund 8-10 Prozent, das in etwa den Eigenkapitalkosten entspricht. Ein Lichtblick waren 2018 die großen Banken, die als einzige ihre Eigenkapitalrendite steigern konnten: Der Median der großen und mittleren Banken verbesserte sich um 2,0 respektive 0,8 Prozentpunkte. Bei den großen Banken entsprach dies einem Anstieg auf 7,8 Prozent, was den höchsten Wert seit 2012 darstellt und im Einklang mit der Zielrendite steht. Im Gegensatz dazu ging die mediane Eigenkapitalrendite der Kleinbanken um 0,6 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent zurück. 

Entwicklung der Eigenkapitalrendite bei Schweizer Privatbanken

(Bildquelle: KPMG)

Fortgesetzte Konsolidierung: Seit 2010 sind 62 Schweizer Privatbanken verschwunden!

Über die letzten 18 Monate sank die Zahl der Schweizer Privatbanken weiter auf jetzt 101. Dies war das Nettoresultat, nachdem acht Privatbanken aus dem Markt ausgeschieden sind und ein Institut von der FINMA die Bankenlizenz erhalten hat. Damit sind nun seit 2010 insgesamt 62 Privatbanken (-38 Prozent) aus der Schweizer Finanzlandschaft verschwunden. Trotz der anhaltend starken Finanzmärkte, die sich 2019 nach ihrem Einbruch von Ende 2018 wieder gut erholten, haben sich die Geschäftszahlen der Privatbanken weiter verschlechtert. Dies dürfte auf eine weitere Konsolidierungswelle hinauslaufen.

Entwicklung der Schweizer Privatbanken

(Bildquelle: KPMG)

Schweiz-Alternative: Vermögensverwaltung im Fürstentum Liechtenstein

Fortlaufend unterziehe ich alle Banken im kleinen aber feinen Fürstentum Liechtenstein einem Test. Dabei ist ganz grundlegend festzustellen, dass der Bankplatz Liechtenstein vor allem auf Vermögensberatungen und -verwaltungen spezialisiert ist. Dennoch entwickelt sich das Fürstentum Liechtenstein darüber hinaus derzeit auch zu einem State of Blockchain!

Konto- und Depotführungen bleiben für Anlagesummen unter mindestens 100.000 Euro bzw. Schweizer Franken als Untergrenze absolut unwirtschaftlich. Für ein effizientes Vermögensverwaltungs-Standbein im Fürstentum Liechtenstein sind nach meiner Einschätzung mindestens 300.000 Euro/CHF erforderlich. Lesen Sie hierzu auch die nachfolgenden BLOGS:

BLOG 1: Vermögensverwaltung: Bankplatz Liechtenstein unter der Lupe!

BLOG 2: Die Schuldenfreiheitsoase Nr. 1!

Markus Miller  | Gründer GEOPOLITICAL.BIZ

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