Gold kostet keine Zinsen!

Deutschland scheint sich auf eine Rezession zuzubewegen wie die aktuellen BIP-Zahlen zeigen. Das lässt einige Politiker, Ökonomen und Wirtschaftsvertreter neuerdings die Politik des ausgeglichenen Haushalts in Frage stellen. Sie argumentieren etwa, dass der Staat derzeit dank negativ verzinster Staatsanleihen mit Schuldenmachen sogar Geld verdienen könnte.

„Ökonomisch ist es unklug, was der Bundesfinanzminister macht“, urteilt beispielsweise Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Nettokreditaufnahme des Bundes liegt laut Bundesministerium der Finanzen bereits sein 2014 bei Null. Demnach hatte der deutsche Staat zuletzt also 2013 neue Schulden aufgenommen.

Zentralbanken und die Entwicklung der Leitzinsen

Die Federal Reserve (FED) hat erstmals seit 2008 den Leitzins abgesenkt – von 2,5 auf 2 bis 2,25 Prozent, wie die nachfolgende Grafik von Statista zeigt. Im Vergleich ist das immer noch nahezu astronomisch: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt bereits seit dem März 2016 bei Null Prozent und bis auf weiteres wird es auch dabei bleiben.

Zuletzt entschied die EZB vor kurzem, nicht an der Zinsschraube zu drehen. Gründe hierfür sind düstere Wirtschaftsaussichten und die schwache Inflation. Der Leitzins der Bank of England wurde zuletzt 2018 auf 0,75 Prozent angehoben.

Geldpolitik: Der EZB-Wahnsinn wird weitergehen

Die verantwortungslose EZB-Politik kann jetzt munter weitergehen. Die Europäische Bankenunion verstößt nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts nicht gegen das Grundgesetz. Die Richter in Karlsruhe wiesen eine entsprechende Verfassungsbeschwerde der Kläger zurück. Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 30.7.2019 ist die Debatte über die Souveränitätsverluste und Haftungszunahme durch die europäisierte Bankenaufsicht jedoch nicht abgeschlossen.

Im Gegenteil: Sie fängt erst richtig an. Denn wird sich in der Zukunft zeigen, dass – wie leider bisher – die neuen Regeln nicht angewendet werden, dann bliebe die Kreditwirtschaft weiterhin von den Sanktionen des Markes verschont.

Deutschland gibt seine Souveränität ab an die EU-Instanzen

„Mit der Bankenunion werden die Erträgnisse aus der in Deutschland erhobenen Bankensonderabgabe irreversibel auf europäische Instanzen übertragen, ohne dass deutsche Verfassungsorgane wie Bundesregierung und Bundestag bzw. die deutschen Kreditinstitute die Verwendung dieser Mittel kontrollieren oder gar beeinflussen können“, so der Prozessbevollmächtigte Prof. Markus C. Kerber. Die von den Beschwerdeführern inkriminierte Haftungszunahme bei vollständigem Herrschaftsverlust spiegelt das Defizit an Souveränitätsbewusstsein in der deutschen Politik und den widerstandslosen Konformismus großer Teile der Kreditwirtschaft wider.

Eine Klägergruppe um Prof. J.-H. von Stein, Bundesanwalt a.D. von Nieding sowie Prof. Alfred Schüller vertreten durch den Berliner Finanzwissenschaftler Prof. Markus C. Kerber sah die Übertragung der Bankenaufsicht auf europäische Institutionen als verfassungswidrig an und hatte daher 2014 Klage eingereicht.

Für den deutschen Steuerzahler bedeutet das Urteil:

Reichen die Mittel im bestehenden europäischen Abwicklungsfonds nicht aus und können Banken kein Geld nachlegen, muss der deutsche Staatshaushalt und damit der Steuerzahler für Bankenausfälle in der Eurozone haften. Ebenso steigen die direkten Haftungsrisiken für die Bankkunden innerhalb der EU-Bankenunion!

Europäische Geldpolitik: Das Anleihekaufprogramm mit den 12 Nullen

Somit kann das irrationale und verantwortungslose Anleihekaufprogramm auch unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde munter weitergehen. Seit März 2015 kauft die EZB im großen Stil Vermögenswerte an – zuletzt handelte es sich um Wertpapiere des öffentlichen Sektors. Über diesen Teil des Programms haben die Karlsruher Richter verhandelt. Insgesamt beläuft sich der Bestand der aufgekauften Anleihen seit 2015 auf 2,554 Billionen Euro, wie die nachfolgende Grafik von Statista zeigt. Eine Summe mit zwölf Nullen

Die EZB strebt eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Liegen die Preise dauerhaft darunter, könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen aufschieben, was wiederum die Wirtschaft bremst. Die Inflationsrate lag zuletzt deutlich unter dem angestrebten Wert, weshalb die EZB die Zinsen senkte und durch die Anleihenkäufe frisches Geld in den Markt bringt. Eine merkbare Veränderung an der Teuerungsrate stellte sich bisher nicht ein.

112 Banken und Sparkassen verrechnen mittlerweile Negativzinsen!

Die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Diskussion um Negativzinsen neu entfacht. Egal ob Genossenschafts- oder Sparkassenverband – Spitzenvertreter von beiden Seiten warnten jüngst die EZB vor weiteren Zinssenkungen und schlossen flächendeckende Strafzinsen für Kleinsparer nicht mehr aus.

Schon jetzt erheben 30 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt für vermögende Privatkunden, zum Teil schon für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. Das ist das vorläufige Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Verbraucherportals biallo unter gut 1.200 Banken und Sparkassen, an der sich bislang rund 170 Geldhäuser beteiligt haben.

Marketingtechnische Begriffskosmetik: Banken nennen Strafzinsen beschönigend Verwahrentgelt oder Guthabengebühr

Im Firmenkundengeschäft sind es sogar 108 Institute, die hohe Kundeneinlagen mit einem Verwahrentgelt bepreisen. Da darunter auch viele Geldhäuser zu finden sind, welche Negativzinsen für Privatkunden erheben, beläuft sich die Zahl insgesamt auf 112 Banken und Sparkassen, die einem Teil ihrer Kunden Negativzinsen in Rechnung stellen. Dabei gilt meist ein bestimmter Freibetrag. Das Verwahrentgelt wird dann für den übersteigenden Betrag kassiert. Begriffe wie Verwahrentgeld oder Guthabengebühr klingen dabei auch marketingtechnisch weit besser, als Straf- oder Negativzins.

Die überwiegende Mehrheit – 84 Prozent der von biallo erfassten Geldhäuser – gibt den negativen Einlagezins der EZB in Höhe von minus 0,40 Prozent eins zu eins weiter. Das ist der Strafzins, den die Institute zahlen müssen, wenn sie kurzfristig überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Die meisten Banken und Sparkassen mit Strafzinsen finden sich in Nordrhein-Westfalen (29), Bayern (26) und Baden-Württemberg (14).

Von einer pauschalen Bepreisung sehen die überregionalen Banken bislang noch ab

Die Deutsche Bank etwa plant keine flächendeckende Einführung von Strafzinsen. Allerdings: „Für institutionelle Kunden mit zusätzlichem Bedarf an Einlagenprodukten ist die Bank im engen Dialog, um passende Anlagealternativen oder Kompensationsmodelle zu vereinbaren“, heißt es von Seiten der Deutschen Bank.

Ähnlich äußert sich die Commerzbank: „Einlagen sind für uns ein wichtiges und stabiles Refinanzierungsinstrument. Es ist aktuell nicht geplant, dass wir von unserer bisherigen Linie abweichen und die Einlagen unserer Millionen privaten Kunden mit einem sogenannten Negativzins belasten werden“, so die Commerzbank. Bei großen Firmenkunden, Konzernen und institutionellen Anlegern werde bei hohen Einlagen eine individuelle Guthabengebühr für die überschüssige Liquidität vereinbart. Dies gelte allerdings nicht für den täglichen Zahlungsverkehr, sondern nur für echte Anlagebeträge.

Banken setzten auf margenstarke Anlagealternativen und Gebührenerhöhungen

Auch Postbank und Hypovereinsbank treffen individuelle Vereinbarungen mit institutionellen Großkunden, Privatkunden bleiben ebenfalls außen vor. Santander und Targobank verzichten gänzlich auf Negativzinsen im Einlagengeschäft und planen dies aktuell auch nicht – weder bei Firmen- noch bei Privatkunden.

Zu beobachten ist, dass Banken versuchen, die Negativzinsen durch teilweise massive Gebührenerhöhungen in anderen Bereichen zu kompensieren. Auch das geht selbstverständlich zu Lasten der Kunden, unabhängig davon ob Sie überhaupt Einlagen unterhalten oder nicht.

Das Sparverhalten der Deutschen ist irrational

Die Deutschen gehören trotz dieser negativen Zinsentwicklungen leider weiterhin zu den eifrigsten Sparern der Welt. Dadurch haben sie allein im ersten Halbjahr dieses Jahres 15,9 Milliarden Euro an Wertverlust erlitten. Im zweiten Quartal 2019 betrug der durchschnittliche Einlagenzins gerade einmal 0,16%, während die Inflation im selben Zeitraum bei 1,71% lag.

Daraus ergibt sich eine inflationsbereinigte Rendite aufs Ersparte von –1,55%. Dennoch setzen die Deutschen weiterhin auf niedrig verzinste Sparprodukte. In den letzten zwölf Monaten flossen 116 Milliarden Euro in Tagesgelder, Festgelder, Spareinlagen und auf Girokonten, was einem Zuwachs von 5,2% entspricht. Das ist absolut unverständlich, weil irrational!

Fazit: Die Antwort auf die Nullzinsphase muss lauten: Investieren statt sparen!

Bereits seit März 2016 liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank EZB bei 0%. Eine Änderung in den positiven Bereich ist bis auf weiteres nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Es droht eine Verschärfung der Negativzinspolitik, die früher oder später auch von den Banken an die Sparer weitergereicht werden muss. Deswegen müssen Anleger bzw. Bürger eigenverantwortlich und intelligent investieren, anstatt irrational zu sparen.

Vor dem Ausbruch der letzten großen Finanzkrise lagen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen aus Deutschland im Jahr 2007 bei 4,23%. Aktuell notieren diese Wertpapiere bei -0,08%. Eine Goldmünze hat mit 0% Ausschüttung somit eine höhere „Grundverzinsung“ als eine Staatsanleihe.

Gold zahlt keine Zinsen?

Vor diesen Rahmenbedingungen bekommt der eigentlich negativ gemeinte Spruch „Gold zahlt keine Zinsen“ eine ganz neue Bedeutung: Ja richtig, Gold kostet aber auch keine Negativ- bzw. Strafzinsen! Das gilt selbstverständlich nicht nur für Gold. Weiterführende Informationen …

(c) Markus MillerGEOPOLITICAL.BIZ

ABONNIEREN SIE UNSEREN FREIEN NEWSLETTER!

Erhalten Sie aktuelle Informationen und Hinweise auf unsere Berichte und Empfehlungen, allen voran bei neuen BLOGS auf unserem Portal – Abonnieren Sie jetzt unseren kostenfreien NEWSLETTER und beachten Sie bitte unsere PREMIUM PARTNER:

Schreibe einen Kommentar