Enteignung durch Negativzinsen!

Eine Zentralbank oder Notenbank ist eine Institution, die für die Geld- und Währungspolitik eines Staates, oder Währungsraumes zuständig ist. Zentralbanken wurden in den meisten Ländern mit dem Ziel geschaffen, das Preisniveau unter Kontrolle zu halten, sowie ein wirtschaftliches Gleichgewicht und die Geldwertstabilität zu gewährleisten. Diese Grundaufgaben gelten auch für die Notenbank der Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank SNB ist allerdings eine ganz besondere Zentralbank.

Sie ist börsennotiert und neben Zürich selbst an den Börsenplätzen Stuttgart und Frankfurt mit der ISIN-Nr.: CH0001319265 handelbar. 55 Prozent der Aktien der Schweizer Nationalbank SNB gehören den Schweizer Kantonen, 45 Prozent der Anteile befinden sich im Streu- bzw. Privatbesitz. Die Schweizerische Nationalbank musste im Jahr 2018 einen Verlust in Höhe von 14,9 Milliarden Schweizer Franken verbuchen. Das entspricht umgerechnet einem Fehlbetrag in Höhe von 13,2 Milliarden Euro.

Die Schweizer Nationalbank verdient 2 Milliarden CHF mit Negativzinsen

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank, als wichtigstes Kreditinstitut der größten Volkswirtschaft Europas, hat derzeit einen Börsenwert von lediglich 16 Milliarden Euro. Die Schweizer Notenbank sitzt auf gigantisch hohen Devisenreserven in Höhe von 764 Milliarden Schweizer Franken. Diese sind überwiegend in Euro und US-Dollar veranlagt. Die Abwertung des Euros gegenüber dem Schweizer Franken war wesentlich dafür verantwortlich, dass die Fremdwährungspositionen der SNB insgesamt einen Verlust von 16,3 Milliarden Schweizer Franken verzeichneten.

Trotzdem kann die SNB aufgrund Ihrer großen Bewertungsreserven in Höhe von über 45 Milliarden Schweizer Franken, auch für 2018 eine Dividende in Höhe von 2 Milliarden Schweizer Franken an den Bund und die Kantone ausschütten. Auch die Privaten Aktionäre erhalten eine Dividende in Höhe von 15 Schweizer Franken pro Aktie, was auf Basis des aktuellen Aktienkurses von 5.000 CHF allerdings einer Rendite von lediglich 0,3 Prozent entspricht. Die umstrittenste Bilanzposition bei der Schweizerischen Nationalbank für das Jahr 2018 ist ein Gewinn in Höhe von 2 Milliarden Schweizer Franken aus Negativ-Zinseinnahmen. Banken müssen für ihre Einlagenkonten bei der Notenbank -0,75 Prozent p.a. bezahlen.

Die EZB erhebt derzeit – noch – einen Negativzinssatz in Höhe von -0,4 Prozent p.a. Vor diesen Rahmenbedingungen müssen Sie stets unser Grundgesetz im Hinterkopf behalten. In Artikel 14 des Grundgesetzes (GG) steht eine für alle Vermögensinhaber ebenso bedeutende wie in Krisenzeiten sehr gefährliche Passage: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“. Faktisch ist das eine Sozialismus-Klausel.

Werden Sie sich bewusst: Negativzinsen sind faktisch ein Mittel und Weg der Enteignung!

Umfrage unter Bankkunden: Negativzinsen stoßen auf wenig Verständnis

Für Negativzinsen haben Bankkunden nur wenig Verständnis. Laut einer Umfrage des Onlineforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2017 würde jeder zweite Bankkunde in Deutschland (54 Prozent) sein Konto kündigen, falls ihr Kreditinstitut Negativzinsen ab dem ersten Euro Guthaben verlangen sollte. Von den befragten Sparkassen-Kunden gaben sogar 57 Prozent an, in diesem Fall ihr Konto kündigen und die Bank wechseln zu wollen.

Von den Volks- und Raiffeisenbank-Kunden würden 47 Prozent diese Maßnahme ergreifen, wie die Statista-Grafik zeigt. Ein kleiner Teil der Bankkunden könnte sich jedoch auch vorstellen, alternative Anlageformen wie Aktienfonds auszuprobieren, um dem Negativzins zu entgehen. Nur vier Prozent der Bankkunden würden gar nichts unternehmen. Laut YouGov dürfte das Ergebnis der Umfrage für viele Banken und Sparkassen in Deutschland eine Warnung sein, die mit dem Gedanken spielen, einen Negativzins zu erheben.

Deutschland spart dank Niedrigzinsen 368 Mrd. Euro

Staaten benötigen Kapital, um etwa Haushalte und Projekte zu finanzieren. Dieses Kapital leihen sie sich am Finanzmarkt über die Ausgabe von Staatsanleihen. Für dieses geliehene Kapital zahlen sie den Investoren Zinsen, die durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf ein Langzeittief gefallen sind. So musste der deutsche Staat vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 Investoren noch 4,23 Prozent Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen zahlen – zehn Jahre später lagen die Zinsen nur noch bei 0,37 Prozent.

Der deutsche Staat konnte durch die niedrigen Zinsen also viel Geld sparen. Nach Berechnungen der Bundesbank beläuft sich die kumulierte Zinsersparnis im Zeitraum von 2007 bis 2018 auf die Summe von 368 Milliarden Euro. Wie die nachfolgende Infografik von Statista auf Basis von Daten der Bundesbank (veröffentlicht durch das Handelsblatt) zeigt, hat damit kein EU-Land mehr von den niedrigen Zinsen profitiert als Deutschland. Ebenfalls massiv profitiert haben demnach Frankreich und Italien, gefolgt von Spanien und den Niederlanden.

Die Zinsersparnisse machen die Staaten einerseits handlungsfähig, weil sie damit – wie von der EZB beabsichtigt – u.a. Strukturreformen finanzieren können. Andererseits verleitet es einige Regierungen auch dazu, höhere Schulden aufzunehmen und z. B. vor Wahlen Geschenke an potentielle Wählerschichten zu verteilen. In Griechenland und Italien etwa ist dieses Phänomen gut zu beobachten.

Die Tagesanleihe des Bundes stirbt Ende 2019!

Kennen Sie noch Bundesschatzbriefe oder die Tagesanleihe des Bundes? Im Jahre 1969 wurden die Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze erstmalig eingeführt. Im Jahre 2008 folgte die stark nachgefragte Tagesanleihe des Bundes als Ergänzung. Speziell die Bundesschatzbriefe waren eine beliebte Kapitalanlage bei vielen Privatanlegern. Mehr als 330.000 Privatpersonen nahmen die sichere und kostenlose Verwahrmöglichkeit auf einem Schuldbuchkonto bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH (ehemals Bundesschuldenverwaltung) in Anspruch.

Breits zum 31.12.2012 wurde das Direktgeschäft mit den Bundeswertpapieren aus Kostengründen eingestellt. Neue Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze des Bundes gibt es nicht mehr. Diesem offensichtlich endgültigen Schicksal folgt nun auch die einstmals sehr beliebte Tagesanleihe des Bundes. Am 12. März hat die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH bekannt gegeben, dass die Tagesanleihe des Bundes zum Jahresende 2019 vollständig eingestellt wird.

Fazit: In einer Null- und Negativzinswelt ist kein Bedarf für Bundeswertpapiere

Bereits seit Anfang 2013 können keine neuen Anteile an der Tagesanleihe mehr erworben werden. Für eine Übergangszeit stand sie Bestandskunden noch für die Wiederanlage von Zinsen aus Bundeswertpapieren zur Verfügung. Eine Vielzahl dieser Wertpapiere ist inzwischen ausgelaufen. Die Anzahl der Konten ist in den vergangenen Jahren stark zurück-gegangen. Der Anteil der Tagesanleihe an der Gesamtverschuldung des Bundes beträgt nur noch 0,1 Prozent.

In einer Null- oder Negativzinswelt machen Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze oder Tagesanleihen schlicht keinen Sinn mehr. Das wird früher oder später auch für Bundesanleihen gelten. Die zehnjährige Bundeanleihe ist zuletzt wieder unter null Prozent gefallen auf eine Rendite von minus 0,001 Prozent. Auch hier gilt: Negativzinsen enteignen Ihr Sparvermögen!

(c) Markus MillerGEOPOLITICAL.BIZ

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